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Sagen der Schweiz: Kanton Basel-Land

6. Von ungehobenen Schätzen

Teufel bewacht einen Goldschatz (Muttenz) - Hunnenkönig präsentiert Goldschätze jeden Karfreitag (Zunzgen) - Goldschatz sinkt (Zeglingen) - goldene Haare kämmen (Titterten oder Reigoldswil) - Geisterfrau mit Gold im Fässchen (Oberdorf) - goldene Haare kämmen (Muttenz) - Schatz versinkt (Muttenz) - Schatz im Schlossbrunnen (Ettingen) - Teufel bietet Goldschatz an (Waldenburgertal) - Kirschsteine werden Goldstücke (Eptingen) - Maushaufen aus Scheiben werden zu Goldmünzen (Bretzwil) - Geist ist noch nicht erlöst (Bennwil) - Goldstroh für 99 Millionen (Läufelfingen) - goldener Pflug wird von Geisterpferden gezogen (Oberdorf) - Geldkiste mit dem Teufel drauf (Bretzwil)

präsentiert von Michael Palomino (2023)

aus: Sagen aus Baselland. Lehrerverein Baselland - bearbeitet von Gustav Müller und Dr. Paul Suter - Verlag Landschäftler AG, Liestal 1938
(ohne Laufental, das kam erst 1994 zum Kanton Basel-Land).

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6. Von ungehobenen Schätzen

Die Muttenzer Schatzgräber
[Muttenz (bei Basel): Der Schatz auf dem Wartenberg wird vom Teufel bewacht - die Schatzsucher haben keine Chance]

Vor vielen Jahren stiegen drei Männer gegen Mitternacht zur mittleren Burg auf dem Wartenberg, um einen verborgenen Schatz, von dem sie gehört hatten, zu heben. Während zwei mit Hacke und Schaufel hantierten, musste der dritte aus einem Beschwörungsbuch rückwärts vorlesen. Schon stiessen die Grabenden auf eine eiserne Kiste, als der Lesende plötzlich den gehörnten Teufel neben sich stehen sah und mit einem lauten Schrei das Buch fallen liess. In diesem Augenblick rollte der Aushub, wie von unsichtbarer Hand gescharrt, in die Grube zurück und füllte das Loch vollständig aus, sodass man am andern Tag keine Spur des Grabens mehr sah. Die Männer waren erschreckt den Berg hinab geflohen und schweissgebadet in ihrer Behausung angelangt. [S.61]


Der Goldschatz des Hunnenkönigs
[Diegten und Zunzgen (zwischen Sissach und Hauenstein an der Autobahn): Der Geist des begrabenen Hunnenkönigs kommt jeden Jesus-Fantasie-Karfreitag an den Bach]

Jedermann, der das Diegtertal einwärts wandert, dem fällt der grosse, an einen Zuckerhut gemahnende Hügel hinter Zunzgen auf. Nach der Sage soll darin ein Hunnenkönig begraben sein. Alljährlich am [Jesus-Fantasie]-Karfreitagmorgen tritt er mit seinem ganzen Gefolge aus seinem Grabe hervor und trägt den grossen Hunnenschatz heraus. Darunter befinden sich viele Goldgefässe. Alle diese Herrlichkeiten breitet der König am [S.61] Bachufer aus. Nachdem er sich im Bache gewaschen hat, verschwindet er mit Gefolge und Schatz wieder im Hügel. [S.62]


Der Schatz im alten Schloss bei Zeglingen
[Schloss Zeglingen (Region Tecknau) - der Goldschatz sinkt immer tiefer, je mehr man nach ihm gräbt]

In einem abgelegenen Seitentälchen gegen die Schafmatt hinauf erhebt sich ein kegelförmiger Hügel, allgemein "s'olt Schloss" genannt. Es wird überliefert, dass darauf in alten Zeiten ein hölzernes Schloss gestanden haben soll. Das ist natürlich schon lange verschwunden, aber im Boden soll noch ein verborgener Goldschatz ruhen. Immer und immer wieder wurden Versuche gemacht, ihn zu heben. Einmal gelang es wirklich solchen Schatzgräbern, eine schwere Kiste blosszulegen. Es sass aber eine greuliche Kröte darauf. Sie liessen sich durch diese weder stören noch entmutigen, sondern gruben schweigsam und unentwegt weiter. Aber je mehr sie um die Kiste herum gruben, um sie seitlich frei zu bekommen, desto mehr versank sie in die Tiefe. Und damit auch ihre Hoffnung, des Schatzes habhaft werden zu können. [S.62]


Die Reifensteinjungfer
[Reifenstein bei Titterten oder bei Reigoldswil: Eine Jungfrau mit goldhellen Haaren am Brunnen will erlöst werden: Man soll ihre Haare kämmen, die zu Schlangen werden]

