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Sagen der Schweiz: Kanton Basel-Land

11. Geister in Tiergestalt

Geisterpferd (Oberwil) - Geisterkühe (Bretzwil) - ein Ziegenbock überlebt jeden Schuss (Ettingen) - Geisterschafe kommen um Mitternacht zum Trinken (Giebenach) - eine megagrosse Ziege (Liedertswil) - Schweinchen wird ein Mann (Bretzwil) - Schwein mit Ferkeln, 12 kleine Schweinchen, verlorene Geister von Kriminellen (Reigoldswil) - geiziger Vater wird nach dem Tod zum Weltenhund (Bretzwil) - schwarzer Hund verfolgt einen Tannendieb (Oberdorf) - ein Landhund warnt (Zunzgen) - Geisterhund platscht im Bachbett herum (Ergolztal) - Geisterhund mit feurigen Augen überlebt jeden Schuss (Füllinsdorf) - grosser Hund platscht im Bachbett aufwärts (Reigoldswil) - Schlosshund mit feurigen Augen (Region Läufelfingen?) - Hündlein kläfft vor Wetterwechsel (Bubendorf) - megagrosse Katze verkündet Regen (Seewen-Bretzwil) - Kägentier an der Birs (Reihnach-Aesch) - Nebbengrabentier quakt+plätschert (Ettingen-Hofstetten) - Lucherntier klaut laute Kinder in der Nacht (Wintersingen) - Kellerlochschlange mit Füssen (Buus-Zunzgen)

präsentiert von Michael Palomino (2023)

aus: Sagen aus Baselland. Lehrerverein Baselland - bearbeitet von Gustav Müller und Dr. Paul Suter - Verlag Landschäftler AG, Liestal 1938
(ohne Laufental, das kam erst 1994 zum Kanton Basel-Land).

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11. Geister in Tiergestalt

Pferd und Kuh

Das Geisterpferd
[Von Oberwil nach Benken und ein komisches Pferd]

Am Entenweiher beim Birsig in Oberwil sah man oft ein schönes Pferd. Bald war es zahm und zutraulich, bald aber wild und menschenscheu. Als einmal ein Bauer von Therwil her dort vorbeikam, legte sich das Pferd hin, und der Bauer setzte sich darauf. Es eilte mit ihm davon und warf ihn in einem Sumpf in der Nähe ab. Der Bauer spürte eine seltene Müdigkeit und wandte sich langsam Benken zu. Im Walde traf er das Pferd wieder. Es lachte ihm von weitem zu, kam näher, legte sich nieder und liess ihn wieder aufsteigen. In sanftem Trab trug es ihn vor sein Haus und machte sich dann davon. [S.100]


Geischter-Chüeh
[Bretzwil (neben Reigoldswil): 2 Kühe gehen aufeinander los, aber Lärm gibt es keinen]

E Frau vo Brätzbel [Bretzwil] verzellt: Z'nacht, bim e Gwitter sy mer emol us em Dorf hei in d'Sage. Unde-n-im Dorf, im [Bauernhof] Bammet, näbe der Landstross ha-n-i bi jedim Wätterleichne [Wetterumschwung?] zwo Chüe gseh wie bsässe uf enander renne, und doch het me nüt gkört. I ha mi vor Angscht ganz an my Ma drückt. Dä het mi bschwichtiget: "Tue doch nit eso; i ha das scho mehr as einisch gseh." [S.100]


Ziegen / Geissen und Schafe

Der gespensterhafte Ziegenbock
[Ettingen: Ein Ziegenbock überlebt jeden Schuss]

Man erzählt sich im Dorfe Ettingen: Zur Zeit der französischen Revolution war unterhalb des zerfallenen Schlosses Fürstenstein ein Wachtposten aufgestellt, um [S.100] den Bürgern aus Ettingen den Besuch des [Jesus-Fantasie]-Gottesdienstes in Hofstetten zu verwehren. Diesem Posten präsentierte sich oft ein sonderbarer Ziegenbock. Umsonst versuchte der Soldat, das Tier zu erlegen, es war anscheinend kugelfest. Indessen war ihm am Ende doch das viele Schiessen zuwider, und es verschwand zuletzt. [S.101]


Die Geisterschafe
[Giebenach (Region Augst): Schafe kommen plötzlich um Mitternacht aus dem Walde und trinken am Brunnen]

In Giebenach steht an der Landstrasse neben einem Bauernhaus ein Dorfbrunnen. Oft kommt nachts um zwölf Uhr eine grosse Schar Schafe hinten vom Walde her. Es sind grosse und kleine, die sich da zum Brunnen drängen und Wasser trinken. Nachher kehren sie wieder um und verschwinden in diesem Augenblicke. [S.101]

[S'Däntschesäuli: siehe weiter unten]

Die geheimnisvolle Ziege
[Liedertswil (zwischen Reigoldswil und Waldenburg): Eine megagrosse Ziege springt vorbei]

