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Sagen der Schweiz: Kanton Basel-Land

4. Jesus-Fantasie-Sagen

Die 3 Adeltöchter (Schloss Pfeffingen) - Kirchen ausserhalb von Dörfern (ca. 12 Dörfer) - eine Klosterruine mit Glöcklein (Lauwil) - eine Glockeninschrift und Silber in der Glocke (Oltingen) - Pfarrhaus mit Glöcklein gegen Einbrecher (Langenbruck) - Kirchenglocke ohne Glockenschwengel (Lausen) -  Begräbnis der Toten von Rinolfingen (Weisskirch) - Niklaus von der Flüe (Liestal) - Einsiedler (Reinach) - Ruine eines Waldbruder (Maisprach) - Frau wegen "falscher Liebe" eingesperrt (Muttenz) -  Treibjagd der Jesus-Fantasie-Domherren (Arlesheim) - ein Jesus-Fantasie-Pfarrer liebt einen Schimmel (Bubendorf) - ein anderer misshandelt seine Pferde (Reigoldswil) - ein anderer predigt um Mitternacht für Gestalten in Grau und Schwarz (Bretzwil) - ein anderer liebt seine Kühe mehr als die Predigt (Rothenfluh) - ein anderer bekommt als Wirt eine Ohrfeige - ein Pfarrhund hat Butter so gern

präsentiert von Michael Palomino (2023)

aus: Sagen aus Baselland. Lehrerverein Baselland - bearbeitet von Gustav Müller und Dr. Paul Suter - Verlag Landschäftler AG, Liestal 1938
(ohne Laufental, das kam erst 1994 zum Kanton Basel-Land).

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4. Jesus-Fantasie-Sagen

Von Kirchen, Klöstern, Glocken, Klosterleuten und Pfarrherren (Jesus-Fantasie und 1-Gott-Fantasie vom kr. Drogen-Gay-Vatikan)
[Das stabile Leben kommt mit Mutter Erde - und es waren Götter]

Die Entstehung von St. Margarethen bei Binningen
[Schloss Pfeffingen (Region Aesch, BL) mit 3 Adelstöchtern - Schloss Thierstein mit 3 Rittern - Kapellen Margaretha, Chrischona und Ottilienwiese]

Auf dem Schlosse Pfeffingen hat eins ein Ritter gehaust, der drei gar liebliche Schwestern hatte. Margaretha hiess die eine, Chrischona die andere und Ottilia die dritte. Nicht weit davon entfernt sassen auf ihrem Schlosse und Stammgut die drei Ritter Franz, Kilian und Rudolf von Thierstein [Region Dornach]. Diese waren den drei Burgfräulein in Minne ergeben und besuchten sie heimlicherweise, um ihre Gunst zu erwerben. Der Pfeffinger Ritter hasste aber die Thiersteiner.

Einst auf der Jagd erschien ihm der Teufel in Gestalt eines Zwerges. Der Ritter überwand den Bösen und zwang denselben, ihm die Zukunft zu offenbaren. Nun weissagte der Zwerg, dass Schloss und Geschlecht derer zu Pfeffingen den Untergang erleiden sollten, während des Ritters Schwestern ewige Häuser bauen und ihre Namen sich in alle Zeiten erhalten würden.

Dieser Spruch des Teufels ging dann auch in Erfüllung. Denn als der Ritter die Thiersteiner bei ihrem nächsten Besuche zu Pfeffingen gefangen nehmen und enthaupten liess, verliessen die Schwestern in tiefer Betrübnis das Schloss, eine jede sich einen Ruheort für ihre Seele zu suchen. Margaretha zog auf die Höhe des Bruderholzes [bei Basel], während die beiden anderen sich über den Rhein begangen, Chrischona [bei Basel] auf den Dinkelberg, Ottilia auf die Anhöhe jenseits der Wiese [jenseits des Flusses Wiese]. Eine jede errichtete [S.37] sich an ihrem Zufluchtsorte eine Klause, Stätten der Andacht, die heute noch bestehen, während das Pfeffinger Schloss schon längst zerfallen und das Geschlecht der Ritter ausgestorben ist. [S.38]


