2.
Flurnamen erzählen
Herkunft des Namens Anwil
[Ammel = Anwil (hinter Rothenfluh) - und ein Lehmklumpen]
Als der liebe [Fantasie]-Gott die Welt geschaffen hatte,
betrachtete er mit Wohlgefallen das fertige Werk. Von
seiner Arbeit befriedigt, machte er sich daran, die Hände
zu reinigen. Mit einem Seufzer der Erleichterung, "Do
bisch ämmel", schlenkerte er seine Hand, [so] dass die
noch daran haftende Erde davonspritzte. Da aber, wo dieser
letzte Lehmklumpen hinklatschte, da liegt heute Ammel
(Anwil). [S.19]
Die Entstehung von Münchenstein
[Schloss Birseck (Arlesheim), ein
Jesus-Fantasie-Mönchskloster in Arlesheim, ein Starkregen
und ein schwimmender Jesus-Fantasie-Mönch]
Hinter den Weihern beim Schloss Birseck stand einst ein
[Jesus-Fantasie]-Kloster, woran heute noch der Name
"Mönchsgraben" [in Arlesheim] erinnert. Bei einem
furchtbaren Wolkenbruch wurde das [Jesus-Fantasie]-Kloster
weggeschwemmt, und alle [Jesus-Fantasie]-Mönche fanden
dabei den Tod bis auf einen. Dieser wurde von den Fluten
dem Tale zugetrieben und konnte sich an einen schwimmenden
Balken anklammern. Beim heutigen Münchenstein gelang es
ihm, sich auf einen Felsen, der aus dem Wasser ragte, zu
retten. Nachdem das Wasser sich verlaufen hatte, gründete
der Mönch an dieser Stelle ein [Jesus-Fantasie]-Kloster,
woran sich später ein Dorf anschloss. Daher heisst dieses
heute noch Münchenstein und führt einen
[Jesus-Fantasie]-Mönch im Wappen. [S.19]
Herkunft des Namens Aesch
[Aesch (am Blauen), Kanton Basel-Land: Raurach wird 58
v.Chr. abgebrannt für die Wanderung nach Gallien - und auf
der Asche entsteht Aesch]
Als im Frühling des Jahres 58 v.Chr. das Raurachervolk
sich anschickte, die alte Heimat zu verlassen, da schlugen
überall die Flammen aus den Strohdächern und lohten
Freudenfeuern gleich zum HImmel. Gierig leckten und
frassen sie auf, nur immer brennen wollte, - und das war
alles! Kaum einer weinte dem Vergehenden ein verstohlenes
Tränlein nach, etwa ein altes Mütterchen, ein lebensmüder
Greis, dem die Reise ins Totenland willkommener gewesen
wäre, als der Zug in das gelobte Land Gallien, dem die
Jungen mit Begeisterung zugestimmt hatten. Die strebten
jetzt mutig vorwärts der unbekannten Ferne entgegen.
Längst waren die Freudenrufe im Talausgang verhallt und
das Knarren der Karrenräder verlor sich in der Ferne. Das
Feuer aber frass ungehindert, lustig weiter, bis von dem
Ort an der Birs nichts mehr übrig war als ein grosser
Aschenhaufen.
Spätere Ansiedler an dieser Stelle nannten ihre neue
Niederlassung Aesch, zur steten Erinnerung an den grossen
Aschenhaufen, den sie bei ihrem Einzug hier vorgefunden
hatten. Dieser Name ist geblieben bis auf den heutigen
Tag.
Herkunft des Namens Bubendorf
[Bubendorf (neben Liestal): Ein eigenes Dorf für viele
Brüder]
Als die alemannischen Ansiedler von unserer Gegend Besitz
nahmen, gründeten sie mit Lust und Eifer ihre Höfe, überall,
wo sie der Reichtum an guten Quellen, sonnige Lage oder eine
windstille Mulde dazu verlockten. So entstanden denn bald
auch im Tal der Frenke Blockhütten mit weit ausladenden,
schützenden Strohdächern [S.20]. Dabei blieb es aber nicht.