Einst kam ein armer Jüngling gegen die Reifensteinfluh. Plötzlich stand er vor einem Brunnen, auf dessen Rand eine schöne Jungfrau sass. Sie bat ihn, er möge ihr langes, goldhelles Haar kämmen. Der Jüngling nahm den Kamm zur Hand, um ihrem Wunsche zu willfahren. Doch kaum hatte er die Arbeit begonnen, als sich die Haare in Schlänglein verwandelten. Erschrocken liess der Jüngling den Kamm fallen und trat einige Schritte [S.62] zurück. Da sprach die Jungfrau traurig: "Wenn du mich fertig gekämmt hättest, so wäre ich erlöst, und du wärest nun unendlich reich. Es wird hier eine Tanne wachsen, und aus ihr wird eine Wiege gemacht und das erste Kind, das darin liegt, wird mich erst erlösen können." Darauf verschwand sie. [S.63]


Der Schatz im Leisenberg
[Region Waldenburg: Am Leisenberg zwischen Oberdorf und Liedertswil - die weisse Frau mit einem Fässchen Goldstücken]

Ein Knabe, der im Leisenberg zwischen Oberdorf und Liedertswil Brennholz sammelte, sah unversehens einige Schritte vor sich eine weissgekleidete Frau stehen, die ihm lebhaft winkte. Er trat näher heran und erblickte vor ihr am Boden ein Fässchen, das mit lauter Goldstücken gefüllt war. Er wusste nichts Gescheiteres zu tun, als rasch nach Hause zu laufen und den Vater zu holen. Als beide atemlos und voller Erwartung an jener Stelle im Walde anlangten, war weder von der Frau noch dem Fässchen etwas zu sehen. [S.63]


Die Schlüsseljungfrau
[Muttenz (bei Basel) mit dem Wartenberg: Eine weisse Jungfrau in Vollmondnächten will erlöst werden: Man soll ihre goldenen Haare kämmen]

Im Schlüsselhölzli hinter dem Wartenberg erscheint zuweilen in Vollmondnächten zwischen zwölf und ein Uhr eine schöne, grosse Jungfrau mit langen, goldenen Haaren und in schlohweissem Gewande. Sie setzt sich auf einen Stein und winkt den Leuten. Wer sich getraute, ihr langes Haar zu strählen und sie dadurch zu erlösen, dem würde sie einen grossen Schatz zeigen. Aber noch keiner, der sie sah, hat es zu tun gewagt, und andern, die in der Absicht hingingen, das Wagnis zu bestehen, ist sie nicht erschienen. [S.63]


Der Schatzgräber in der Muttenzer Hard
[Muttenz (bei Basel): Hardwald - ein Schatzgräber wird getestet und lacht die Schnecke aus - da versinkt die Schatzkiste in der Tiefe]

Ein Mann mit einem Stelzfuss [Beinprothese], "Stülzenniggi" genannt, begab sich in den Hardwald, um nach einem Schatz zu graben. Es war ihm bekannt, dass man bei dieser Verrichtung kein Sterbenswort verlauten lassen durfte. Schon war er nach ausgiebigem Graben auf eine eiserne Kiste gestossen. Da kam Einer auf einem grossen Hahn geritten und fragte ihn, was er da mache. Er gab ihm indessen keine Antwort. Darauf verschwand der Hahn mit dem Reiter. Nach einiger Zeit erschien wieder ein Unbekannter, der auf einer grossen Schnecke ritt. Auch ihm gab der Schatzgräber keinen Bescheid. Da rief der Schneckenreiter aus: "Nun denn, wenn du nichts sagst, so reit ich weiter; ich werde den andern auf seinem Hahn bald eingeholt haben." Da musste der Schatzgräber lachen. "Du dummer Teufel", rief er aus, "der du dir einbildest, mit deinem Schneckentier den Gockelreiter einholen zu können." Kaum waren ihm die Worte entfahren, war auch schon die beinahe gehobene Kiste mit Gepolter in der Tiefe verschwunden. [S.64]


Der Schatz im Schlossbrunnen
[Ettingen (am Blauen) mit Schloss Fürstenstein - im verlassenen Schlossbrunnen soll ein Schatz vergraben sein - eine Frau erstickt]

Auf Fürstenstein sieht man heute noch ein tiefes, rundes Loch. Es soll der ausgetrocknete Schlossbrunnen sein. Zu verschiedenen Malen versuchte man den Schatz, der nach der Sage darin vergraben sein soll, zu heben. Auch eine Frau, das "Guggerli" genannt, habe es versucht; sie sei aber im Loch drunten erstickt und habe so ihre Geldgier mit dem Tode gebüsst. [S.64]


