5.
Burgen und ihre BewohnerInnen
Der Schimmelreiter vom Bischofstein
[Sissach: Der Ritter von der Burg
[Jesus-Fantasie]-Bischofstein, der in der Nacht keine
Antwort gibt]
Bei starken Witterungsumschlägen zeigt sich im Sissacher
Dorfbann nächtlicherweile eine merkwürdige Erscheinung,
die sich in lautem Pferdegetrappel, in Schwert- und
Sporrengeklirr ankündet. Es ist die reckenhafte Gestalt
eines in schwarzen Reiterharnisch gehüllten Ritters von
Bischofstein, der auf weissem Pferde sitzend, hinter dem
Dorfe, jenseits der Ergolz, dem Wasser entlang auf- und
abwärts reitet. Dem Mutigen, der den Reiter bei zufälliger
Begegnung nach Woher und Wohin frägt, gibt er keine
Antwort. Des Ritters glühender Blick ist immer starr
geradeaus gerichtet. Urplötzlich, wie er gekommen,
verschwindet er auch wieder. Im vollen Galopp trägt ihn
das Schimmeltier den Abhang zur alten Burg hinauf, um, am
Waldessaue angelangt, in mächtigem Sprunge über Bäume und
Felswand setzend, ihn auf sein altes Felsennest zu
bringen, wo Ross und Reiter dem Auge entschwinden. [S.50]
Die Jungfrau am St. Margarethen Brünnlein
[Bischofstein mit der Quelle zu Sankt-Margarethen
(Bruderholz bei Basel) - die Tochter Margaretha von
Bischofstein]
Als das Brünnlein zu Sankt-Margarethen unterhalb
Bischofstein noch nicht die Brunnstube einer privaten
Wasserleitung zu speisen hatte, war es eine schöne,
kristallklare Quelle, die, von alten Waldbäumen halb
versteckt, unter Moos und Steinen hervorbrach und in
silberhellem [S.50] Faden Wald und grüne Matten
durchrieselte, um sich im Tal drunten in die Ergolz zu
ergiessen. Viel Schönes weiss der Volksmund von diesem
einstigen, heimlichen Quellengrunde zu erzählen. Dessen
Wasser soll das beste und gesündeste der ganzen Umgegend
gewesen sein. Wer davon am heiligen
[Jesus-Fantasie]-Pfingsttage bei Sonnenaufgang drei
Schlücke trank, der wurde durch die Zauberkraft der
Quellengeister ein Jahr lang vor jeglicher Krankheit
gefeit.
An dieser Quelle tönte auch zu gewissen Zeiten gar
wundersamer Sang, der tief an die Seele griff und den
eifrigen Holzsammler, den einsamen Wanderer auflauschen
und ihn mit magischem Zwange der Stätte nähertreten liess,
von der das glockenreine Klingen kam. Dort sass dann auf
moosigem Steine das liebliche Töchterchen eines einstigen
Bewohners der nahen Veste [Festung], Margaretha von
Bischofstein, die ihren jugendfrischen Leib mit den kühlen
Quellwassern wusch, sich das reiche, bis in die Kniekehlen
herabfallende Haar kämmte und mit ihrem melodischen Gesang
den staunenden Lauscher an Ort und Stelle bannte und ihn
Raum und Zeit vergessen machte, bis ihn der in nichts
zerfliessende Spuk endlich wieder frei gab. [S.51]
Der Schimmelreiter von Bottmingen
[Bottmingen (Region Basel) und ein böser Ritter - wurde
umgebracht - sein Geist kann keine Ruhe finden]
Vor vielen Jahren soll im Bottminger Schloss ein Ritter
gehaust haben, der die Leute auf alle mögliche Art plagte.
