6. Von
ungehobenen Schätzen
Die Muttenzer Schatzgräber
[Muttenz (bei Basel): Der Schatz auf dem Wartenberg wird
vom Teufel bewacht - die Schatzsucher haben keine Chance]
Vor vielen Jahren stiegen drei Männer gegen Mitternacht
zur mittleren Burg auf dem Wartenberg, um einen
verborgenen Schatz, von dem sie gehört hatten, zu heben.
Während zwei mit Hacke und Schaufel hantierten, musste der
dritte aus einem Beschwörungsbuch rückwärts vorlesen.
Schon stiessen die Grabenden auf eine eiserne Kiste, als
der Lesende plötzlich den gehörnten Teufel neben sich
stehen sah und mit einem lauten Schrei das Buch fallen
liess. In diesem Augenblick rollte der Aushub, wie von
unsichtbarer Hand gescharrt, in die Grube zurück und
füllte das Loch vollständig aus, sodass man am andern Tag
keine Spur des Grabens mehr sah. Die Männer waren
erschreckt den Berg hinab geflohen und schweissgebadet in
ihrer Behausung angelangt. [S.61]
Der Goldschatz des Hunnenkönigs
[Diegten und Zunzgen (zwischen Sissach und Hauenstein an
der Autobahn): Der Geist des begrabenen Hunnenkönigs kommt
jeden Jesus-Fantasie-Karfreitag an den Bach]
Jedermann, der das Diegtertal einwärts wandert, dem fällt
der grosse, an einen Zuckerhut gemahnende Hügel hinter
Zunzgen auf. Nach der Sage soll darin ein Hunnenkönig
begraben sein. Alljährlich am
[Jesus-Fantasie]-Karfreitagmorgen tritt er mit seinem
ganzen Gefolge aus seinem Grabe hervor und trägt den
grossen Hunnenschatz heraus. Darunter befinden sich viele
Goldgefässe. Alle diese Herrlichkeiten breitet der König
am [S.61] Bachufer aus. Nachdem er sich im Bache gewaschen
hat, verschwindet er mit Gefolge und Schatz wieder im
Hügel. [S.62]
Der Schatz im alten Schloss bei Zeglingen
[Schloss Zeglingen (Region Tecknau) - der Goldschatz sinkt
immer tiefer, je mehr man nach ihm gräbt]
In einem abgelegenen Seitentälchen gegen die Schafmatt
hinauf erhebt sich ein kegelförmiger Hügel, allgemein
"s'olt Schloss" genannt. Es wird überliefert, dass darauf
in alten Zeiten ein hölzernes Schloss gestanden haben
soll. Das ist natürlich schon lange verschwunden, aber im
Boden soll noch ein verborgener Goldschatz ruhen. Immer
und immer wieder wurden Versuche gemacht, ihn zu heben.
Einmal gelang es wirklich solchen Schatzgräbern, eine
schwere Kiste blosszulegen. Es sass aber eine greuliche
Kröte darauf. Sie liessen sich durch diese weder stören
noch entmutigen, sondern gruben schweigsam und unentwegt
weiter. Aber je mehr sie um die Kiste herum gruben, um sie
seitlich frei zu bekommen, desto mehr versank sie in die
Tiefe. Und damit auch ihre Hoffnung, des Schatzes habhaft
werden zu können. [S.62]
Die Reifensteinjungfer
[Reifenstein bei Titterten oder bei Reigoldswil: Eine
Jungfrau mit goldhellen Haaren am Brunnen will erlöst
werden: Man soll ihre Haare kämmen, die zu Schlangen werden]
Einst kam ein armer Jüngling gegen die Reifensteinfluh.
Plötzlich stand er vor einem Brunnen, auf dessen Rand eine
schöne Jungfrau sass. Sie bat ihn, er möge ihr langes,
goldhelles Haar kämmen. Der Jüngling nahm den Kamm zur Hand,
um ihrem Wunsche zu willfahren. Doch kaum hatte er die
Arbeit begonnen, als sich die Haare in Schlänglein
verwandelten. Erschrocken liess der Jüngling den Kamm fallen
und trat einige Schritte [S.62] zurück. Da sprach die
Jungfrau traurig: "Wenn du mich fertig gekämmt hättest, so
wäre ich erlöst, und du wärest nun unendlich reich. Es wird
hier eine Tanne wachsen, und aus ihr wird eine Wiege gemacht
und das erste Kind, das darin liegt, wird mich erst erlösen
können." Darauf verschwand sie. [S.63]
Der Schatz im Leisenberg
[Region Waldenburg: Am Leisenberg zwischen Oberdorf und
Liedertswil - die weisse Frau mit einem Fässchen
Goldstücken]
Ein Knabe, der im Leisenberg zwischen Oberdorf und
Liedertswil Brennholz sammelte, sah unversehens einige
Schritte vor sich eine weissgekleidete Frau stehen, die ihm
lebhaft winkte. Er trat näher heran und erblickte vor ihr am
Boden ein Fässchen, das mit lauter Goldstücken gefüllt war.