Vereitelter Kirchenbau
[Lausen an der Ergolz (neben Liestal): "Unsichtbare Mächte" wollten keine Kirche im Dorf - die Verschiebung von Bauholz und Steinen]

Schon mancher hat sich gewundert, weshalb wohl die [Jesus-Fantasie]-Kirche von Lausen so abseits vom Dorfe gebaut wurde. Heute, da sich die Ortschaft nach allen Seiten, auch gegen die Kirche ausgedehnt hat, fällt es nicht mehr so auf wie früher, als die Kirche ausser einem Heu- oder Rebhäuslein das einzige Gebäude auf dem rechten Ergolzufer war.

Nach der Sage hätte freilich die Kirche näher bei den menschlichen Siedlungen erbaut werden sollen, nach einigen im Brüel, nach andern in der Schulgasse, die durch ihren Namen noch daran erinnert, dass vor dem alten Schulhaus beim Bahnhof ein Gebäude in jener krummen, steilen Gasse als Schulhaus gedient hat.

Schon lagen das Bauholz und die Steine bereit. Aber während der Nacht wurde durch unbekannte Hände alles an den abgelegenen Ort jenseits der Ergolz gebracht. Mit vieler Mühe schaffte man alles wieder zurück. Aber am nächsten Morgen war der Bauplatz wieder leer, und man fand Holz und Steine abermals an der vorigen Stelle. So geschah es auch noch ein drittes Mal. Da wurde beschlossen, den unsichtbaren Mächten keinen Widerstand mehr zu leisten und die Kirche dort zu bauen, wo sie heute noch steht ,am Fusse des Kirchbergs. [S.39]

Ähnlich erzählt die Sage die Kirchengründungen in
-- Buus (vereitelter Platz bei der Säge),
-- Ettingen (vereitelter Platz auf dem Felde gegen Aesch),
-- Langenbruck (geplanter Platz Stelle der St. Johannkapelle),
-- Läufelfingen (vereitelter Platz im Eisädel),
-- Maisprach (vereitelte Bauplätze auf Spielhof und im Chloster),
-- Oberdorf,
-- St. Peter (vereitelter Platz Höhe oberhalb der Kirche),
-- Ormalingen (vereitelter Platz auf Egg),
-- Rümlingen (vereitelter Platz auf Flüehli bei Buckten),
-- Ziefen (vereitelter Platz auf dem Bornberg hinter dem Pfarrhaus). [S.40]


St. Romai-Kloster
[Region Lauwil (neben Reigoldswil) - bei den Bauernhöfen St. Romai - Klosterruine - das Glöcklein lebt noch]

Am Kirchrain, in der Nähe der Höfe St. Romai, stand früher ein [Jesus-Fantasie]-Kloster. Noch heute seien der Klosterkeller und verschiedene unterirdische Gänge vorhanden. Die Toten auf dem [Jesus-Fantasie]-Klosterfriedhofe haben noch keine Ruhe; und jedesmal, wenn in Lauwil jemand stirbt, hört man nachts unter dem Boden das Klosterglöcklein läuten. [S.40]


Der Glockenguss zu Oltingen
[Oltingen (neben Tecknau)]

"osana / heis / ich / die / gemeinne / von / oltinnen / macht / mich / meister / hans / meiger / von / wissen / borg / gos / mich / in / er / Maria / s / niclause + anno / domini / mcccclxxxxii"

Diese Inschrift ziert mit ihren schönen gotischen Kleinbuchstaben die grösste Glocke der Niklauskirche von Oltingen. Von dieser Glocke geht die Sage, dass sie Silber enthalte und auf dem Spielhof zu Oltingen gegossen worden sei.

My Grossmueter, da'sch die, wo fascht hunderti worde n-isch, - und sie het noh-n-es guets Gedächtnis gha - het [S.40] abe gseit, die Glogge syg z'Oltige gosse worde. Do syg eini derzue cho, e Rychi, e Burgfräulein syg si gsi uf im Zig obe: es Hus heig si gha dört obe, und Zusanni heig si gheisse. Dernoh heig's nit glängt (das Glockenmetall). Und do syg die noh it eme Schurz voll Brawänder (Brabantertaler) cho und heig se dry gschüttet. Dernoh heig's glängt, und me heig die Glogge wäge däm Zusanni tauft.