Er ritt einen Schimmel mit hellklingenden Glöcklein. Seit
seinem gewaltsamen Tode soll er in gewissen Nächten um
Mitternacht im Schlossgarten herumgaloppieren, da er keine
Ruhe finden kann. [S.51]
Unterirdische Gänge
[am Blauen: Pfeffinger Schloss bei Aesch (BL), Schloss
Fürstenstein bei Ettingen, Schloss Sternenberg bei
Hofstetten]
Wie alte Leute erzählen, soll vom Pfeffinger Schloss bis zum
Schlosse Fürstenstein ein unterirdischer Gang führen, der
früher besonders in Kriegszeiten benützt wurde. Ein anderer
unterirdischer Gang führte vom Fürstenstein nach dem
Schlosse Sternenberg bei Hofstetten. Es sollen noch Waffen
darin verborgen sein. [S.52]
Die Geisterpferde
[Schloss Fürstenstein (Ettingen am Blauen): Ein Bauer
transportiert mit 3 Pferden einen grossen Baumstamm zur
Burg]
Auf Fürstenstein hauste einst ein grausamer Ritter, der
seine Freude daran hatte, die Leute zu plagen. Eines Tages
ritt er an einem Hause vorbei, vor dem ein armer Bauer auf
einem eichenen Baumstamme sass. Der Ritter hielt an und
befahl dem Bauern: "Bis heute mittag müsst ihr diesen
Baumstamm auf meine Burg bringen, sonst - !" Mit höhnischem
Lachen ritt er davon.
Der Bauer klagte seine Not einem Nachbarn. Dieser sagte, er
solle sich trösten, er werde ihm schon helfen. Kaum war der
Bauer zu Hause, als der Nahbar mit drei schönen schwarzen
Pferden heransprengte. In kurzer Zeit war der riesige
Baumstamm oben auf der Burg. Der Ritter war höchst erstaunt
und fragte, wie das möglich sei und was das für schöne
Rappen seien. "Das sind", antwortete der Bauer, "euer
Urgrossvater, euer Grossvater und euer Vater." Auf diese
Worte hin fiel der Ritter bewusstlos zu Boden. Von nun an
war er besser gegen seine Untertanen. [S.52]
Der böse Landvogt auf Homburg
[Homburgtal? (Region Läufelfingen): Ein böser Landvogt
verlässt sein Schloss]
Im 18. Jahrhundert zog einmal ein Landvogt vom Schlosse, der
als ein harter, ja grausamer Mann verschrien war. Alles war
froh, den Bedrücker los zu werden, nur eine Frau wehklagte
vor dem Schlosse laut über den Wegzug des Vogtes. Dieser,
darüber erstaunt, fragte die Frau, warum sie weine. "He,
will dir jetz furt gönget," lautete die Antwort. Dem
Landvogt, der wohl wusste, wie die Leute von ihm dachten,
kam dies sonderbar vor. Er fragte die Jammernde, warum sie
denn über seinen Wegzug weine, andere Leute seien froh und
hätten schon lange gesagt, er sei ein so böser, harter Mann.
"Jä, ebe desswäge gryne-ni," erwiderte die Frau, "denn
wüsset, me seit albe [manchmal], es chömm nüt Bessers noche;
und wenn jetz e Landvogt chunnt, wo numme noh e chly böser
isch as dir, so cha das gar niemets Anders sy as der Tüfel
sälber. Vor däm gruset's mer aber gar, und dorum hätt i
lieber wölle, dir weret do bliebe." [S.53]
Die bezahlte Ohrfeige
[Thürnen (neben Sissach): Ohrfeige für einen Gast im Rössli
- und für den Obervogt - kostet 2mal 12 Pfund]
Von Heini Wirz, dem Rössliwirt zu Thürnen, erzählt der
Volksmund eine lustige Anekdote. Derselbe gab nämlich einst
einem seiner Gäste eine Ohrfeige. Dieser nicht faul, geht
hin und verklagt den dort schon übel angeschriebenen Heini
beim Obervogt auf Homburg. Der ladet ihn vor und diktiert
ihm eine Busse von 12 Pfund. Während nun der Bestrafte das
Geld vorzählte, fragte er den Vogt beiläufig, was es kosten
würde, wenn er noch jemand eine Ohrfeige gebe. "Ebenfalls 12
Pfund", erklärte der Vogt. Auch diese weitern 12 Pfund zählt
Heini ruhig hin, gibt dann aber, als dies [S.53] geschehen,
dem Obervogt einen so zügigen Watsch an den Kopf, dass es
ihn überschlägt und macht sich dann lachend davon. [S.54]
Der Madlenjäger
[Pratteln (Region Basel) mit der Burg Madlen - der Ritter
von Madlen erschlägt den Ritter von Schauenburg + heiratet
die Witwe]
Auf dem Adler bei Pratteln findet man noch spärliche Reste
der Burg Madlen. Ein früherer Ritter von Madlen lag in
steter Fehde mit dem Edeln von Schauenburg. Auf der Jagd
erschlug der Herr von Madlen den Schauenburger und führte
später die schöne Witwe als Gemahlin auf die Madlenburg.