Bald war es nötig, den heranwachsenden Söhnen, die einen
eigenen Hausstand gründen wollten, auch Hütten zu bauen. Ein
Bauer aber hatte so viele Söhne, dass aus seiner Ansiedlung
ein ganzes Dörfchen wurde, nachdem man für jeden eine
besondere Hofstatt angelegt hatte. Die Nachbaren nannten
dieses Dörfchen der vielen Bueben wegen "Bubendorf". [S.21]
Dilleten
[Dilleten (Region Waldenburg): Onoldswil wurde 1295
verschüttet - ein Weg mit Dielen von Bennwil nach Oberdorf]
Nach dem Bergsturz von 1295, welcher das Dorf Onoldswil
verschüttet hatte, war der Weg von Bennwil nach dem neu
gegründeten Oberdorf nur schwer begehbar. Lange Zeit
hindurch musste an einer besonders bösen Stelle der Boden
mit Brettern (Dielen) belegt werden, damit man hindurchgehen
konnte. Daran erinnert heute noch der Flurname "Dilleten".
[S.21]
Der Hundtrog bei Muttenz
[Muttenz (bei Basel): Die Hunde von der Burg am Wartenberg]
Als die Ritter noch auf der Burg hausten, befanden sich auf
halber Höhe des Wartenbergs Tröge für die Jagdhunde. Die
Leibeigenen im Dorfe waren gezwungen, tagtäglich morgens und
abends diese Tröge mit Hundefutter zu füllen. Wenn sie es
unterliessen, wurden sie schwer gebüsst oder eingekerkert.
Noch jetzt heisst man die Gegend, wo sich voreinst der
Futterplatz der ritterlichen Hunde befand, "im Hundtrog".
[S.21]
"D'Bassgygerstöck" bei Frenkendorf
[Frenkendorf (bei Liestal): Schlacht bei Dornach 1499: Eine
Musikgruppe hängt vor der Schlacht in Galgenstein+Wolfenried
Musikinstrumente an knorrigen Bäumen auf]
Im Wald nahe an der Grenze gegen das Solothurnergebiet, wo
die Fluren Galgenstein und Wolfenried liegen, steht eine -
früher waren es deren zwei - dicke knorrige [S.21] Buche
[Eiche?]. Diesen Ort bezeichnet man als "Bassgygerstöck".
Als Erklärung für diesen wunderlichen Namen erzählt man,
dass anno 1499 die eidgenössischen Spielleute ihre
Musikinstrumente an den beiden vielästigen Bäumen aufgehängt
hätten, als sie über den Gempen nach Dornach in die Schlacht
zogen. [S.22]
"22. Juli: In der
Schlacht bei Dornach
siegen die
Eidgenossen über ein
Heer des
Schwäbischen Bundes." [
Link]
Pilgerruh
[Rümlingen (Region Läufelfingen) im Homburgertal mit einem
Gasthof]
Wer heute mit der Eisenbahn durch das Homburgertal
hinauffährt, dem wird unterhalb Rümlingen am jenseitigen
Steilen Talabhang ein festes Gebäude auffallen, das Gehöft
"Pilgerruh". Dieses Gebäude blickt auf ein ansehnliches
Alter zurück. Denn es wurde lange vor der Bahn erbaut. Im
17. Jahrhundert hat ein Basler Herr auf der Flur "Ärgeli"
dieses weithin sichtbare Haus erstellen lassen. Dessen
Fundamente, die am Grunde 12 Meter dick sein sollen, reichen
bis auf die Strasse hinunter.
