8. Von
Zwergen
Hilfreiche Zwerge: Die Erdwybli im Marmilchloch
[Region Gelterkinden mit den hilfreichen Erdweibchen mit
Entenfüssen: Eine Höhle in der Thürner Fluh - angeblicher
Tunnel bis Gelterkinden]
Landauf, landab kennen die Buben - und teilweise auch die
Mädchen - das Erdwybli- oder Marmilchloch, eine Höhle in
der Thürner Fluh. Sie wissen, dass in der engen Klamm vor
Zeiten Erdwybli hausten, kleine, freundliche Wesen, die
gegen die Menschen hilfreich waren. Kecke Burschen wagen
sich nicht selten in die ehemalige Wohnung des heimlichen
Volkes hinein. Durch einen schrägen Gang gelangen sie
zunächst in die "Küche", die sie an dem "Herd", einem
runden, senkrechten Loch im Felsen, erkennen. Von hier aus
steigen sie noch in die "Stube", einen hohen, domartigen
Raum, empor oder kriechen unter der "Speckseite" hindurch
in den hintersten Teil der Höhle. Es heisst, dass ein Gang
bis nach Gelterkinden oder noch weiter führe. Doch ist
dies nicht sicher; denn niemand kann sich erinnern, diesen
unterirdischen Weg gegangen zu sein.
Die Erdwybli waren nicht besonders scheu. Am hellichten
Tage gingen sie unter die Menschen und arbeiteten für sie.
Nur in Bezug auf ihre Füsse waren sie merkwürdig
schamhaft. Immer hatten sie dieselben mit Lappen umhüllt
oder hielten sie unter ihren langen Röcken verborgen.
Einmal arbeiteten sie in der Gelterkinder Mühle. Die
Müllerin, ein sehr neugieriges Weib, beschloss, das
Geheimnis ihrer Füsse zu lüften. Sie streute deshalb Mehl
auf eine Treppe, wo die Erdwybli [S.79] hinaufsteigen
mussten. In kurzer Zeit entdeckte sie denn auch überall
weisse Fussabdrücke. Diese verrieten ihr, dass die
Zwergweibchen - Entenfüsse hatten. Die kleinen Geister
hatten aber die List der Müllersfrau wohl gemerkt und
kamen nicht wieder, ja, sie verschwanden ganz aus unserer
Gegend.
Nach einer anderen Überlieferung hat die böse Müllerin
rings um das Haus überall heisse Asche gestreut. Darin
verbrannten sich die Zwerglein ihre nackten Füsslein; denn
sie trugen keine Schuhe. [S.80]
Hilfreiche Zwerge: Die vertriebenen Herdmännlein
[Buus und Maisprach (Region Rheinfelden): Die hilfreichen
Zwerge auf den Bauernhöfen]
Im Juch und auf Binzholde [Binzhof] bei Buus wohnten
Herdmännlein und -weiblein. Sie halfen allerorts den Leuten
bei der Arbeit, in Buus wie in Maisprach. Hier, in der Mühle
fütterten sie oft das Vieh. Es konnte geschehen, dass die
Kühe schon am Fressen waren, wenn der Müllerknecht in den
Stall kam um zu füttern. Am Samstagabend halfen die
Herdweiblein in der Mühle in Maisprach spinnen. Sie pflegten
dann in der Hugeholde [im Hugehof] zu übernachten, wo sie
ein Lager hatten.
Einmal gingen sie in Buus in ein Haus, wo man gebacken
hatte. Sie erhielten aber keine Wähe. Das "vertäubte" sie
dermassen [machte sie wütend], dass sie im Zorn das Haus
verliessen und nie wieder erschienen. [S.80]
Hilfreiche Zwerge: Die Erdweiblein in Gelterkinden
[Der Bettenberg bei Seewen, wo hilfreiche Zwerge wohnen -
sie haben Entenfüsse]
Im Bettenberg hausten in alten Zeiten Erdweiblein. Sie taten
den Leuten viel Gutes und Liebes, mähten ihnen die Matten
und pflegten Kranke. In der untern Mühle pflegten sie Mehl
zu holen. Sie gingen immer einher [S.80] in langen Röcken.
