4.
Jesus-Fantasie-Sagen
Von Kirchen, Klöstern, Glocken,
Klosterleuten und Pfarrherren (Jesus-Fantasie und
1-Gott-Fantasie vom kr. Drogen-Gay-Vatikan)
[Das stabile Leben kommt mit Mutter Erde - und es waren
Götter]
Die Entstehung von St. Margarethen bei Binningen
[Schloss Pfeffingen (Region Aesch, BL) mit 3 Adelstöchtern
- Schloss Thierstein mit 3 Rittern - Kapellen Margaretha,
Chrischona und Ottilienwiese]
Auf dem Schlosse Pfeffingen hat eins ein Ritter
gehaust, der drei gar liebliche Schwestern hatte. Margaretha
hiess die eine, Chrischona die andere und Ottilia die
dritte. Nicht weit davon entfernt sassen auf ihrem Schlosse
und Stammgut die drei Ritter Franz, Kilian und Rudolf von
Thierstein [Region Dornach]. Diese waren den drei
Burgfräulein in Minne ergeben und besuchten sie
heimlicherweise, um ihre Gunst zu erwerben. Der Pfeffinger
Ritter hasste aber die Thiersteiner.
Einst auf der Jagd erschien ihm der Teufel in Gestalt eines
Zwerges. Der Ritter überwand den Bösen und zwang denselben,
ihm die Zukunft zu offenbaren. Nun weissagte der Zwerg, dass
Schloss und Geschlecht derer zu Pfeffingen den Untergang
erleiden sollten, während des Ritters Schwestern ewige
Häuser bauen und ihre Namen sich in alle Zeiten erhalten
würden.
Dieser Spruch des Teufels ging dann auch in Erfüllung. Denn
als der Ritter die Thiersteiner bei ihrem nächsten Besuche
zu Pfeffingen gefangen nehmen und enthaupten liess,
verliessen die Schwestern in tiefer Betrübnis das Schloss,
eine jede sich einen Ruheort für ihre Seele zu suchen.
Margaretha zog auf die Höhe des Bruderholzes [bei Basel],
während die beiden anderen sich über den Rhein begangen,
Chrischona [bei Basel] auf den Dinkelberg, Ottilia auf die
Anhöhe jenseits der Wiese [jenseits des Flusses Wiese]. Eine
jede errichtete [S.37] sich an ihrem Zufluchtsorte eine
Klause, Stätten der Andacht, die heute noch bestehen,
während das Pfeffinger Schloss schon längst zerfallen und
das Geschlecht der Ritter ausgestorben ist. [S.38]
Vereitelter Kirchenbau
[Lausen an der Ergolz (neben Liestal): "Unsichtbare Mächte"
wollten keine Kirche im Dorf - die Verschiebung von Bauholz
und Steinen]
Schon mancher hat sich gewundert, weshalb wohl die
[Jesus-Fantasie]-Kirche von Lausen so abseits vom Dorfe
gebaut wurde. Heute, da sich die Ortschaft nach allen
Seiten, auch gegen die Kirche ausgedehnt hat, fällt es nicht
mehr so auf wie früher, als die Kirche ausser einem Heu-
oder Rebhäuslein das einzige Gebäude auf dem rechten
Ergolzufer war.
Nach der Sage hätte freilich die Kirche näher bei den
menschlichen Siedlungen erbaut werden sollen, nach einigen
im Brüel, nach andern in der Schulgasse, die durch ihren
Namen noch daran erinnert, dass vor dem alten Schulhaus beim
Bahnhof ein Gebäude in jener krummen, steilen Gasse als
Schulhaus gedient hat.