Der ausgeschlagene Schatz
[Waldenburgertal und Zunzgerberg - in einer Ruine macht der Teufel ein Angebot: Ein Goldschatz gegen die Unterschrift mit dem eigenen Blut]

Als die neuzeitlichen Verkehrsmittel noch nicht bekannt waren, benützten die Leute aus dem Waldenburgertal, die in Sissach zu tun hatten, oft den Weg über den Zunzgerberg. Nun geschah es einmal, dass ein solcher Fussgänger sich auf dem Rückwege verirrte und beim Einnachten immer tiefer in den Wald hinein geriet. Auf einmal stand er vor einer Ruine, die er ohne Furcht betrat. Zu seinem Erstaunen sah er sich in einem grossen Saal, in dessen Mitte ein Tisch stand, an welchem einige Männer eifrig schrieben. Gleichzeitig kam noch ein weiterer Mann herein, der eine Hutte [Obstkübel] am Rücken trug. Diese stellte er ab und schüttete den Inhalt, lauter Goldstücke, auf den Boden. Er forderte nun den Wanderer auf, seine Unterschrift mit eigenem Blute zu geben, dann sei alles Gold sein Eigentum. Letzterer traute der Sache nur halb und als er gewahrte, dass der Mann mit der Hutte Ziegenfüsse besass, merkte er, dass er es mit dem Bösen [mit dem Teufel] zu tun hatte. Standhaft verweigerte er nun seine Unterschrift. Sogleich verlor er die Besinnung und fand sich, als er wieder erwachte, auf einer hochgelegenen Weide, die er bald als die Waldenburger Waldweide erkannte. Wie er dort hinauf gelangt war, konnte er aber nie erklären. [S.66]


Kirschsteine werden zu Goldstücken
[Eptingen (am Hauenstein an der Autobahn): Ruine Witwald]

An einem warmen Sommertag spazierte eine Magd vom Hofgut Witwald auf die Ruine Witwald, um hier zu stricken. Da lag auf einer Mauer ein Häuflein Kirschsteine an der Sonne ausgebreitet. Sie nahm ein paar davon in ihre Tasche. Als sie wieder daheim war, bemerkte [S.66] sie, dass sich ihre Kirschsteine in lauter Goldstücke verwandelt hatten. Rasch eilte sie wieder zur Ruine zurück, um auch die andern zu holen. Aber da waren alle verschwunden, und mit leeren Taschen musste sie nach Hause gehen. [S.67]


Die arige Mushüfe
[Bretzwil (bei Reigoldswil) mit der Ruine Ramstein: Auf der Weide "Galm" sind Maushaufen in Scheiben, die zu Gold werden]

Zwe Brätzbeler Bürger sy mitenander ufs Galm, in der Nöchi vom Ramschte [Ramstein]. Uf ere Matte hei si gspässigi Mushüfe gseh. Der Grund isch nit gsi wie süscht; die Hüfe hei ganz us runde Schyble bstande. So öppis heige si jetz noh nie gseh, hei si zäme gseit und hei die Húfe noh e Rüngli agluegt. Ein het e Hamplfe [eine Hand voll] vo dene Schyble in d'Chütteltäsche [Provianttasche?] to; er well se doch deheim au zeige. Wo-n-er deheim in d'Chütteltäsche längt, isch er verschrocke; die Schybli sy ganz hert und schwer gsi. Er nimmt se vüre und luegt se-n-a; es sy jetz alles glänzigi nygelnagelneui Guldstück [Goldstücke] gsi. Gschwind goht er's im andere go säge; bed renne mitenand, was gisch wa hesch wieder ufs Galm ufe, für die Schybli alli hei z'neh. Wo sie ufe cho sy, het's aber numme no ganz gwöhnligi Mushüfe gha. [S.67]


Verscherztes Glück
[Bennwil (Region Waldenburg): Ein Geist will alle 100 Jahre erlöst werden]

Ein alter Schärmauser in Bennwil hätte der reichste Mann werden können, wenn er im kritischen Augenblick das rechte Wort gewusst hätte. Hört nur:

Einmal stellte er seine Fallen am Fusse des Rehhags. Da erschien plötzlich eine überlebensgrosse Gestalt, kam auf ihn zu und fragte, was er tue. Erschreckt stierte der Mäusejäger die geisterhafte Gestalt an und wusste auf [S.67] deren Gruss nichts zu erwidern. Er hätte sagen sollen: "Alle guten Geister loben [den Fantasie]-Gott, den [Fantasie]-Herrn." Das wusste er aber nicht und schwieg. Der Geist blickte ihn furchtbar an und sprach: "Oh, weisst du den Spruch nicht! Ich hätte dir einen grossen Schatz gezeigt. Jetzt muss ich wieder 100 Jahre lang warten, bis ich wieder jemandem erscheinen darf und - vielleicht erlöst  werden kann." Darauf sah er ihn noch ein paar mal an und verschwand mit traurigem Blick in der Richtung gegen den Rehhag. [S.68]