Dernoh het d'Grossmueter abe gseit drüberabe: "Ich weiss jo nit, öb das wohr gsi isch. Aber es het's gheisse." [S.41]


Das Schelmenglöcklein
[Langenbruck (am Hauenstein): Überfall aufs Jesus-Fantasie-Pfarrhaus und dann kommt ein Glöcklein]

Unter dem Spalierbaum [Baum an einer Hausfassade] an der Pfarrhausecke war noch vor einem Jahrhundert eine Glocke angebracht, welche man das Schelmenglöcklein hiess. Das hatte seinen guten Grund; denn einem ehrsamen [Jesus-Fantasie]-Pfarrherrn von Langenbruck war einmal während der Nacht von Dieben eingebrochen worden. Der wackere Mann hörte etwas und stellte sich den unliebsamen Gästen in den Weg. Er war aber an die Unrechten gekommen. Einer von ihnen, der eine Grasbähre [Gras-Schubkarre] mitgebracht hatte, offenbar, um darin einen Teil des Hausrates wegzuschleppen, warf dem Gegner das Netz über den Kopf, dann wurde der gute Herr ganz in die Bähre eingewickelt und darin wie eine Speckseite ins Kamin gehängt. Von dort aus durfte er zuhören, wie die Schelmen in seinem Haus aufräumten.

Nach diesem schlimmen Abenteuer bewilligte die Gemeinde ihrem Pfarrer eine Glocke, mit der er fortan das Zeichen geben konnte, wenn in der Nacht etwas [S.41] nicht in Ordnung war. Das war das Schelmenglöcklein. Es hing viele Jahre dort und liess nie einen Ton von sich hören. Schliesslich wurde es aufs Schulhausdach versetzt und diente der Gemeinde als Schulglöcklein. [S.42]


Die rächende Kirchenglocke
[Lausen (neben Liestal) an der Ergolz 1830-1833: Die Kirchenglocke bleibt ohne Glockenschwengel - und der Rädelsführer beim Begräbnis auch]

Während der Trennungswirren [zwischen Basel-Stadt und Basel-Land von 1830 bis 1833] wollten einige junge Burschen in Lausen den städtisch gesinnten Dorfpfarrer ärgern, indem sie in der Samstagnacht den Glockenschwengel aushängten, dass die Gemeinde am Sonntagmorgen nicht durch Geläute zur Kirche gerufen werden konnte und zum grossen Teil vom Gottesdienst wegblieb. Jahre und Jahrzehnte gingen über das Land. Aus dem Rädelsführer der jungen Burschen war ein alter Mann geworden, und er starb. Unter Glockengeläute nahte sich der Leichenzug dem Friedhof bei der Kirche. Da verstummte plötzlich die Glocke, und in hohem Bogen fuhr ihr Schwengel aus dem Turmfenster durch die Luft und fiel auf einem Feld nieder. So musste der Mann ohne Glockenklang begraben werden und manche Leute trauten der alten Kirchenglocke zu, sie habe sich gerächt. [S.42]


Der Totenweg
[Region Ettingen (am Blauen): Rinolfingen und die Toten in Weisskirch (bei Biel-Benken)]

Die Toten des jetzt verschwundenen Dorfes Rinolfingen oberhalb Ettingen wurden in Weisskirch begraben. Der Weg dorthin führte an der heutigen Kirche von Ettingen vorbei über das Feld gegen Benken. Er heisst Totenweg. Wie alte Leute erzählen, war das Getreide am Totenweg immer grösser als das andere im Feld. [S.42]


Niklaus von der Flüe
[Region Liestal - Einsiedelei von Niklaus von der Flüe - Santichlausweg - heute nur noch Ruinen und ein Steinbruch]

Jene bewaldete Gegend, wo ein letzter Zipfel des Liestaler Bannes wie eine weitausgreifende Hand nordwärts um den Bann Lausen herum bis nahe an das Sissacher Gebiet hinüberreicht, heisst das Chilchhöfli. Es ist seit langem bekannt, dass dort ein guter Fundort für Waldsteine ist, die sich zum Einfassen von Gartenbeeten grosser Beliebtheit erfreuen. Schon manche Wagen voll sind davon gesammelt und in die Gärten hinuntergeführt worden.