Schon lagen das Bauholz und die Steine bereit. Aber während
der Nacht wurde durch unbekannte Hände alles an den
abgelegenen Ort jenseits der Ergolz gebracht. Mit vieler
Mühe schaffte man alles wieder zurück. Aber am nächsten
Morgen war der Bauplatz wieder leer, und man fand Holz und
Steine abermals an der vorigen Stelle. So geschah es auch
noch ein drittes Mal. Da wurde beschlossen, den unsichtbaren
Mächten keinen Widerstand mehr zu leisten und die Kirche
dort zu bauen, wo sie heute noch steht ,am Fusse des
Kirchbergs. [S.39]
Ähnlich erzählt die Sage die Kirchengründungen in
-- Buus (vereitelter Platz bei der Säge),
-- Ettingen (vereitelter Platz auf dem Felde gegen Aesch),
-- Langenbruck (geplanter Platz Stelle der St.
Johannkapelle),
-- Läufelfingen (vereitelter Platz im Eisädel),
-- Maisprach (vereitelte Bauplätze auf Spielhof und im
Chloster),
-- Oberdorf,
-- St. Peter (vereitelter Platz Höhe oberhalb der Kirche),
-- Ormalingen (vereitelter Platz auf Egg),
-- Rümlingen (vereitelter Platz auf Flüehli bei Buckten),
-- Ziefen (vereitelter Platz auf dem Bornberg hinter dem
Pfarrhaus). [S.40]
St. Romai-Kloster
[Region Lauwil (neben Reigoldswil) - bei den Bauernhöfen St.
Romai - Klosterruine - das Glöcklein lebt noch]
Am Kirchrain, in der Nähe der Höfe St. Romai, stand früher
ein [Jesus-Fantasie]-Kloster. Noch heute seien der
Klosterkeller und verschiedene unterirdische Gänge
vorhanden. Die Toten auf dem
[Jesus-Fantasie]-Klosterfriedhofe haben noch keine Ruhe; und
jedesmal, wenn in Lauwil jemand stirbt, hört man nachts
unter dem Boden das Klosterglöcklein läuten. [S.40]
Der Glockenguss zu Oltingen
[Oltingen (neben Tecknau)]
"osana / heis / ich / die / gemeinne / von / oltinnen /
macht / mich / meister / hans / meiger / von / wissen / borg
/ gos / mich / in / er / Maria / s / niclause + anno /
domini / mcccclxxxxii"
Diese Inschrift ziert mit ihren schönen gotischen
Kleinbuchstaben die grösste Glocke der Niklauskirche von
Oltingen. Von dieser Glocke geht die Sage, dass sie Silber
enthalte und auf dem Spielhof zu Oltingen gegossen worden
sei.
My Grossmueter, da'sch die, wo fascht hunderti worde n-isch,
- und sie het noh-n-es guets Gedächtnis gha - het [S.40] abe
gseit, die Glogge syg z'Oltige gosse worde. Do syg eini
derzue cho, e Rychi, e Burgfräulein syg si gsi uf im Zig
obe: es Hus heig si gha dört obe, und Zusanni heig si
gheisse. Dernoh heig's nit glängt (das Glockenmetall). Und
do syg die noh it eme Schurz voll Brawänder (Brabantertaler)
cho und heig se dry gschüttet. Dernoh heig's glängt, und me
heig die Glogge wäge däm Zusanni tauft.
Dernoh het d'Grossmueter abe gseit drüberabe: "Ich weiss jo
nit, öb das wohr gsi isch. Aber es het's gheisse." [S.41]
Das Schelmenglöcklein
[Langenbruck (am Hauenstein): Überfall aufs
Jesus-Fantasie-Pfarrhaus und dann kommt ein Glöcklein]
Unter dem Spalierbaum [Baum an einer Hausfassade] an der
Pfarrhausecke war noch vor einem Jahrhundert eine Glocke
angebracht, welche man das Schelmenglöcklein hiess. Das
hatte seinen guten Grund; denn einem ehrsamen
[Jesus-Fantasie]-Pfarrherrn von Langenbruck war einmal
während der Nacht von Dieben eingebrochen worden. Der
wackere Mann hörte etwas und stellte sich den unliebsamen
Gästen in den Weg. Er war aber an die Unrechten gekommen.
