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Echo (Liedertswil) - Prophezeiung für Regen (Liedertswil) - ein Geist vertreibt das Wild (Münchenstein) - Quellen und Brunnen: Gallinsloch versiegt nie (Oltingen+Wenslingen) - Hungerbrunnen (Buus) - Goldquelle mit Quecksilber zerstört (Thürnen) - Bäche und Flüsse: Schmied ertrinkt beim Goldsuchen (Liestal) - Strudel in der Birs (Münchenstein) - Weiher, Seen, Löcher: Weiher, wo alles drin versinkt (Münchenstein) - hier war einmal ein See (Oberdorf) - Geisshirt klaut Geissen (Oltingen) - Rettung aus dem Kühloch (Buus) - Fussabdrücke in den Felsen: Hier kämpften mal 2 Riesen (Tenniken) - Pech im Leben: Senn speichert Butter und spekuliert daneben (Langenbruck) - Hirt stirbt bei Bergsturz, die Geissen nicht (Oberdorf) - Gewinn wird verbraten (Lauwil) - Obstbäume: Neuer Bauer respektiert den Baumgeist nicht (Waldenburg)
präsentiert von Michael Palomino (2023)
aus: Sagen aus Baselland. Lehrerverein Baselland - bearbeitet von Gustav Müller und Dr. Paul Suter - Verlag Landschäftler AG, Liestal 1938
(ohne Laufental, das kam erst 1994 zum Kanton Basel-Land).
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1. Natursagen
Echo
Das Echowybli
[Liedertswil zwischen Waldenburg und Reigoldswil: Örlenfluh, die Bergmatte "Im Örli", das Echo in den Studenflühen bei Liedertswil, der Weidhirt "Guggerhans" will eine "Echofrau" gesehen haben]
Wenn man von der Höhe der Bergmatte "Im Örli" über den steilen Geissrain auf den bewaldeten Rücken westlich der Örlenfluh gestiegen ist und dort oben einen frohen Jauchzer erschallen lässt, dann hört man ein mehrfaches wunderbares Echo. Besonders von den Studenflühen her, wo es zuletzt in eigentümlich zarten, sanft abschwellenden Tönen wie eine schlichte Melodie verklingt.
Dort in jenen Flühen lebte das Echowybli in unaufspürbarem Schlupf. Alte Männer wollen es in ihrer Jugend gesehen haben. Es war klein und trug ein Kleid, das rot aufleuchtete, aber nur Augenblicke lang bemerkbar war. Der Guggerhans, der alte originelle Weidhirte des Dörfleins Liedertswil, erzählte, er habe es vom "Kleinen Wald" beobachtet, wenn er im Sommer die Herde dort hinauf getrieben hatte und ausruhte. Einmal sei er ihm möglichst geräuschlos nachgestiegen. Als er ihm schon ganz nahe war, löste sich ein Stein unter seinem Fuss. Hand glitschte aus und rutschte ein Stück weit eine steile Geröllhalde hinunter. Als er sich wieder aufrichtete und nach dem Wybli umsah, war es verschwunden, und ein grosser Vogel flog rauschend durch den Bergwald. Von da an habe er das Wybli nie mehr gesehen. Das Echo ist aber das gleich schöne und eigenartige geblieben und entzückt jeden, der dort oben jauchzt und lauscht, bis es fern verklingt. [S.5]
Prophezeiung für Regen
Die Regenfrau
[Liederiswil (Liedertswil zwischen Waldenburg und Reigoldswil?), Steinenberg: eine Frau in Grau beim Langackerhof ist immer das Zeichen, dass Regen kommt]
Nordöstlich von Liederiswil erstreckt sich der steile Steinenberg. In seinem östlichen Ende liegt die Waldwiese "Einschlag", die jedem Spaziergänger einen eigenartigen, fast geheimnisvollen Eindruck macht, sei es durch ihre tiefe Stille, sei es durch ihre Abgeschiedenheit im Waldrahmen. Rehe und Hasen waren früher dort nicht selten.