Nach seinem Tode fand der Herr von Madlen keine Ruhe.
Von Zeit zu Zeit, auch heute noch, ertönt sein Hifthorn und
man hört das Gebell seiner 12 weissen Hunde. In wilder Jagd
reitet er auf seinem Schimmel durch den Wald. Hört man den
Madlenjäger, so bricht bald darauf ein Unwetter los,
behaupten die alten Leute. [S.54]
D'Ramschtejagd bi Brätzbel
[Region Bretzwil (neben Reigoldswil): Die Jagd zum
Ramschteschloss]
Vo Zyt zu Zyt gkört me d'Ramschtejagd dure goh. Si chunnt
vom Ried hindevüre, goht zwische - n - im Riedberg und im
Spelt dure und gege-n-im Ramschteschloss zue. S'isch grusig,
wie das schreit, hürnt, bällt, rasslet und ruschet. Wenn mer
[wir] dernoh gege-n-im Ramschteschloss umme luege, gseihe
mer [sehen wir], wie Liechter flackere und umme
Schlossfelse-n-umme fahre. Im Summer git's jedesmol
drüberabe schweri Gwitter und im Winter Stürm. [S.54]
Das Vogelberg-Lehen
[Reigoldswil (mit Wasserfallen): Die Familien Ramstein und
Vögelin - die Landrechte]
Alljährlich am Sonntag nach Michaelis treffen sich die
Angehörigen der Reigoldswiler Familie Vögelin im Gasthaus
zur Sonne in Reigoldswil, um den Pachtzins ihres
Familiengutes Vogelberg (früher Oberbürten) zu teilen. Der
Vögelin'sche Familienbesitz kann in ein paar Jahren auf das
ehrwürdige Alter von 400 Jahren zurückblicken.
Am 4. Juli 1541 wurde nämlich vom Rat der Stadt Basel die
nördlich des Passwangrückens liegende Alp Oberbürten oder
Vogelberg einem Uli Vögeli "für sich und seine Leibs-Erben
Manns und Weibspersonen" als Erblehen übergeben. Dies
geschah unter der Bedingung, den Vogelberg nicht zu
veräussern, in gutem Zustande zu halten und einen jährlichen
Zins von "drithalb pfunt stebler gelts" zu erlegen [zu
leisten]. Ausserdem sollten nur diejenigen Zweige der
Familie ein Anrecht auf das Erblehen haben, die im Gebiete
der Basler Obrigkeit sesshaft blieben.
Die Familie Vögelin erfreute sich in der Folge eines guten
Gedeihens. Nicht nur überdauerte sie die Stürme der
französischen Revolution [1791-1815], sie erlebte den
Übergang der Grundrechte der Weide an das
basellandschaftliche Kirchen- und Schulgut [1833] und
schliesslich die Ablösung des Bodenzinses.
Über die Frage nach dem Ursprung des Vogelberglehens sagen
die Urkunden nichts mehr aus als den einfachen, nüchternen
Tatbestand. Die Sage aber berichtet von einem Verhältnis
eines Schlossfräuleins von Ramstein mit einem Angehörigen
der Familie Vögelin. Die beiden jungen Leute waren
miteinander aufgewachsen und hatten einander lieg gewonnen.
Auch hatte der [S.55] junge Mann den Ramsteinern im Kriege
unschätzbare Dienste geleistet. Durch einen verbrecherischen
[Jesus-Fantasie]-Mönch von St. Hilar [Jesus-Fantasie-Kloster
in der Region Waldenburg] wurde Vögelin auf der Alpweide
Oberbürten seiner Braut durch Meuchelmord entrissen. Das
Fräulein ging ins [Jesus-Fantasie]-Kloster, vermachte aber
die Alpweide, wo sie soviel Leid erfahren, der Familie
Vögelin zum ewigen Gedächtnis an ihren Geliebten. [S.56]
Die schöne Pantoffle
[Region Bretzwil (bei Reigoldswil): Ramschteschloss mit
Galgen und Pantoffeln]
Mer sy sälbmol afe ne Johr us der Schuel gsi. Am e
[Jesus-Fantasie]-Karfrytig, s'isch e sunnige prächtige
Früehligstag gsi, sy eusere drü Meitli d'Winkelgass uf
gspaziert; mer hei uf s'Ramschteschloss welle. Ob der Holle
isch e Hübeli; es syg dört in der Ritterzyt e Galge gstande.