Bevor diese Ausbeute an Steinen betrieben wurde, habe man noch Überreste eines alten Gemäuers erkennen können, die letzten Spuren - so berichtet die Sage - einer Kapelle und einer Einsiedelei. Hier soll Niklaus von der Flüe eine Zeitlang sein Klausnerleben geführt haben. Täglich stieg er hinunter nach der Niklauskirche von Lausen, um dort seine Andacht zu verrichten. Noch heutigen Tages trägt ein Weg über den Grammont gegen die Rüti ob dem Kilchberg den Namen Santichlausweg. Dieser Weg ist nicht zu verwechseln mit dem Niklaus von der Flüeweg, der 1936/37 durch ein Basler Arbeitslager erstellt worden ist und von der Chedditefabrik der Plänetzen entlang zur Arisdörferstrasse hinaufführt. [S.43]


Der betende Einsiedler
[Reinach, Kanton Basel-Land: Eine Ruine bei einem Rebberg]

In der Nähe des Reinacher Rebberges steht ein zerfallenes Gebäude. Es soll früher die Klause eines frommen Einsiedlers gewesen sein. Heute noch kann man nachts sein Beten hören. [S.43]


Der Waldbruder im Mettenholz
[Maisprach und der Schönenberg (Region Rheinfelden): Ruine eines Waldbruders - Bäuerin findet beim Kartoffeln ausgraben einen Goldring]

Am Abhang des Schönenberges bei Maisprach, nahe beim Mettenholz, stand einst ein altes Gemäuer. Darin hauste vor langer Zeit ein Waldbruder, der in der Einsamkeit ein frommes Leben führte. Heute sind die Mauern längst verschwunden, und der Ort ist von grünen Matten [Wiesen] überdeckt; aber noch vor etwa dreissig Jahren konnten Spuren davon beobachtet werden. Glück hatte eine Bäuerin, als sie hier Kartoffeln ausgrub. Während sie hackte, sah sie auf einmal einen schönen Goldring blinken, der an einem Zinken ihres Karstes [Hacke] hangen geblieben war. [S.44]


Die entführte Nonne
[Muttenz (bei Basel): Frau wird ins Kloster gesperrt, weil sie den "falschen Mann" liebt - und der Mann holt sie ab]

Eine schöne und reiche Müllerstochter liebte einen braven, aber armen Burschen des Dorfes Muttenz. Die Eltern widersetzten sich der Heirat, und als die Tochter nicht nachgab, sperrten sie diese ins [Jesus-Fantasie]-Kloster Engental. Der Jüngling wusste lange nicht, wo die Geliebte weilte. Endlich erfuhr er durch eine alte [Jesus-Fantasie]-Klosterfrau, die in Jugendtagen auch einer Liebe hatte entsagen müssen, dass die Braut im nahen Kloster lebte und seiner noch immer in Sehnsucht gedachte. Auf Verabredung stellte die junge Nonne eines Nachts eine Kerze ins Fenster ihrer Zelle. Als der Jüngling draussen erschien und ihr ein Zeichen gab, liess sie sich an zusammengeknüpften Leintüchern, zu denen ihr die alte Klosterfrau verholfen hatte, hinab. Die Liebenden entflohen noch in der Nacht in die Fremde, und keine Kunde über ihr ferneres Schicksal ist mehr ins Dorf gedrungen. [S.44]


Jesus-Fantasie-Personal

Die Domherren als Jäger
[Arlesheim mit Jesus-Fantasie-Dom: Die Jesus-Fantasie-Domherren auf der Treibjagd - und ein Stuhl bricht zusammen]