An gewissen Morgen oder Abenden erschien daselbst eine seltsame grosse Frauengestalt in grauem, mantelartigem Gewande. Den Kopf halb verhüllt und tief gesenkt, schritt sie über die Matte zwischen den Obstbäumen auf und ab, als ob sie etwas suche, und seufzte leise. Dann ging sie zögernd bis ans Ende des "Einschlag", von wo man den Langackerhof sieht, beugte sich dreimal langsam zur Erde, stieg nun links hinauf gegen das Titterterfeld und war plötzlich nicht mehr sichtbar.
Allemal nach ihrem Erscheinen wurde der Himmel trübe; graue, schwere Wolken überzogen ihn und Regenwetter stellte sich ein. Die alten Leute vom Langackerhof haben sie wiederholt gesehen, "die graue Frau". Der Erzähler vernahm als Büblein davon und ging selten allein in den Einschlag. [S.6]
Ein Geist vertreibt das Wild
Der kalte Geist
[Münchenstein (bei Basel): Ein Geist verscheucht das Wild nach Arlesheim]
Im Dorf Münchenstein geht heute noch die Sage um vom kalten Geist auf dem Münchensteiner Berg. Er kommt mit den kalten Tagen und treibt die Tiere aus dem Walde, wo er haust. Darum flieht dann alles Wild aus dem Münchensteiner in den Arlesheimer Wald. [S.6]
Quellen und Brunnen
Die Gallislochquelle bei Oltingen
[Oltingen und Wenslingen (Region Tecknau): Da sind Tuffsteinquader, und die Gallislochquelle versiegt nie]
Die gewaltigen Tuffsteinquadern, aus denen in Oltingen ein paar grössere Häuser erbaut sind, ja ein Teil derer, welche in vergangenen Jahrhunderten die festen Mauern der Farnsburg bilden halfen, sie alle sind an dem Hügel "Büel" am oberen Dorfende neben der Schafmattstrasse gebrochen worden. Jene mächtige Tuffsteinschicht ist in fernen Zeiten von der wasserreichen Gallislochquelle abgelagert worden. Diese Quelle versieht nicht nur ganz Oltingen, sondern auch teilweise Wenslingen mit köstlich frischem Trinkwasser. Überdies leiht das junge Wässerlein zwei Mühlen und einer Säge seine Kraft, indem es Schaufel um Schaufel ihrer hohen Wasserräder füllt und wieder verlässt.
Der grosse Wasserreichtum der Gallislochquelle brachte früher die Leute auf den Glauben, das ganze Berginnere der Winterhalde sei von einem grossen See ausgefüllt. Darum haben früher die Elsässer Wallfahrer, wenn sie über die Schafmatt nach dem wundertätigen [Fantasie]-Muttergottesbilde in Maria Einsiedeln pilgerten, immer am Fusse der Winterhalde gebetet, [der Fantasie]-Gott möge doch den grossen See im Berginnern nicht auf einmal ausbrechen lassen, auf dass nicht die Leute des Tieflandes in den Fluten eines jämmerlichen Todes sterben müssten. Ja sogar die Obsthändler, die in guten Jahren mit ihren Hauderwagen [Pferdewagen, Kutschenwagen] aus dem Elsass in das stille Bergdorf hinauffuhren, um den Bauern einen Teil ihres Obstsegens abzukaufen, liessen eine kleine Weile ihren Erwerbssinn ruhen. Auch sie stiegen den steilen Hang hinan hinter das Dorf und sprachen dort ihr [Fantasie]-Gebet um Bewahrung vor der gefürchteten Wasserflut. [S.8]
Der Hungerbrunnen bei Buus
[Buus (Region Rheinfelden) mit dem Bach im Wabigentälchen: fliesst bei Regen zu stark oder versiegt bei Trockenheit]
Im äussern Teil des Wabigentälchens, wo es kesselartig erweitert ist, befindet sich eine starke periodische Quelle. Im schönen Wiesengrunde wallt da das Wasser zu Zeiten gar mächtig und klar auf und wirbelt in lustigem Spiel kleine, blankgeschliffene, bunte Steinchen auf und nieder. Bei längerer Trockenheit versiegt aber die Quelle wieder.