Wo mer zu däm Hübeli cho sy, stönde dört drei wunderschöni
Pantoffle, wie mer noh nie keini gseh hei; aber keine-n-isch
glych gsi wie der ander. In der Sunne hei si in alle Farbe
glänzt und gfunklet, wie wenn sie us luter Chrällele were.
Mer hei die Pantoffle lang bitrachtet, aber se nit gitrout a
z'rüehre. Dernoh sy mer e Stückli wyter gloffe, hei vo dene
Pantoffle brichtet und afo wärweise, öb mer se-n-ächt doch
hätte selle neh. Mer sy wieder zrugg, hei aber keini
Pantoffle meh gseh. [S.56]
Die Reifensteinkutsche
[Zwischen Titterten und Reigoldswil liegt die Ruine
Reifenstein - Wolkenbilder bei Regen: Burgfräulein und
Ritter fahren im Himmelswagen in den Himmel]
Zur Seite des [Jesus-Fantasie]-Kirchweges, welcher von
Titterten nach Reigoldswil führt, erhebt sich auf einem
zackigen Felsen die Burgruine Reifenstein in romantischer
Lage. Da mag vor Jahrhunderten ein frohes Leben in den
Mauern gewesen sein. Aber die Zeiten ändern sich. Der Zahn
der Zeit nagte übel an der ehemaligen Ritterwohnung [S.56].
Aller Glanz und alle Herrlichkeit sind dahin. Und doch kann
man zu gewissen Zeiten dort noch gar Sonderbares sehen. Wenn
am Himmelsgewölbe sich Wolken türmen und der Allmächtige
[Mutter Erde] von oben das Land wässern will, fahren aus den
Mauertrümmern Fräulein und Ritter in feurigem sechsspännigem
Wagen gen Himmel. Das ist eine hehre Pracht. Alles glänzt
und glitzert und funkelt wie köstliches Edelgestein. Aber
sie ziehen nicht als Selige in die paradiesischen Gefilde
des Himmels ein zur ewigen Ruhe. Nachdem sie eine Zeitlang
unter dem Himmelszelt dahin gefahren sind, kehren sie wieder
in die Burgruine zurück. [S.58]
Die weisse Jungfrau
[Region Aesch am Blauen (BL): Ruine Tschäpperli (Ruine
Frohberg) mit Prinzessin mit Hund]
Nach einer alten Sage geht bei der Ruine Tschäpperli eine
weise Jungfrau um, die auch Prinzessin genannt wird. Sie
erscheint, von einem grossen Hunde begleitet, nachts
zwischen elf und zwölf Uhr. Sie ist, wie ihr Begleiter, von
ungewöhnlicher Grösse. Ihr langes Kleid rauscht
geheimnisvoll und erschreckt den Wanderer. Bald winkt sie
von der Mauer herab, bald kämmt sie sich an der nahen
Quelle. [S.58]
Der grüne Ritter
[Homburgertal (Region Läufelfingen) mit Diepflingen: Der
Landvogt erscheint bei der Kohlgrube, wenn ein Gewitter
aufzieht - er jagte viel und zerstörte viele Ernten - da war
ein Hirsch und sein Geist heult bis heute]
Von Diepflingen im Homburgertale führt ein alter Fussweg
durch das Schübletentälchen, bei der Kohlgrube vorbei nach
Gelterkinden. Von dieser Kohlgrube weiss der Volksmund
allerlei Sagenhaftes zu erzählen. So berichten alte Leute,
dass dort, so oft ein Gewitter im Anzuge sei, der grüne
Ritter oder Landvogt erscheine. Dieser habe vor Zeiten auf
Scheideck und Ödenburg, zwei [S.58] Schlössern zu beiden
Seiten des Eitales, gewohnt. Da er ein sehr
leidenschaftlicher Jäger war, so sei er häufig auf die Jagd
gegangen und habe dabei das Wild selbst in den
Getreidefeldern des Landmanns verfolgt. Öfters, wenn die
Ernte nahe war, stellte er zum Verdruss der Bauern eine Jagd
an und trat dann die Saaten nieder. Bei einer solchen Jagd