Er wusste nichts Gescheiteres zu tun, als rasch nach Hause
zu laufen und den Vater zu holen. Als beide atemlos und
voller Erwartung an jener Stelle im Walde anlangten, war
weder von der Frau noch dem Fässchen etwas zu sehen. [S.63]
Die Schlüsseljungfrau
[Muttenz (bei Basel) mit dem Wartenberg: Eine weisse
Jungfrau in Vollmondnächten will erlöst werden: Man soll
ihre goldenen Haare kämmen]
Im Schlüsselhölzli hinter dem Wartenberg erscheint zuweilen
in Vollmondnächten zwischen zwölf und ein Uhr eine schöne,
grosse Jungfrau mit langen, goldenen Haaren und in
schlohweissem Gewande. Sie setzt sich auf einen Stein und
winkt den Leuten. Wer sich getraute, ihr langes Haar zu
strählen und sie dadurch zu erlösen, dem würde sie einen
grossen Schatz zeigen. Aber noch keiner, der sie sah, hat es
zu tun gewagt, und andern, die in der Absicht hingingen, das
Wagnis zu bestehen, ist sie nicht erschienen. [S.63]
Der Schatzgräber in der Muttenzer Hard
[Muttenz (bei Basel): Hardwald - ein Schatzgräber wird
getestet und lacht die Schnecke aus - da versinkt die
Schatzkiste in der Tiefe]
Ein Mann mit einem Stelzfuss [Beinprothese], "Stülzenniggi"
genannt, begab sich in den Hardwald, um nach einem Schatz zu
graben. Es war ihm bekannt, dass man bei dieser Verrichtung
kein Sterbenswort verlauten lassen durfte. Schon war er nach
ausgiebigem Graben auf eine eiserne Kiste gestossen. Da kam
Einer auf einem grossen Hahn geritten und fragte ihn, was er
da mache. Er gab ihm indessen keine Antwort. Darauf
verschwand der Hahn mit dem Reiter. Nach einiger Zeit
erschien wieder ein Unbekannter, der auf einer grossen
Schnecke ritt. Auch ihm gab der Schatzgräber keinen
Bescheid. Da rief der Schneckenreiter aus: "Nun denn, wenn
du nichts sagst, so reit ich weiter; ich werde den andern
auf seinem Hahn bald eingeholt haben." Da musste der
Schatzgräber lachen. "Du dummer Teufel", rief er aus, "der
du dir einbildest, mit deinem Schneckentier den Gockelreiter
einholen zu können." Kaum waren ihm die Worte entfahren, war
auch schon die beinahe gehobene Kiste mit Gepolter in der
Tiefe verschwunden. [S.64]
Der Schatz im Schlossbrunnen
[Ettingen (am Blauen) mit Schloss Fürstenstein - im
verlassenen Schlossbrunnen soll ein Schatz vergraben sein -
eine Frau erstickt]
Auf Fürstenstein sieht man heute noch ein tiefes, rundes
Loch. Es soll der ausgetrocknete Schlossbrunnen sein. Zu
verschiedenen Malen versuchte man den Schatz, der nach der
Sage darin vergraben sein soll, zu heben. Auch eine Frau,
das "Guggerli" genannt, habe es versucht; sie sei aber im
Loch drunten erstickt und habe so ihre Geldgier mit dem Tode
gebüsst. [S.64]
Der ausgeschlagene Schatz
[Waldenburgertal und Zunzgerberg - in einer Ruine macht der
Teufel ein Angebot: Ein Goldschatz gegen die Unterschrift
mit dem eigenen Blut]
Als die neuzeitlichen Verkehrsmittel noch nicht bekannt
waren, benützten die Leute aus dem Waldenburgertal, die in
Sissach zu tun hatten, oft den Weg über den Zunzgerberg. Nun
geschah es einmal, dass ein solcher Fussgänger sich auf dem
Rückwege verirrte und beim Einnachten immer tiefer in den
Wald hinein geriet. Auf einmal stand er vor einer Ruine, die
er ohne Furcht betrat. Zu seinem Erstaunen sah er sich in
einem grossen Saal, in dessen Mitte ein Tisch stand, an
welchem einige Männer eifrig schrieben. Gleichzeitig kam
noch ein weiterer Mann herein, der eine Hutte [Obstkübel] am
Rücken trug. Diese stellte er ab und schüttete den Inhalt,
lauter Goldstücke, auf den Boden. Er forderte nun den
Wanderer auf, seine Unterschrift mit eigenem Blute zu geben,
dann sei alles Gold sein Eigentum. Letzterer traute der
Sache nur halb und als er gewahrte, dass der Mann mit der