Einer von ihnen, der eine Grasbähre [Gras-Schubkarre]
mitgebracht hatte, offenbar, um darin einen Teil des
Hausrates wegzuschleppen, warf dem Gegner das Netz über den
Kopf, dann wurde der gute Herr ganz in die Bähre
eingewickelt und darin wie eine Speckseite ins Kamin
gehängt. Von dort aus durfte er zuhören, wie die Schelmen in
seinem Haus aufräumten.
Nach diesem schlimmen Abenteuer bewilligte die Gemeinde
ihrem Pfarrer eine Glocke, mit der er fortan das Zeichen
geben konnte, wenn in der Nacht etwas [S.41] nicht in
Ordnung war. Das war das Schelmenglöcklein. Es hing viele
Jahre dort und liess nie einen Ton von sich hören.
Schliesslich wurde es aufs Schulhausdach versetzt und diente
der Gemeinde als Schulglöcklein. [S.42]
Die rächende Kirchenglocke
[Lausen (neben Liestal) an der Ergolz 1830-1833: Die
Kirchenglocke bleibt ohne Glockenschwengel - und der
Rädelsführer beim Begräbnis auch]
Während der Trennungswirren [zwischen Basel-Stadt und
Basel-Land von 1830 bis 1833] wollten einige junge Burschen
in Lausen den städtisch gesinnten Dorfpfarrer ärgern, indem
sie in der Samstagnacht den Glockenschwengel aushängten,
dass die Gemeinde am Sonntagmorgen nicht durch Geläute zur
Kirche gerufen werden konnte und zum grossen Teil vom
Gottesdienst wegblieb. Jahre und Jahrzehnte gingen über das
Land. Aus dem Rädelsführer der jungen Burschen war ein alter
Mann geworden, und er starb. Unter Glockengeläute nahte sich
der Leichenzug dem Friedhof bei der Kirche. Da verstummte
plötzlich die Glocke, und in hohem Bogen fuhr ihr Schwengel
aus dem Turmfenster durch die Luft und fiel auf einem Feld
nieder. So musste der Mann ohne Glockenklang begraben werden
und manche Leute trauten der alten Kirchenglocke zu, sie
habe sich gerächt. [S.42]
Der Totenweg
[Region Ettingen (am Blauen): Rinolfingen und die Toten in
Weisskirch (bei Biel-Benken)]
Die Toten des jetzt verschwundenen Dorfes Rinolfingen
oberhalb Ettingen wurden in Weisskirch begraben. Der Weg
dorthin führte an der heutigen Kirche von Ettingen vorbei
über das Feld gegen Benken. Er heisst Totenweg. Wie alte
Leute erzählen, war das Getreide am Totenweg immer grösser
als das andere im Feld. [S.42]
Niklaus von der Flüe
[Region Liestal - Einsiedelei von Niklaus von der Flüe -
Santichlausweg - heute nur noch Ruinen und ein Steinbruch]
Jene bewaldete Gegend, wo ein letzter Zipfel des Liestaler
Bannes wie eine weitausgreifende Hand nordwärts um den Bann
Lausen herum bis nahe an das Sissacher Gebiet hinüberreicht,
heisst das Chilchhöfli. Es ist seit langem bekannt, dass
dort ein guter Fundort für Waldsteine ist, die sich zum
Einfassen von Gartenbeeten grosser Beliebtheit erfreuen.
Schon manche Wagen voll sind davon gesammelt und in die
Gärten hinuntergeführt worden.
Bevor diese Ausbeute an Steinen betrieben wurde, habe man
noch Überreste eines alten Gemäuers erkennen können, die
letzten Spuren - so berichtet die Sage - einer Kapelle und
einer Einsiedelei. Hier soll Niklaus von der Flüe eine
Zeitlang sein Klausnerleben geführt haben. Täglich stieg er
hinunter nach der Niklauskirche von Lausen, um dort seine
Andacht zu verrichten. Noch heutigen Tages trägt ein Weg
über den Grammont gegen die Rüti ob dem Kilchberg den Namen
Santichlausweg. Dieser Weg ist nicht zu verwechseln mit dem
Niklaus von der Flüeweg, der 1936/37 durch ein Basler
Arbeitslager erstellt worden ist und von der Chedditefabrik
der Plänetzen entlang zur Arisdörferstrasse hinaufführt.