Die Herren des Domkapitels zu Arlesheim hielten einmal in Ettingen eine Treibjagd ab. Die jungen Männer der Gegend mussten dabei als Treiber behilflich sein. Da geschah es, dass einer der adeligen Herren sich etwas ungnädig gegen die Treiber benahm. Dafür rächten sich diese dadurch, dass sie dem Herrn beim Mittagessen einen verfänglichen Sitz bereiteten und zwar an einem Abhange. Als nun der beleibte Herr sich darauf niederliess, brach der Sitz zusammen und jener kollerte den Abhang hinunter zum grossen Gaudium der übrigen Domherren, denen sein barsches Benehmen ebenfalls missfallen hatte. [S.45]


[Jesus-Fantasie]-Pfarrer Strübins Schimmel
[Bubendorf (neben Liestal): Ein Jesus-Fantasie-Pfarrer ist in ein Pferd verliebt]

In Bubendorf soll man hie und da einen Schimmel den steilen Weg gegen das [Jesus-Fantasie]-Pfarrhaus hinauftragen und dort verschwinden sehen. Auch im Pfarrhofe höre man zuweilen Pferdegetrappel, sehe aber kein Tier. Im Volke heisst es, das sei ein früherer Pfarrherr mit Namen Strübin, der auf seinem Schimmel reite. Dieses Tier galt ihm bei Lebzeiten sehr viel, mehr als die Armen seiner Gemeinde. Denn, als zur Zeit einer Teuerung die Basler Regierung eine Mehlspende für die Bedürftigen an ihn abgehen liess, behielt er dieses Mehl für sich und fütterte damit seine Haustiere. Man erzählt auch, dass derselbe [Jesus-Fantasie]-Pfarrer auf dem Todbette seinen Schimmel noch einmal sehen wollte und dass man das vertraute Tier durch einen breiten Gang unter die Türe des Sterbezimmers geführt habe, damit der [Jesus-Fantasie]-Pfarrer von ihm Abschied nehmen konnte. [S.45]


Der böse [Jesus-Fantasie]-Pfarrherr
[Reigoldswil mit Wasserfallen: Ein Jesus-Fantasie-Pfarrer misshandelt seine beiden Pferde]

In Reigoldswil war einst ein [Jesus-Fantasie]-Pfarrer, der zwei Pferde besass. Jedesmal, wenn ihm etwas über die Leber gekrochen war, liess er einspannen, sass in seine Kutsche und sprengte gen Titterten, wobei er die armen Tiere seine Wut fühlen liess. Die Sage geht, er habe deshalb keine Ruhe im Grab und müsse immer wieder kommen. Man sehe ihn in dunkeln Nächten unter wildem Hü- und Ho-Rufen an der mittleren Säge vorbeirasen. [S.46]


Der Brätzbeler Geischterprediger
[Bretzwil (neben Reigoldswil): Ein Pfarrer hält Messen in der Mitternacht für graue und schwarze Gestalten]

D'Frau Pfarrer Burckhardt het der Grossmueter verzellt: "Vo Zyt zu Zyt hei eusi Magd und ich in de höche Stunde am Fääschter [Fenster] bim Schlofzimmer vom [Jesus-Fantasie]-Pfarrer gkört chlopfe und rüefe. Jedesmol het si [sich] der [Jesus-Fantasie]-Pfarrer sofort agleit und isch furt. I ha-n-ihn e paarmol gfrogt, wo-n-er higöng; er isch aber myne Froge allewyl usgwiche. Es het mer e kei Ruehi meh glo; i ha mit der Magd e Verabredig troffe, wenn der Pfarrer wieder uf die Art gweckt wärd, welle mer ihm go nohluege.

Gly druf chlopft's und rüeft's wieder am Fääschter; mer hei eus weidli zwäg gmacht; der [Jesus-Fantasie]-Pfarrer stoht uf und goht furt. Mir luege zum Fääschter us und gseihe, wie-n-er in d' [Jesus-Fantasie]-Chilche goht. Mir gönge noche und düssele zum Gloggehus y. Jetz gköre mer der [Jesus-Fantasie]-Pfarrer lut rede, s'Härz chlopft is [uns]. Jetz hei mer gseh, wie d'Chilche ganz mit graue und schwarze Gstalte bsetzt gsi isch; der [Jesus-Fantasie]-Pfarrer isch am Altar gstande und het prediget. Wie [S.46] s'Törly gyret [gequietscht] het, hei alli mitenand d'Chöpf hindere dreiht und hei-n-is erzürnt agluegt. Vor Schrecke sy mer hei gsprunge. E Zytlang druf chunnt der [Jesus-Fantasie]-Pfarrer, aber ganz verstört. Er het is ydringlig zuegsproche, mer selle das jo nimme mache, und gseit, wie-n-er ztue gha heig, bis die Geischter bisänftiget gsi syge." [S.48]