Hutte Ziegenfüsse besass, merkte er, dass er es mit dem
Bösen [mit dem Teufel] zu tun hatte. Standhaft verweigerte
er nun seine Unterschrift. Sogleich verlor er die Besinnung
und fand sich, als er wieder erwachte, auf einer
hochgelegenen Weide, die er bald als die Waldenburger
Waldweide erkannte. Wie er dort hinauf gelangt war, konnte
er aber nie erklären. [S.66]
Kirschsteine werden zu Goldstücken
[Eptingen (am Hauenstein an der Autobahn): Ruine Witwald]
An einem warmen Sommertag spazierte eine Magd vom Hofgut
Witwald auf die Ruine Witwald, um hier zu stricken. Da lag
auf einer Mauer ein Häuflein Kirschsteine an der Sonne
ausgebreitet. Sie nahm ein paar davon in ihre Tasche. Als
sie wieder daheim war, bemerkte [S.66] sie, dass sich ihre
Kirschsteine in lauter Goldstücke verwandelt hatten. Rasch
eilte sie wieder zur Ruine zurück, um auch die andern zu
holen. Aber da waren alle verschwunden, und mit leeren
Taschen musste sie nach Hause gehen. [S.67]
Die arige Mushüfe
[Bretzwil (bei Reigoldswil) mit der Ruine Ramstein: Auf der
Weide "Galm" sind Maushaufen in Scheiben, die zu Gold
werden]
Zwe Brätzbeler Bürger sy mitenander ufs Galm, in der Nöchi
vom Ramschte [Ramstein]. Uf ere Matte hei si gspässigi
Mushüfe gseh. Der Grund isch nit gsi wie süscht; die Hüfe
hei ganz us runde Schyble bstande. So öppis heige si jetz
noh nie gseh, hei si zäme gseit und hei die Húfe noh e
Rüngli agluegt. Ein het e Hamplfe [eine Hand voll] vo dene
Schyble in d'Chütteltäsche [Provianttasche?] to; er well se
doch deheim au zeige. Wo-n-er deheim in d'Chütteltäsche
längt, isch er verschrocke; die Schybli sy ganz hert und
schwer gsi. Er nimmt se vüre und luegt se-n-a; es sy jetz
alles glänzigi nygelnagelneui Guldstück [Goldstücke] gsi.
Gschwind goht er's im andere go säge; bed renne mitenand,
was gisch wa hesch wieder ufs Galm ufe, für die Schybli alli
hei z'neh. Wo sie ufe cho sy, het's aber numme no ganz
gwöhnligi Mushüfe gha. [S.67]
Verscherztes Glück
[Bennwil (Region Waldenburg): Ein Geist will alle 100 Jahre
erlöst werden]
Ein alter Schärmauser in Bennwil hätte der reichste Mann
werden können, wenn er im kritischen Augenblick das rechte
Wort gewusst hätte. Hört nur:
Einmal stellte er seine Fallen am Fusse des Rehhags. Da
erschien plötzlich eine überlebensgrosse Gestalt, kam auf
ihn zu und fragte, was er tue. Erschreckt stierte der
Mäusejäger die geisterhafte Gestalt an und wusste auf [S.67]
deren Gruss nichts zu erwidern. Er hätte sagen sollen: "Alle
guten Geister loben [den Fantasie]-Gott, den
[Fantasie]-Herrn." Das wusste er aber nicht und schwieg. Der
Geist blickte ihn furchtbar an und sprach: "Oh, weisst du
den Spruch nicht! Ich hätte dir einen grossen Schatz
gezeigt. Jetzt muss ich wieder 100 Jahre lang warten, bis
ich wieder jemandem erscheinen darf und - vielleicht
erlöst werden kann." Darauf sah er ihn noch ein paar
mal an und verschwand mit traurigem Blick in der Richtung
gegen den Rehhag. [S.68]
Der Millionenschneider
[Läufelfingen (am Hauenstein): Jesus-Fantasie-Kapuziner sind
auch Teufel: Wünsch dir was mit deinem Namen aus Blut und 3
Kreisen rund rum - und dann kam Goldstroh im Wert von 99
Millionen]
In Läufelfingen trug ein Schneider den Spottnamen
"Millionenschneider" oder "99 Millionenschneider". Dazu soll
er auf folgende Weise gekommen sein:
Ein ausgejagter [?] [Jesus-Fantasie]-Kapuziner habe ihm
angeraten, mit seinem eigenen Blut seinen Namen auf ein
Blatt zu schreiben. Dieses Blatt solle er auf einem
bestimmten [Jesus-Fantasie]-Kreuzweg auf den Boden legen und
darum herum drei Kreise ziehen, immer einer grösser als der
vorhergehende, keiner den andern berührend. Dort könne er
wünschen, was er wolle.