Da stach der Wunderfitz die Müllerin. Als sie wieder einmal
für die Kleinen Mehl bereit gestellt hatte, streute sie auch
noch solches auf den Fussboden ringsum, um darin die
Fussspuren der Zwergweiblein zu entdecken. Am nächsten
Morgen konnte sie darin unschwer Gänsefüsschenabdrücke
erkennen. Die Erdweiblein erschienen aber nie, nie wieder.
[S.81]
Hilfreiche Zwerge: Die Härdwybli bei Waldenburg und bei
Bennwil
[Bennwil (Region Waldenburg): Zwerge in der Höhle
"Härdwybliloch"]
Der "Werstelhaas", ein alter Waldenburger, sah früher die
Härdwybli in ihren weissen, langen Hemdlein "difig" das
"grienige Los" (Holzschleife) gegen die Richtifluh hinauf
klettern, worauf sie in einer Felsspalte, dem Härdwybliloch,
verschwanden.
In Bennwil wird eine Höhle an der Harzfluh "Härdwyblistube"
genannt und eine kaminartige Vertiefung ausserhalb derselben
als Küche bezeichnet. Die dort wohnenden Härdwybli sollen
den Bennwilern viele Arbeiten abgenommen haben, ohne dafür
Entgelt zu verlangen. [S.81]
Hilfreiche Zwerge: Die Zwerge im Männlisloch
[Hersberg (neben Liestal) mit Zwergenhöle - wenn ein Acker
über Nacht gepflügt wurde]
Beim Rank [an der Kurve] an der Arisdörferstrasse, im
Gemeindebann Hersberg, war früher das Männlisloch. Es
besteht heute nicht mehr. Aber die Flurnamen Lochmatt und
Lochmattrütti kennt man heute noch. Alte Leute erinnern
sich, in ihrer Jugendzeit das Loch aufgesucht zu haben. Mit
leichtem Gruseln hörten sie da, wie hinabgeworfene Steine
vielmal aufschlugen, bis der Schall tief unten verhallte.
[S.81]
In dieser Höhle sollen vor Zeiten hilfsbereite Zwerglein
gewohnt haben. Wenn jemand seinen Pflug auf dem Acker stehen
liess, weil er mit dem Pflügen vor Einbruch der Nacht nicht
fertig geworden war, so fand er am andern Morgen den ganzen
Acker fertig gepflügt. Ja, zu seiner Überraschung hing erst
noch eine schmackhafte Wähe an den Pfluggeizen
(Handgriffen).
Wie anderswo, sind auch hier die Zwerglein durch gwundrige
[neugierige] Leute vertrieben worden. [S.82]
Hilfreiche Elfen: Die Zwerge im Helfenberg
[Langenbruck mit der Sommerweide am Helfenberg - und die
Elfen betreuten das Weidevieh]
Der südliche Abhang des Helfenberges trägt heute magere
Rüttenen. das war nicht immer so. Vor Zeiten war dieses
Gelände eine ertragreiche Gemeindeweide des Dorfes
Langenbruck. Jeder Bürger konnte dort während des Sommers
sein Grossvieh zur Weide treiben. Immer kamen die Tiere
wohlgenährt, gesund und ohne Unfall wieder nach Hause. Dies
verdankte man kleinen Zwerglein, sogenannten Elfen, die in
den Flühen des Helfenberges hausten und das Weidevieh
betreuten. Als bescheidene Gegenleistung nahmen sich die
kleinen Leute etwas Milch aus den strotzenden Eutern der
Weidetiere. So ging alles gut, bis eines Tages ein Mann aus
Neugier den Zwerglein nachschlich, um ihre Wohnung zu
erkunden. Doch sie gewahrten den Aufpasser bald, flohen
entsetzt und verliessen die Gegend für immer. Auf der Weide
kehrte Unglück ein, auch der Ertrag an Milch ging stark
zurück und schliesslich musste der Weidebetrieb eingestellt
werden. Die Gemeinde parzellierte das Land am Helfenberg und
überliess die Teile den Bürgern zur Pacht. [S.82]
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