[S.43]
Der betende Einsiedler
[Reinach, Kanton Basel-Land: Eine Ruine bei einem Rebberg]
In der Nähe des Reinacher Rebberges steht ein zerfallenes
Gebäude. Es soll früher die Klause eines frommen Einsiedlers
gewesen sein. Heute noch kann man nachts sein Beten hören.
[S.43]
Der Waldbruder im Mettenholz
[Maisprach und der Schönenberg (Region Rheinfelden): Ruine
eines Waldbruders - Bäuerin findet beim Kartoffeln ausgraben
einen Goldring]
Am Abhang des Schönenberges bei Maisprach, nahe beim
Mettenholz, stand einst ein altes Gemäuer. Darin hauste vor
langer Zeit ein Waldbruder, der in der Einsamkeit ein
frommes Leben führte. Heute sind die Mauern längst
verschwunden, und der Ort ist von grünen Matten [Wiesen]
überdeckt; aber noch vor etwa dreissig Jahren konnten Spuren
davon beobachtet werden. Glück hatte eine Bäuerin, als sie
hier Kartoffeln ausgrub. Während sie hackte, sah sie auf
einmal einen schönen Goldring blinken, der an einem Zinken
ihres Karstes [Hacke] hangen geblieben war. [S.44]
Die entführte Nonne
[Muttenz (bei Basel): Frau wird ins Kloster gesperrt, weil
sie den "falschen Mann" liebt - und der Mann holt sie ab]
Eine schöne und reiche Müllerstochter liebte einen braven,
aber armen Burschen des Dorfes Muttenz. Die Eltern
widersetzten sich der Heirat, und als die Tochter nicht
nachgab, sperrten sie diese ins [Jesus-Fantasie]-Kloster
Engental. Der Jüngling wusste lange nicht, wo die Geliebte
weilte. Endlich erfuhr er durch eine alte
[Jesus-Fantasie]-Klosterfrau, die in Jugendtagen auch einer
Liebe hatte entsagen müssen, dass die Braut im nahen Kloster
lebte und seiner noch immer in Sehnsucht gedachte. Auf
Verabredung stellte die junge Nonne eines Nachts eine Kerze
ins Fenster ihrer Zelle. Als der Jüngling draussen erschien
und ihr ein Zeichen gab, liess sie sich an
zusammengeknüpften Leintüchern, zu denen ihr die alte
Klosterfrau verholfen hatte, hinab. Die Liebenden entflohen
noch in der Nacht in die Fremde, und keine Kunde über ihr
ferneres Schicksal ist mehr ins Dorf gedrungen. [S.44]
Jesus-Fantasie-Personal
Die Domherren als Jäger
[Arlesheim mit Jesus-Fantasie-Dom: Die
Jesus-Fantasie-Domherren auf der Treibjagd - und ein Stuhl
bricht zusammen]
Die Herren des Domkapitels zu Arlesheim hielten einmal in
Ettingen eine Treibjagd ab. Die jungen Männer der Gegend
mussten dabei als Treiber behilflich sein. Da geschah es,
dass einer der adeligen Herren sich etwas ungnädig gegen die
Treiber benahm. Dafür rächten sich diese dadurch, dass sie
dem Herrn beim Mittagessen einen verfänglichen Sitz
bereiteten und zwar an einem Abhange. Als nun der beleibte
Herr sich darauf niederliess, brach der Sitz zusammen und
jener kollerte den Abhang hinunter zum grossen Gaudium der