Der Schneider tat, wie ihm geraten worden war. Er stellte
sich in den innersten Kreis, legte das Papierblatt auf den
Boden und hütete sich peinlich, den Kreisrand zu übertreten.
Alsdann wünschte er sich 99 Millionen. Er bekam sie aber
nicht. Jedoch vernahm er ein gewaltiges Rauschen wie von
Wasserwellen. Unter grossem Getöse kamen goldene Strohwellen
den Berg herunter. Vor Schreck trat der Schneider aus dem
Ring [S.68]. Da war sein Zettel verschwunden. Nun plagte den
guten Schneider die Angst um sein Seelenheil. Er pochte an
die Pforte eines [Jesus-Fantasie]-Kapuzinerklosters, wurde
aber zuerst abgewiesen. Erst als die
[Jesus-Fantasie]-Kapuziner von dem geängstigten Manne
hörten, dass es ein [Jesus-Fantasie]-Kapuziner gewesen war,
der das Schneiderlein in diese Seelennot und Höllenqual
gebracht hatte, nahmen sie sich seiner an. Sie führten ihn
in die [Jesus-Fantasie]-Klosterkirche und beteten
inbrünstig. Endlich, nachdem sie lange um die Seele des
Schneiders gerungen hatten, erschien unter dem Fenster ein
Vogel, setzte sich auf den Fenstersims und liess den Zettel
mit des Schneiders Unterschrift hereinfallen. [S.69]
Der goldene Pflug
[Oberdorf (bei Waldenburg): An Jesus-Fantasie-Weihnachten
sollen 2 Pferde einen goldenen Pflug ziehen]
Am heiligen [Jesus-Fantasie]-Abend soll in der Nähe der
[Jesus-Fantasie]-Kirche St. Peter bei Oberdorf ein goldener
Pflug zu sehen sein, der von zwei Pferden durch einen Acker
gezogen werde. Einen Pflüger gewahre man nicht, es sei nur
ein tolles Gjeuk und Gspräng" vernehmbar, so dass es noch
niemand gewagt habe, sich zu nähern, um des kostbaren
Gerätes habhaft zu werden. [S.69]
Der Schatz im Lankgraben
[Bretzwil (Region Reigoldswil): Eine Frau will alle 10 Jahre
erlöst werden - mit einer Geldkiste mit dem Teufel drauf]
Der Bretzwiler Bote wurde auf seinem nächtlichen Heimwege im
Lankgraben von einer unbekannten Frau angehalten. Sie fragte
ihn, ob er sich fürchte. Er verneinte. Da forderte sie ihn
auf, er solle dem Bächlein nach in die Schlucht hineingehen.
Dort werde er eine Geldkiste finden. Er werde zwar grausige
Dinge sehen, aber man könne ihn nichts anhaben. Er solle die
Kiste [S.69] zum Fuhrwerk bringen, sie wolle ihm unterdessen
die Pferde halten.
Der Bote begab sich von der Landstrasse an den ihm
bezeichneten Ort. Unterwegs sah er mehrere
schreckenerregende Tiergestalten. In der Schlucht hinten war
etwas Helles zu sehen, eben die beschriebene Geldkiste.
Darauf aber sass ein Teufel, der ihn zähnefletschend
anknurrte. Das war für den Mann zuviel. Er liess die Kiste
stehen und kehrte unverrichteter Dinge zum Fuhrwerk zurück.
Als die Frau dies sah, fing sie herzerweichend zu weinen an.
Nun müsse sie zehn weitere Jahre büssen, bis sie wieder
jemand um Erlösung angehen dürfe, jammerte sie und
verschwand. [S.70]
<<
>>