In frühern Zeiten soll jeweils eine Hungersnot entstanden sein, wenn die Quelle zu lange floss oder wenn ihr Wasser zu lange ausblieb. Daher erhielt sie den Namen Hungerbrunnen. [S.9]
Das Goldbrünnlein
[Thürnerfluh (neben Thürnen bei Sissach): Ein Krimineller zerstört eine Goldquelle mit Quecksilber]
Unterhalt der Thürnerfluh entsprang früher im Walde eine Quelle, das Goldbrünnlein. Es war aber nur einem einzigen Manne bekannt, dass das Wässerlein Gold mit sich führte. Es gelang ihm, allwöchentlich einen Fingerhut voll dieses edlen Metalles zu gewinnen. Doch kam ihm einer auf sein heimliches Tun. Dieser schüttete Quecksilber in die Quelle. Von nun an blieben die Bemühungen des Goldsuchers erfolglos. Die Goldquelle war für immer versiegt. [S.9]
Bäche und Flüsse
Vom Kessel
[Liestal, ein Schmied, seine Tochter und ein Schmiedgeselle - die Gier nach Gold schwemmt den Schmied tot an Land]
Unterhalb des Städtchens Liestal stürzt sich die Ergolz über ein paar flache Gesteinsbänke. Man heisst diesen Wasserfall, oder vielmehr die tiefe "Gumpe", die sich unten dran gebildet hat, den Kessel. Von ihm gehen dunkle Geschichten um von einem jungen Schmiedgesellen, der vor vielen Jahren auf der Wanderschaft ins Städtlein [S.9] gekommen sei, sich hier in des Meisters Tochter verliebt und sie zur Frau begehrt habe. Da nun der alte Schied nicht willens gewesen war, dem Fremden sein Kind zu geben, warf sich dieser eines Tages in das schwarze Wasser des Kessels, um seinen brennenden Kummer zu ersäufen. Nach einer Weile aber tauchte er wieder aus der Tiefe empor und trug einen schmalen Goldreifen in der groben Hand, ein zierliches Ringlein, das der Meisterstochter genau an den Finger passte. Der alte Schmied hatte nun ein Einsehen und liess seinem Kind den Willen, soll aber selber von der Begierde nach dem Gold, das in der dunklen Tiefe lag, ergriffen worden sein und in einer Nacht, als niemand es sah, den Sprung ins Wasser gemacht haben, denn man fand ihn am folgenden Tag bei den Weiden, die weiter unten standen, ans Ufer geschwemmt. [S.10]
Der Strudel in der Birs
[Münchenstein (bei Basel) mit der Eisenbahnbrücke, wo niemand badet]
Bei Münchenstein wird an einer Stelle, die sich in der Nähe der Eisenbahnbrücke befindet, nicht gebadet. Die alten Leute erzählen, eine Eisenbahnschiene stehe dort aufrecht im Wasser. Ein Mann wollte sie ausreissen. Er tauchte unter, kam aber nicht mehr zum Vorschein. Alljährlich am Todestag dieses Mannes beginne das Wasser an dieser Stelle zu gurgeln. [S.10]
Weiher, Seen, Löcher
Der Rothaldenweiher ("Muttenzer Weiher")
[Münchenstein mit einem Weiher, wo alles drin versinkt]
In der Nähe des Grutes oberhalb Münchenstein befindet sich auf dem Berge ein Weiher, von den Münchensteinern "Muttenzer Weiher" genannt, der wenigen Leuten aus der Umgebung bekannt ist und verschiedene Eigentümlichkeiten aufweist [S.10]
So fehlt ihm der oberirdische Zufluss, auch ist kein eigentlicher Abfluss vorhanden, indem sich das wegfliessende Wasser in der Nähe des Weihers im Boden verliert.
Eigentümlich mutet es den Wanderer an, wenn er, vom Weiher nichts ahnend, plötzlich die grüne Wasserfläche wie einen Samtteppich vor sich ausgebreitet sieht. Von prächtigen Buchen und knorrigen Eichen beschattet, liegt das stille Gewässer traumverloren da.
Eine alte Sage erzählt, dass in diesem Weiher einmal ein geharnischter Ritter mit seinem Pferd versunken sei.