Der Millionenschneider
[Läufelfingen (am Hauenstein): Jesus-Fantasie-Kapuziner sind auch Teufel: Wünsch dir was mit deinem Namen aus Blut und 3 Kreisen rund rum - und dann kam Goldstroh im Wert von 99 Millionen]

In Läufelfingen trug ein Schneider den Spottnamen "Millionenschneider" oder "99 Millionenschneider". Dazu soll er auf folgende Weise gekommen sein:

Ein ausgejagter [?] [Jesus-Fantasie]-Kapuziner habe ihm angeraten, mit seinem eigenen Blut seinen Namen auf ein Blatt zu schreiben. Dieses Blatt solle er auf einem bestimmten [Jesus-Fantasie]-Kreuzweg auf den Boden legen und darum herum drei Kreise ziehen, immer einer grösser als der vorhergehende, keiner den andern berührend. Dort könne er wünschen, was er wolle.

Der Schneider tat, wie ihm geraten worden war. Er stellte sich in den innersten Kreis, legte das Papierblatt auf den Boden und hütete sich peinlich, den Kreisrand zu übertreten. Alsdann wünschte er sich 99 Millionen. Er bekam sie aber nicht. Jedoch vernahm er ein gewaltiges Rauschen wie von Wasserwellen. Unter grossem Getöse kamen goldene Strohwellen den Berg herunter. Vor Schreck trat der Schneider aus dem Ring [S.68]. Da war sein Zettel verschwunden. Nun plagte den guten Schneider die Angst um sein Seelenheil. Er pochte an die Pforte eines [Jesus-Fantasie]-Kapuzinerklosters, wurde aber zuerst abgewiesen. Erst als die [Jesus-Fantasie]-Kapuziner von dem geängstigten Manne hörten, dass es ein [Jesus-Fantasie]-Kapuziner gewesen war, der das Schneiderlein in diese Seelennot und Höllenqual gebracht hatte, nahmen sie sich seiner an. Sie führten ihn in die [Jesus-Fantasie]-Klosterkirche und beteten inbrünstig. Endlich, nachdem sie lange um die Seele des Schneiders gerungen hatten, erschien unter dem Fenster ein Vogel, setzte sich auf den Fenstersims und liess den Zettel mit des Schneiders Unterschrift hereinfallen. [S.69]


Der goldene Pflug
[Oberdorf (bei Waldenburg): An Jesus-Fantasie-Weihnachten sollen 2 Pferde einen goldenen Pflug ziehen]

Am heiligen [Jesus-Fantasie]-Abend soll in der Nähe der [Jesus-Fantasie]-Kirche St. Peter bei Oberdorf ein goldener Pflug zu sehen sein, der von zwei Pferden durch einen Acker gezogen werde. Einen Pflüger gewahre man nicht, es sei nur ein tolles Gjeuk und Gspräng" vernehmbar, so dass es noch niemand gewagt habe, sich zu nähern, um des kostbaren Gerätes habhaft zu werden. [S.69]


Der Schatz im Lankgraben
[Bretzwil (Region Reigoldswil): Eine Frau will alle 10 Jahre erlöst werden - mit einer Geldkiste mit dem Teufel drauf]

Der Bretzwiler Bote wurde auf seinem nächtlichen Heimwege im Lankgraben von einer unbekannten Frau angehalten. Sie fragte ihn, ob er sich fürchte. Er verneinte. Da forderte sie ihn auf, er solle dem Bächlein nach in die Schlucht hineingehen. Dort werde er eine Geldkiste finden. Er werde zwar grausige Dinge sehen, aber man könne ihn nichts anhaben. Er solle die Kiste [S.69] zum Fuhrwerk bringen, sie wolle ihm unterdessen die Pferde halten.

Der Bote begab sich von der Landstrasse an den ihm bezeichneten Ort. Unterwegs sah er mehrere schreckenerregende Tiergestalten. In der Schlucht hinten war etwas Helles zu sehen, eben die beschriebene Geldkiste. Darauf aber sass ein Teufel, der ihn zähnefletschend anknurrte. Das war für den Mann zuviel. Er liess die Kiste stehen und kehrte unverrichteter Dinge zum Fuhrwerk zurück. Als die Frau dies sah, fing sie herzerweichend zu weinen an. Nun müsse sie zehn weitere Jahre büssen, bis sie wieder jemand um Erlösung angehen dürfe, jammerte sie und verschwand. [S.70]


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Quellen


Fotoquellen


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