Das Haus sollte den Reisenden dienen. Dort fanden sie nach
Bestimmung des Erbauers jederzeit ein gastliches Obdach. Der
jeweilige Pächter des Hofes musste alle Wanderer
beherbergen. Dafür war er von der Entrichtung eines
Pachtzinses befreit. [S.22]
Der Gryner
[Münchenstein: Der Weg hoch zum Landvogt von Münchenstein
ist zum weinen - zum grynen]
Hinter der alten Trotte bei Münchenstein klimmt ein steiler
Weg den Schlossfelden hinan zu den paar Häusern, die
enggeschart an Stelle des einstigen Landvogteischlosses
stehen. Dieser Weg ist der frühere Torweg zum Schloss
Münchenstein. Mancher ist im Laufe der Jahrhunderte hier
hinaufgestiegen; und kaum einer [S.22] wird sich dabei sehr
geeilt haben. Daran war aber weniger der steile Weg schuld,
als die schweren und bekümmerten Herzen der vom Landvogt
vorgeladenen Leute, die von der Audienz mit dem Landvogt
kaum etwas Gutes zu hoffen wagten. In Muttenz [das
Nachbardorf] ging die Rede, dass alle, die dort
hinaufsteigen, weinten (gryne), weshalb man diesen Weg nicht
anders als Gryner nannte. [S.23]
Die Mördereiche
[Region Rheinfelden: Zwischen Maisprach und Wintersingen:
Ein Posamenter mit Obst im Bündel wird überfallen, ermordet,
und dort wächst eine Eiche]
Am Weg von Maisprach nach Wintersingen steht rechter Hand im
Lebhag [von Tieren bewohnte Hecke] eine Eiche, die von den
Maisprachern Mördereiche genannt wird. Über die Entstehung
dieser Ortsbezeichnung wird berichtet:
Ein Posamenter [Obstverarbeiter im Tafeljura im Kanton
Basel-Land] hatte sein Bändelpack fortgetragen und befand
sich nun wieder auf dem Heimweg, den wohlverdienten Lohn mit
sich tragend. Er schmiedete wohl schon allerlei Pläne, wie
er das Geld verwenden wollte. Doch trachtete auch ein
anderer darnach. Der hatte ebenfalls seine Pläne. Er wollte
heiraten und brauchte Geld, bare 300 Franken hätte er haben
sollen. Da war ihm der Posamenter willkommen. Er lauerte ihm
in der abgelegenen Gegend auf, überfiel den Ahnungslosen und
erstach ihn. Die aufgefundene Leiche des Ermordeten hat man
im Gemeinderatszimmer aufgebahrt.
Das junge Eichlein, das auf der blutgetränkten Erde stand,
liess man aufwachsen. Auch wenn man den Lebhag
zurückschnitt, blieb es verschont und trug hinfort den Namen
"Mördereiche".
Der Mörder aber, der seine Bluttat schon auf der
Zeiniger-Egg hatte begehen wollen, konnte sich seines [S.23]
Raubes nicht lange freuen. Als er am Unterdorfbrunnen seine
blutbesudelten Hände wusch, ahnte er nicht, dass er bald
erwischt und enthauptet würde. Der bekannte Scharfrichter
Mengis von Rheinfelden, der schon so viele vom Leben zum
Tode gebracht hatte, musste auch an diesem Übeltäter die
Sühne vollziehen.
Von Mengi's Richtschwert, das gewöhnlich an der Wand hing
und dort seines düsteren Dienstes harrte, erzählte man, "es
heig afo gampe, wenn er gly wieder öpper heig müese chöpfe".
[S.24]
Das Welschhölzli
[Arlesheim, Schloss Birseck oder Reichenstein: Magd Welsch
Elseli ist nicht so grosszügig, der Geist kommt in eine
Flasche und wird in einem Hölzli abgelegt]
Das Welschhölzli liegt im Banne Arlesheim, oben im Walde
gegen die Schönmatt. Es hat nach der Überlieferung seinen
Namen von einer Magd, dem "Welsch Elseli". Diese diente, so
wird erzählt, auf dem Schlosse. Ob auf Birseck oder
Reichenstein, wird nicht gesagt. Wenn nun die Herrschaft
abwesend war und sie das Hauswesen zu besorgen hatte, zeigte
sie sich hart gegen die Armen, wies die um Almosen Bittenden
unbarmherzig ab und gab die Überbleibsel der Mahlzeiten
statt diesen den Schweinen. Zur Strafe für diese
Hartherzigkeit musste ihre Seele nach dem Tode in der Nähe
des Schlosses umherwandeln. Dieses Gespenst war aber den
Schlossbewohnern nicht angenehm. Deswegen liessen sie einen
[Jesus-Fantasie]-Kapuziner holen, der bannte den ruhelosen
Geist in eine Flasche und legte diese in dem genannten
Hölzchen nieder. Daher bekam es seinen Namen. [S.24]
Das Kapuzinerlöchli
[Erlenhof bei Reinach, ein Jesus-Fantasie-Kapuziner fällt in
eine Wasserquelle]
In der Nähe des Erlenhofes bei Reinach liegt das
Kapuzinerlöchli, eine Senkung des Bodens. Als einmal [S.24]
einige [Jesus-Fantasie]-Kapuziner von Dornach nach
Mariastein gehen wollten, beugte sich einer von ihnen über
die Quelle, die dort entsprang, und fiel kopfüber hinein.