In den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts fällten Holzer um den Rothaldenweiher herum einige Bäume. Dabei fielen drei mächtige Buchen in den Weiher und verschwanden. Vergebens bemühte mach sich, die Bäume mit langen Haken wieder herauszufischen; sie blieben verschwunden. Deshalb behaupten die Leute seither, das Gewässer sei grundlos [ohne Boden]. Ein Mann, der sich für dieses Naturwunder interessierte, versuchte, seine Tiefe mit Schnur und Senkblei zu ergründen. Das Blei sank jedoch immer tiefer, bis keine Schnur mehr vorhanden war. So fand man die Bodenlosigkeit des Rothaldenweihers neuerdings bestätigt. [S.11]
Alter Seeboden
[Oberdorf (neben Waldenburg) mit dem Dielenberg - da war einmal ein See]
Wo der Weigischbach von Liederiswil her in die vordere Frenke mündet, liegt in der weiten Talmulde Oberdorf, die grösste Ortschaft des Waldenburgertales. Die Geschichte weiss zu berichten, dass das Dorf vor dem Bergsturze vom Dielenberg (1295) weiter unten, bei [S.11] der [Jesus-Fantasie]-Pfarrkirche St. Peter sich ausbreitete, während frühere Siedler im geschützten Seitentälchen des Weigisch ihre Wohnplätze hatten. Die mündliche Überlieferung geht aber noch viel weiter zurück, in jene Zeiten, da noch keines Menschen Fuss jene Gegend betreten hatte. Damals waren die beiden Bergzüge Dielenberg und Kai zusammenhängend und ein schöner, fischreicher See dehnte sich in der Talweite aus. Erst als der Abfluss desselben den Bergriegel allmählich durchschnitten hatte, kam der heutige Talboden zum Vorschein. [S.12]
S'Geissheiriloch
[Oltingen (Region Tecknau), Geissflueh und Hochwacht, und ein Geissheiri, der Geissen klaut]
Ganz z'oberscht uf der Geissflue, uf der Hochwacht, isch es arigs, halbverfallnigs loch, ebe s'Geissheiriloch. Das isch der Ygang zumene underirdische Gang, wo bis uf d'Farnsburg abe goht. I däm Loch het vor Zyte der Geissheiri ghuset. Das isch en Art "Raubritter" gsi. Nit grad ein vo de Schlimmschte. Wol het er die ganzi Umgeged unsicher gmacht; nüt "Ässigs" isch vorem sicher gsi, aber umbrocht het er süscht niem, weder hie und do ne Geiss; die sy-n-em ebe eso grad rächt schwer gnueg gsi zum Träge, das gech [steile] Wägli uf, und Geissefleisch het er us Läge gärn gha. D'Landjeger hei-n-em ufpasst, aber verwütscht het en keine und i sy Wohnig yne het si keine gitrout. Mit was er si eigetlich verfehlt gha het, ass er si het müese verstecke im Geissheiriloch, weiss niem. Au weiss niem, wenn er es Ädn gnoh het, oder öb er emänd jetz no dört huset. Wenn d'Bure wei go heue z'Oltige, luege si öppe am Morge a d'Geissflue ue und wenn dört es Näbeli ufstygt, seit öppe der eint oder [S.12] der ander: "Lueg, der Geissheiri het wieder e Geiss verwütscht, es räuchnet no!" Und dernoh weiss me, ass' [dass es] vorläufig no kei Heuwätter git. [S.13]
Das Buuser Kühloch
[Buus (Region Rheinfelden), Schönenberg, Rebmesser, Schuhe und ein Hund]
Im sanft gerundeten Rücken des Schönenbergs gähnt eine abgründige, senkrechte Kluft in die Tiefe. Mehrere Sekunden lang hört man das Poltern eines hinabgeworfenen Steines. Es mag vorgekommen sein, dass früher gefallenes Vieh hier versenkt wurde, was vielleicht zum Namen Anlass gab. Oder man nannte es so, weil es "kühmässig" gross ist.
In dieses Loch fiel vor mehr als 100 Jahren ein Mann, als er mit Weidenschneiden beschäftigt war. Glücklicherweise stürzte er aber nicht in die grausige Tiefe, sondern blieb auf einem Felsvorsprung unverletzt liegen. Rebmesser und Schuhe legte er in eine seitliche Spalte und schaffte sich glücklich wieder herauf, indem er eine enge, seitliche Kluft benützte. Als Männer mit Seilen und Leitern hinunterstiegen, fanden sie die erwähnten Gegenstände. Ohne diese untrüglichen Beweisstücke hätte niemand geglaubt, dass der Verunfallte aus der Tiefe selbständig ans Tageslicht gelangt wäre.