Das Gespenst im [Jesus-Fantasie]-Pfarrstall
[Rothenfluh an der Grenze zum Fricktal: Ein  Jesus-Fantasie-Pfarrer ist in Kühe verliebt]

Z'Rotheflue isch emol e Pfarrher gsi, dä het mehr Freud gha a syne Chüehe as am Predige und z'Chille goh. Derfür het er im Grab au kei Rueh gfunde. Allemol öb's Wätter g'änderet het, isch er as es [als ein] Gspängscht wieder in Stall cho und vo einer Chueh zueh der andere. My Vatter, wo Pfarrpächter gsi isch, het dernoh abe gseit: "Es git ander Wätter, der olt Her isch wieder in Stall cho." [S.48]


Der Pfarrer als Wirt
[Gelterkinden: Wenn ein Jesus-Fantasie-Pfarrer ein Wirtshaus hat - eine Ohrfeige gegen den Wirt]

Am Ende des 18. Jahrhunderts wirkte in Gelterkinden [Jesus-Fantasie]-Pfarrer Jakob Faesch, der sich neben seinen Amtsobliegenheiten gerne mit dem Landbau beschäftigte und eine Gastwirtschaft besass [wahrscheinlich mit viel Wein]. Als einmal, wie das in einer Wirtschaft vorkommen kann, seine Gäste in Streit geraten waren [zu viel gesoffen hatten], wollte der [Jesus-Fantasie]-Pfarrer abwehren. Dabei erhielt er aber von einem der Gäste eine tüchtige Ohrfeige. Der Pfarrer wollte den Schimpf, als Pfarrer und Stadtbürger von einem Untertanen beohrfeigt worden zu sein, nicht auf sich ruhen lassen und verklagte den Betreffenden beim Obervogte zu Farnsburg. Bei der Vorladung erklärte [S.48] der Beklagte recht witzig, er habe nicht dem Pfarrer, wohl aber dem obern Wirte zu Gelterkinden eine Ohrfeige gegeben. Seit dieser Begebenheit wurde den Geistlichen auf der Landschaft das Wirten gänzlich untersagt. [S.49]


Tiere von Jesus-Fantasie-Personal

Ein [Jesus-Fantasie]-Pfarrer als Jäger
[Buus (Region Rheinfelden): Der Hund des Jesus-Fantasie-Pfarrers frisst einer Nachbarin ein Stück Butter weg - der Jesus-Fantasie-Pfarrer besucht kranke Leute nicht]

Der ersten [Jesus-Fantasie]-Pfarrer zu Buus nach der Kantonstrennung [nach 1835] war Gottl. [Gottlieb?] Rothpletz [Rothfleck] von Aarau. Er war ein eifriger Jäger und hielt als solcher einen Jagdhund. In heller Aufregung kam nun einmal eine Nachbarsfrau zum Herrn [Jesus-Fantasie]-Pfarrer und klagte ihm, dass sein Hund ihr eine ganze "Ankenballe" [Butter] gefressen habe. Doch der [Jesus-Fantasie]-Geistliche erwiderte ihr in aller Gemütsruhe: "Wenn's ämmel umme im [doch nur dem] Hund nüt macht!"

Einst lag ein Bewohner des Nebenhofes Grien krank darnieder. Da wurde er von einem Besucher gefragt, ob ihn der Herr [Jesus-Fantasie]-Pfarrer auch schon besucht habe. Der Gefragte antwortete missmutig: "Nei; wenn i e Has wer, so wer er scho lang cho!" [S.49]



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Quellen


Fotoquellen


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