Vergebens suchten ihn seine Gefährten herauszuziehen; er
verschwand im Wasser. Seitdem heisst der Ort Kapuzinerlöchli
oder Kapuzinerloch. [S.25]
Das Pfefferlädli
[Augst und ein Haus zu verkaufen]
Ein Haus in der Ergolzniederung bei Augst, das nach dem Bau
des Stauwerkes geräumt wurde, trug diesen sonderbaren Namen.
Wie es dazu gekommen ist, geht aus der nachstehenden
Anekdote hervor: Eine Basler Dame habe vor Jahren ein
Gehöfte zu kaufen gesucht. Da wurde ihr dieses angetragen.
Als sie es aber angesehen hatte, lehnte sie einen Kauf ab
mit der Begründung: "Das ist ja nur ein Pfefferlädli!"
[S.25]
Das Sixfeld bei Liedertswil
[Region Reigoldswil (mit Wasserfallen): Das Siegsfeld im
Frenkental - und ein paar Soldaten]
Zwischen dem vorderen und hinteren Frenkental, in der Flucht
[geraden Linie] eines den Juraketten folgenden Längstales,
liegt das Sixfeld. Steiler, dunkler Bergwald säumt zu beiden
Seiten das fast baumlose, breite Gelände dieses ausgeprägten
Passsattels. Während die Sommerhitze hier flimmernd brütet,
weht zu anderen Zeiten des Jahres oft ein stürmischer Wind.
Der Name des Sixfeldes wird im Volksmunde mit einem hier
erfochtenen Siege (Siegsfeld) in Zusammenhang gebracht, wie
denn auch verschiedene Sagen von Soldaten und Schlachtenlärm
erzählen.
So hörte eine von Reigoldswil nach Liedertswil heimkehrende
Frau in später Nacht das Gestampf von Pferden [S.25] und das
Klirren von Waffen. Dazwischen ertönten auch Rufe, und sie
konnte wahrnehmen, dass ein Kampf hin und her wogte. Da die
Frau sonst keine Furcht kannte, wollte sie trotzdem ihren
Weg fortsetzen, wurde aber von unsichtbarer Hand daran
gehindert. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als nach
Reigoldswil zurückzukehren und daselbst zu übernachten.
Von einer anderen Frau wird erzählt: Sie jätete Rüben auf
dem Sixfeld bei hellem Tage. Da sah sie auf der ganzen
Breite des Feldes Militär heranmarschieren. Sie kehrte das
Gesicht weiter der Erde zu und dachte, die Soldaten würden
ihr schon ausweichen. Als sie nach einer Weile wieder
aufschaute, war alles verschwunden.
Etwas ähnliches erfuhr ein Reigoldswiler, der mit zwei
Freunden eine Bergtour auf den Passwang unternehmen wollte.