Ein anderes Mal soll ein Jagdhund in das Kühloch gefallen sein. Sein Besitzer wagte sein eigenes Leben, um das Tier zu retten. Er liess sich in den dunklen Schlund abseilen. Plötzlich sprang der Hund auf seinen Rücken und klammerte sich fest. So wurde er gerettet, doch sein Herr erlitt dabei einen so heftigen Schrecken, dass er an dessen Folgen starb. [S.13]
Fussabdrücke in den Felsen
Der Riesenfuss bei Tenniken
[Tenniken (Region Sissach an der Autobahn) und der Kampf von 2 Riesen]
Wohl mancher Fussgänger, der durch das romantische Diegtertal spaziert ist, dabei die wunderlich geformten Felsenstöcke der Judenbündel angestaunt hat, ist sicher auch ein Weilchen stille gestanden bei der Fluh unterhalb des Wasenhauses bei Tenniken, um sinnend jene Naturmerkwürdigkeit zu betrachten, die dort noch zu sehen war, bevor die Steinbrechmaschine aufgestellt war. Die frisst nun gierig das Gestein, welches Brecheisen und Sprengschüsse von der Fluh losreissen.
Als die Felswand von Menschenhand noch unangetastet dastand, war darin eine Vertiefung zu sehen, die auffallende Ähnlichkeit mit einem Fussabdruck hatte, allerdings von einem grossen, riesenhaften; denn er wies eine Länge von anderthalb Metern auf und war wohl einen Meter breit. Deutlich konnte man am obern Ende den etwas stärker vertieften Absatz erkennen.
Über die Entstehung dieses Naturspieles weiss die Volkssage folgendes zu berichten:
Zwei Riesen waren an dieser Stelle miteinander in Streit geraten. Unheimlich widerhallte ihr greuliches Rufen von den Talwänden, und mächtig erdröhnte die Erde von ihrem wilden Stampfen. Lange wogte der Zweikampf hin und her. Schliesslich gelang es dem einen der Kämpfenden, den Gegner zu Boden zu zwingen, indem er sich mit einem Fusse gegen die Felswand stemmte. So sehr hatte er sich dabei angesperrt, dass sein Fuss diesen mächtigen Eindruck hinterliess, der bis in unsere Tage hinein von dem gewaltigen Kampf der Reisen zeugte. [S.14]
Pech im Leben
Die Ankenballenfluh
[Langenbruck (am Hauenstein) und ein Senn im Sommer für Milch, Käse und Butter: speicherte Butter, um einen höheren Preis zu bekommen]
In der Gegend des Kilchzimmers bei Langenbruck wohnte vor Zeiten ein wohlhabender Senn. Auf seinen fetten Almen weideten stattliche Viehherden und gross war der Ertrag an Butter und Käse. Doch war der Senn vom Geizteufel besessen und während einer grossen Teuerung rahmte er die Milch ab, bevor der Käse bereitete. Den Magerkäse verkaufte er zu hohen Preisen, während er die Butter aufspeicherte, bis sie noch höher im Preise stünde. Doch dem Jahre der Teuerung und Hungersnot folgten gute Jahre und der habgierige Senn war um seinen Gewinn betrogen; denn niemand wollte ihn seinen Anken [Butter] abkaufen. So blieben die Stöcke und [sie] versteinerten im Laufe der Jahre zu der "Ankenballenfluh". [S.15]
Der Bergsturz am Dielenberg bei Oberdorf
[Oberdorf (neben Waldenburg) mit Dielenberg: Die Geissen flüchten und der Hirt wird von einem Bergsturz verschüttet]
Am nördlichen Abhange des Dielenberges, der heute unter dem Namen Hangelimatt bekannt ist, hütete einst ein Geissbub eine Herde Ziegen. Auf einmal horchten alle Ziegen auf, wurden unruhig und sprangen auseinander. Der Hirte nahm sein Hörnlein aus der Tasche, blies hinein und wollte die Ziegen wieder sammeln. Allein die erschrockenen Tiere kamen nicht. Plötzlich bewegte sich der Boden und im nächsten Augenblick waren Hirt und Herde vom niederstürzenden Berg verschüttet.