geschah es, dass ihn ein Hirsch aufspiessen wollte. Der
Ritter erlitt eine entsetzliche Angst, bis ihn seine
Gefährten befreit hatten. Zur Strafe für seine Frevel
den Bauern gegenüber muss der Ritter jetzt noch an diesem
Orte erscheinen. Dabei erhebt er ein lautes Geheul und
brüllt fürchterlich. [S.59]
Die Waldenburger Schlossquelle
[Waldenburg (am Hauenstein) mit Schlossquelle - die Gemeinde
Lampenberg kauft die Schlossquelle - die alte Wasserleitung
zum Schloss Waldenburg und eine Dürre]
In den Oberdörfer Waldmatten, am Fusse des Rehhags, fand
sich bis vor fast zwei Jahrzehnten ein stimmungsvoller,
lieblicher Ort, die Waldenburger Schlossquelle. Im Schatten
mächtiger Buchen und Tannen sprudelte aus einem kunstvoll
gefügten Tuffsteingewölbe ein kühler Quell, dessen gesundes
Wasser bei den in der Nähe arbeitenden Landleuten in hohem
Ansehen stand. Als die Gemeinde Lampenberg die Schlossquelle
für ihre Wasserversorgung erworben hatte, wurde leider bei
der Neufassung der Quelle die alte Anlage vollständig
zerstört, sodass heute ausser einem nüchternen
Zementtröglein mit einem dünnen Wasserfaden nur noch der
Name übrig blieb.
Von der alten Quellfassung aus führte, wahrscheinlich seit
dem ausgehenden 17. Jahrhundert, eine Teuchelleitung
(Flurname Dünkelweg) über den Riedberg, dessen Grat
durchbrochen wurde, in etwa 1500 Meter langem [S.59] Laufe
zu den Ökonomiegebäuden des Schlosses Waldenburg. An diese
Leitung knüpft sich eine alte Sage.
Nachdem schon frühere Wasserleitungen und ein Sodbrunnen
mangelhaft gewesen seien, habe sich ein Zimmermeister aus
Bennwil angeboten, die Waldquelle zum Schlosse zu leiten.
Nach Fertigstellung des grossen Werkes blieb aber das Wasser
sehr lange aus [wegen Dürre] und man liess den Handwerker in
den Turm [ins Gefängnis] werfen. Am dritten Tage traf das
Wasser endlich ein. Als man nun den Erbauer aus dem
Gefängnis herausholen und ihm für die tüchtige Leistung
danken wollte, fand man ihn erhängt vor. Aus Verzweiflung
war er in den Tod gegangen. [S.60]
Das Raubritterschlösschen auf dem Zunzger Hügel
[Zunzgen (bei Sissach an der Autobahn) mit
Raubritterschlösslein - Händler werden immer wieder
überfallen]
Auf dem weithin sichtbaren Zunzgerhügel soll vor Zeiten ein
Raubritterschlösslein gestanden haben, von dem aus die
Bewohner beständig Ausschau hielten nach dem Ergolztal.
Sahen sie in der Gegend von Sissach Kaufmannsfuhren
talaufwärts fahren, so griffen sie zu ihren Waffen und
schwangen sich auf die Pferde. Sie ritten aber nicht
talauswärts, sondern über die Hochebene von Wittinsburg ins
Homburgertal hinüber. In aller Eile suchten sie noch die
Homburg zu erreichen, bevor die Reisenden ihrer ansichtig
werden konnten. Dort alarmierten sie ihre befreundeten
Gesinnungsgenossen, die sich nun gleichfalls in die Rüstung
warfen. Gemeinsam lauerten sie darauf in sicherem Versteck
neben der Strasse den ahnungslosen Kaufleuten auf, um sie
nach Raubritterart zu überfallen und auszuplündern. So
diente das kleine Schlösslein auf dem Zunzgerhügel der
Homburg als wichtiges Vorwerk. [S.60]
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