Wie die drei Männer unter munterem Gespräch den Gempis
erstiegen hatten und gegen die Bergmatten marschierten,
hörten sie auf einmal Jagdhörner, Musik und laute
Männerstimmen. Erschrocken spähten sie nach der Ursache
dieses Lärms und erblickten drüben auf dem Sixfeld ein
Bataillon Soldaten, deren Waffen wie Silber in der heissen
Julisonne glänzten. Aber plötzlich war der ganze Spuk wieder
verschwunden. Der Himmel überzog sich und es fiel ein
gewaltiger Gewitterregen, der die Wanderer veranlasste,
schleunigst ins Dorf zurückzukehren. [S.26]
Die Teufelsküche
[Oltingen (Region Tecknau) und ein rauchender Kalkofen]
Ein kleiner verschütteter Platz am Klapfen bei Oltingen wird
Teufelsküche genannt. Nachforschungen an Ort und Stelle
haben ergeben, dass an jener Stelle [S.26] sehr
wahrscheinlich einmal ein Kalkofen gebrannt hat. Wer von
fern den Ofen rauchen sah, der konnte leicht glauben, der
Rauch steige aus der Erde auf und zu der Namensbildung war
es nur noch ein kleiner Schritt. [S.27]
Der Schneggliberg
[Oberdorf (bei Waldenburg): Wasserschnecken am Leisenberg
(bei Waldenburg)]
Ein Knabe hatte seinem Vater, der im Heimsten bei Oberdorf
arbeitete, das Zoben [Abendbrot] gebracht. Auf dem Heimwege
sah er im Heimsten- und im Weigischbächlein im klaren Wasser
viele der kleinen, spitzen Wasserschnecklein. Nach Bubenart
suchte er sich so viele als möglich zusammen und füllte
seine Hosentaschen damit. Kaum aber wollte er sich wieder
auf den Weg machen, als ihn eine fremde Frau anhielt und die
kleinen Schnecklein verlangte. Und da er nicht alle hergeben
wollte, ging sie ein Stück Weges mit ihm und liess nicht ab,
bis er das letzte aus seinem Sacke geklaubt hatte. Wie die
Frau aber alle Schnecklein hatte, verschwand sie, wie sie
gekommen war. Der Bube aber kam bleich und verstört heim und
war lange Zeit nicht mehr zu bewegen, wieder nach dem
Heimsten zu gehen.
Jenen Teil des Leisenberges heisst man seit dieser Zeit den
"Schneggeliberg". [S.27]
Die drei blutte Buebe
[Titterten (neben Reigoldswil) und Buben im Bach, die aus
einem Jesus-Fantasie-Kloster ausgebrochen sind und nur ein
Hemd anhaben - ansonsten nackt (blutt)]
Nit vill Lüt wüsse, worum ass me der Stell unde-n-am
Wasserfälleli im Flüegrabe "die drei blutte Buebe" seit. Das
isch eso:
Vor ville Johre, wo Titterte noh [Jesus-Fantasie]-katholisch
[mit Ablass] gsi isch, het me-n-emol dört unde drei Buebe
gfunde. Die hei [S.27] nüt agha as s'Hemmli. Si sy im
[Jesus-Fantasie]-Chloschter dornech z'mitts in der Nacht
furtgloffe gsi. Die Titterter, wo se gfunde hei, hei se mit
hei gnoh und ene Chleider ge. Noh ne paar Tage hei si se
wieder ins [Jesus-Fantasie]-Chloschter Dornech zrugg to.
[S.28]
Der Wybertröster
[Wittingsburg (Region Läufelfingen) und ein schön
bepflanzter Acker]
Im Banne Wittinsburg liegt ein Acker, welcher "Wybertröster"
heisst. Nach einer mündlichen Überlieferung wollte sich
einmal eine Frau von ihrem Manne, eben dem Besitzer dieses
Ackers, scheiden lassen. Aus welcher Ursache, ist nicht mehr
bekannt. Da beschlossen die beiden Eheleute, vor der
Scheidung nochmals miteinander diesen Acker zu besichtigen.
Sie fanden die Anpflanzungen darauf aber so schön, dass die
Frau reuig wurde und mit ihrem Manne weiter haushielt.
Seitdem trägt nun der genannte Acker den Namen
"Wybertröster". [S.28]
Im lange Samschtig
[Oberdorf (neben Waldenburg) mit Mühle - eine Magd muss am
Samstag Bohnen ernten, hat Schnaps dabei und schläft am
Sonntag lange aus]
In der Oberdörfer Mühli hei si emol e Magd gha. Die het
müese amene Samschtig Nohmittag go Böhnli günne uf em
Pflanzplätz in der Baselmatt. S'isch e heisse Tag gsi und
sie het es Fläschli Brenz [Brantwein, Schnaps] by-n-ere gha.
So nimmt's eim nit wunder, wenn sie bim Zobe-neh
ygschlofe-ni-isch. Wär aber nit ehnder verwachet as am
Sunntig am Morge, wo d'Lüt vo de Höfe in der Nöchi z'Chilche
gange sy, isch eusi Magd. Sie het gfrogt, wie-vill Zyt ass'
siyg. "He nüni!" Druf seit si: "Da'sch jetz au e lange
Samschtig gsi!"" Sit der Bigäbeheit treit das Stück Land der
Name "im lange Samschtig". [S.28]