Wenn es aber Regenwetter gibt, hören jetzt gewisse Leute an der Hangelimatt die Glöcklein der Ziegen läuten und dazwischen ertönt das Horn des Hirten. [S.15]
Die glückbringende Farnstaude
[Lauwil (neben Reigoldswil) und Blumensamen auf den Schuhen - aber aller Reichtum wird später verbraten]
Es gibt eine Farnstaude, die jedes Jahr nur eine Stunde lang blüht. Wer das Glück hat, gerade zu dieser Zeit an einer solchen Staude vorbeizugehen, so dass ihm deren "Samen" auf die Schuhe fallen, der wird reich. Dieses Glück war dem Grossvater eines Taglöhners aus Lauwil zu Teil geworden. Doch ging der ganze Reichtum später "z'nüt". [S.16]
Der Baumgeist
[Region Waldenburg (am Hauenstein): Von Oberdorf nach Leisenberg, ein Obstgarten auf dem Martinsmatthügel mit Kirschbäumen, Apfelbäumen und Schutzgeist - und ein neuer Bauer nimmt den Schutzgeist nicht ernst]
Wenn man von Oberdorf im vordern Frenkental nach dem Tschoppenhof (Liedertswil) geht, muss man halbwegs durch den Leisenberg und das Kohlholz, dann führte das alte Strässchen steil über den Martinsmatthügel; die jetzige neue Strasse schneidet den Hügel im Südhang.
Auf diesem Hügel standen einst herrliche Obstbäume; namentlich Kirschen gediehen daselbst in Hülle und Fülle. Heute stehen nur noch wenige und geringe Bäume dort. Der alte Baumgarten, so darf man ihn wohl nennen, war in der Obhut eines Geistes, der nicht den geringsten Frevel duldete. Darum kam vor der Erntezeit auch nicht die kleinste Frucht abhanden, während anderswo Lausbuben und erwachsene Obstschelme eifrig naschten und damit viel Unfrieden und Misstrauen erregten. Es hiess, man dürfe keinen der Bäume fällen, sie müssten alle eines natürlichen Todes sterben.
Nun bekam der Martinsmatthügel einen neuen Besitzer. Das war ein junger, übermütiger Mann, der am liebsten spielte und jagte. Er pfiff auf den Baumgeist und sägte eines Herbsttages mit frevlerischer Lust den [S.16] schönsten Kirschbaum um und machte dazu faule Witze. Aus dem gesunden Stammholz liess er sich eine breite Bettstatt schreinern. - Es gab weder Sturm noch Regen in der nächsten Zeit, es geschah überhaupt nichts Auffälliges. aber in den folgenden Jahren wollten fast keine Kirschen und Äpfel mehr reifen an den Bäumen auf dem Martinsmatthügel. Und der Besitzer fing an, über Schlaflosigkeit zu klagen und magerte ab. Auch die Bäume wurden zusehends geringer, bekamen die Spitzendürre und trieben Wasserschosse.
Eine alte Frau sagte, das komme davon, wenn man an keinen guten Geist mehr glaube, und es werde noch ganz anders kommen. Nach wenigen Jahren starb ein Baum nach dem andern ab, und als der letzte in einer Winternacht umsank, hörte man weithin ein Seufzen und Klagen. Drei Tage darauf überfiel den übermütigen Bauern ein hitziges Fieber, dem er bald erliegen musste. Sein Nachfolger pflanzte neue Bäume auf den Hügel, aber sie wurden nie mehr so stattlich und ertragreich wie die alten, denn der Baumgeist hatte die Gegend verlassen.
Die aufgeklärten Leute sagen, das alles sei dummes Zeug, der wirkliche Grund sei ein anderer: Der Boden sei zu mager und der Biswind ziehe dort zu heftig, und Obstschelme glauben an keine Geister, sondern nur an ihre Schlauheit und den Appetit. [S.18]
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