übrigen Domherren, denen sein barsches Benehmen ebenfalls
missfallen hatte. [S.45]
[Jesus-Fantasie]-Pfarrer Strübins Schimmel
[Bubendorf (neben Liestal): Ein Jesus-Fantasie-Pfarrer ist
in ein Pferd verliebt]
In Bubendorf soll man hie und da einen Schimmel den steilen
Weg gegen das [Jesus-Fantasie]-Pfarrhaus hinauftragen und
dort verschwinden sehen. Auch im Pfarrhofe höre man zuweilen
Pferdegetrappel, sehe aber kein Tier. Im Volke heisst es,
das sei ein früherer Pfarrherr mit Namen Strübin, der auf
seinem Schimmel reite. Dieses Tier galt ihm bei Lebzeiten
sehr viel, mehr als die Armen seiner Gemeinde. Denn, als zur
Zeit einer Teuerung die Basler Regierung eine Mehlspende für
die Bedürftigen an ihn abgehen liess, behielt er dieses Mehl
für sich und fütterte damit seine Haustiere. Man erzählt
auch, dass derselbe [Jesus-Fantasie]-Pfarrer auf dem
Todbette seinen Schimmel noch einmal sehen wollte und dass
man das vertraute Tier durch einen breiten Gang unter die
Türe des Sterbezimmers geführt habe, damit der
[Jesus-Fantasie]-Pfarrer von ihm Abschied nehmen konnte.
[S.45]
Der böse [Jesus-Fantasie]-Pfarrherr
[Reigoldswil mit Wasserfallen: Ein Jesus-Fantasie-Pfarrer
misshandelt seine beiden Pferde]
In Reigoldswil war einst ein [Jesus-Fantasie]-Pfarrer, der
zwei Pferde besass. Jedesmal, wenn ihm etwas über die Leber
gekrochen war, liess er einspannen, sass in seine Kutsche
und sprengte gen Titterten, wobei er die armen Tiere seine
Wut fühlen liess. Die Sage geht, er habe deshalb keine Ruhe
im Grab und müsse immer wieder kommen. Man sehe ihn in
dunkeln Nächten unter wildem Hü- und Ho-Rufen an der
mittleren Säge vorbeirasen. [S.46]
Der Brätzbeler Geischterprediger
[Bretzwil (neben Reigoldswil): Ein Pfarrer hält Messen in
der Mitternacht für graue und schwarze Gestalten]
D'Frau Pfarrer Burckhardt het der Grossmueter verzellt: "Vo
Zyt zu Zyt hei eusi Magd und ich in de höche Stunde am
Fääschter [Fenster] bim Schlofzimmer vom
[Jesus-Fantasie]-Pfarrer gkört chlopfe und rüefe. Jedesmol
het si [sich] der [Jesus-Fantasie]-Pfarrer sofort agleit und
isch furt. I ha-n-ihn e paarmol gfrogt, wo-n-er higöng; er
isch aber myne Froge allewyl usgwiche. Es het mer e kei
Ruehi meh glo; i ha mit der Magd e Verabredig troffe, wenn
der Pfarrer wieder uf die Art gweckt wärd, welle mer ihm go
nohluege.
Gly druf chlopft's und rüeft's wieder am Fääschter; mer hei
eus weidli zwäg gmacht; der [Jesus-Fantasie]-Pfarrer stoht
uf und goht furt. Mir luege zum Fääschter us und gseihe,
wie-n-er in d' [Jesus-Fantasie]-Chilche goht. Mir gönge
noche und düssele zum Gloggehus y. Jetz gköre mer der
[Jesus-Fantasie]-Pfarrer lut rede, s'Härz chlopft is [uns].
Jetz hei mer gseh, wie d'Chilche ganz mit graue und schwarze
Gstalte bsetzt gsi isch; der [Jesus-Fantasie]-Pfarrer isch
am Altar gstande und het prediget. Wie [S.46] s'Törly gyret
[gequietscht] het, hei alli mitenand d'Chöpf hindere dreiht
und hei-n-is erzürnt agluegt. Vor Schrecke sy mer hei
gsprunge. E Zytlang druf chunnt der
[Jesus-Fantasie]-Pfarrer, aber ganz verstört. Er het is
ydringlig zuegsproche, mer selle das jo nimme mache, und
gseit, wie-n-er ztue gha heig, bis die Geischter bisänftiget
gsi syge." [S.48]
Das Gespenst im [Jesus-Fantasie]-Pfarrstall
[Rothenfluh an der Grenze zum Fricktal: Ein
Jesus-Fantasie-Pfarrer ist in Kühe verliebt]
Z'Rotheflue isch emol e Pfarrher gsi, dä het mehr Freud gha
a syne Chüehe as am Predige und z'Chille goh. Derfür het er
im Grab au kei Rueh gfunde. Allemol öb's Wätter g'änderet
het, isch er as es [als ein] Gspängscht wieder in Stall cho
und vo einer Chueh zueh der andere. My Vatter, wo
Pfarrpächter gsi isch, het dernoh abe gseit: "Es git ander
Wätter, der olt Her isch wieder in Stall cho." [S.48]
Der Pfarrer als Wirt
[Gelterkinden: Wenn ein Jesus-Fantasie-Pfarrer ein Wirtshaus
hat - eine Ohrfeige gegen den Wirt]
Am Ende des 18. Jahrhunderts wirkte in Gelterkinden
[Jesus-Fantasie]-Pfarrer Jakob Faesch, der sich neben seinen
Amtsobliegenheiten gerne mit dem Landbau beschäftigte und
eine Gastwirtschaft besass [wahrscheinlich mit viel Wein].
Als einmal, wie das in einer Wirtschaft vorkommen kann,
seine Gäste in Streit geraten waren [zu viel gesoffen
hatten], wollte der [Jesus-Fantasie]-Pfarrer abwehren. Dabei
erhielt er aber von einem der Gäste eine tüchtige Ohrfeige.
Der Pfarrer wollte den Schimpf, als Pfarrer und Stadtbürger
von einem Untertanen beohrfeigt worden zu sein, nicht auf
sich ruhen lassen und verklagte den Betreffenden beim
Obervogte zu Farnsburg. Bei der Vorladung erklärte [S.48]
der Beklagte recht witzig, er habe nicht dem Pfarrer, wohl
aber dem obern Wirte zu Gelterkinden eine Ohrfeige gegeben.
Seit dieser Begebenheit wurde den Geistlichen auf der
Landschaft das Wirten gänzlich untersagt. [S.49]
Tiere von Jesus-Fantasie-Personal
Ein [Jesus-Fantasie]-Pfarrer als Jäger
[Buus (Region Rheinfelden): Der Hund des
Jesus-Fantasie-Pfarrers frisst einer Nachbarin ein Stück
Butter weg - der Jesus-Fantasie-Pfarrer besucht kranke Leute
nicht]
Der ersten [Jesus-Fantasie]-Pfarrer zu Buus nach der
Kantonstrennung [nach 1835] war Gottl. [Gottlieb?] Rothpletz
[Rothfleck] von Aarau. Er war ein eifriger Jäger und hielt
als solcher einen Jagdhund. In heller Aufregung kam nun
einmal eine Nachbarsfrau zum Herrn [Jesus-Fantasie]-Pfarrer
und klagte ihm, dass sein Hund ihr eine ganze "Ankenballe"
[Butter] gefressen habe. Doch der
[Jesus-Fantasie]-Geistliche erwiderte ihr in aller
Gemütsruhe: "Wenn's ämmel umme im [doch nur dem] Hund nüt
macht!"
Einst lag ein Bewohner des Nebenhofes Grien krank darnieder.
Da wurde er von einem Besucher gefragt, ob ihn der Herr
[Jesus-Fantasie]-Pfarrer auch schon besucht habe. Der
Gefragte antwortete missmutig: "Nei; wenn i e Has wer, so
wer er scho lang cho!" [S.49]
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