Gegen Mitternacht kehrte ein kräftiger und kluger Liedertswiler vom vordern Frenkental heim. Er war guter Dinge und rauchte seinen Stumpen. Als er dem Eichhübel zuschritt, trat der Mond aus dem unruhigen Gewölk hervor, und da erschrak unser grosser Heinrich ganz gehörig. Was sah er? Eine mächtige Ziege, wie sie im ganzen Dörflein keiner besass, stand rechts oben auf dem Strassenbord und sprang mit einem gewaltigen Satz dicht an Heinrich vorbei über das Strässchen hinweg auf den untern Hang und lief zum Weigischbächlein hinab, wo sie in der Richtung des Ludiwaldes verschwand. Heini blieb lange wie verdonnert stehen und konnte sich die Erscheinung gar nicht erklären. "Ich bin keineswegs abergläubisch," sagte er, als er sein Erlebnis erzählte, "aber diese Ziege, die hab' ich mit eigenen Augen gesehen und da gibt es nichts zu deuteln und zu zweifeln."

Man fragte ihn, ob er die Farbe der Ziege noch im Gedächtnis habe. "Sie war weiss und schwarz gefleckt." Ob sie Hörner gehabt, wusste er nicht. Heinrich glaubte im übrigen keineswegs an Spuk und war ein aufgeklärter Mann. Daher mass er der Erscheinung auch keine Bedeutung bei. [S.102]


Schweine

S'Däntschesäuli
[Bretzwil (neben Reigoldswil): Ein Schweinchen wird zu einem Mann - da machen die Buben keine Streiche mehr in der Nacht]

In früechre Zyte hei d'Ramschteritter [Ritter von Ramstein] hinderim Dorf Brätzbel [Bretzwil] in der Däntsche e Fischweiher gha; me gseht hüte noh, wo der Damm dure gange-n-isch. Me heig lang noche z'nacht noh Lüt in oltmödische Trachte gseh ummelaufe.

Eusere paar Kamerade sy emol z'obe hinderim Dorf dur d'Däntsche dure; mer hei gluegt, öb me neume [irgendwo] chönnt e Nachtbuebestreich usfüehre. Do hei mer gseh ne Säuli ummespringe. Mer säge, das syg öpperim furt und luege's gege d'Hüser abe z'trybe. Bim e Schopf isch das Säuli aber dur e Latteverschlag gsprunge, mer hei nit gwüsst wie. Und wie's dinne gsi isch, isch's undereinisch [plötzlich] zum e Ma worde. Mer sy alli zäme ins Dorf gsprunge; d'Nachtbuebestreich sy-n-is vergange; jede het si [sich] still hei ins Bett drückt. [S.101]


Die sagenhaften Schweine
[Reigoldswil: Ein grosses Schwein mit einigen Ferkeln - 12 kleine Schweinchen [runde Zahl: das Dutzend] - das sollen verlorene Geister von Kriminellen sein]

In der Nähe des Gasthauses zur Sonne in Reigoldswil soll zu gewissen Zeiten nachts ein grosses Schwein mit einigen Ferkeln zu sehen sein.

Desgleichen wurden in der Nähe des Konsumladens, wo ein schmaler Durchgang, das "Chläppergässli", in den [S.102] Rüschel führt, zwölf kleine Schweinchen beobachtet, die durch das genannte finstere Gässlein trippelten und dann unversehens verschwanden.

Es wird behauptet, längst verstorbene Menschen müssten in dieser Tiergestalt die Untaten büssen, die sie zu Lebzeiten begangen hatten. [S.104]


Bestrafter Geiz
[Waldenburg: Eine geizige Frau muss nach dem Tod als Schwein herumlaufen]

Im Gasthaus zum Schlüssel in Waldenburg soll einmal eine Magd gedient haben, die furchtbar geizig war. Übrig gebliebene Speisen, die für Bedürftige aufgespart wurden, warf sie kurzerhand den Schweinen vor und gönnte auch sonst den Armen nicht das Geringste. Nach ihrem Tode wurde nachts in der Umgebung des Gasthauses ein grosses Schwein gesehen, das ein Bündel Schlüssel am Halse trug, die ordentlich klirrten. Bald nachher soll ein schreckliches Unwetter losgebrochen sein. Beides, Erscheinung und darauffolgende Wetteränderung, soll sich seither mehrmals wiederholt haben. [S.104]


Hunde

Der Wälthund
[Bretzwil: Ein reicher Vater verstösst den Sohn - der verarmte Sohn bekommt nur Brosamen und verflucht den Vater, der nach dem Tod als Weltenhund herumirrt]

Wie die olte Lüt albe [immer wieder mal] verzellt hei, het me früecher z'Brätzbel [Bretzwil] e-n-übernatürlig grosse Hund gseh, der Wälthund hei s'ihm gseit. Eimol syg er vom Usserländli durab cho, s'andermol vom Niederländli duruf; gwöhnlig heig er dernoh der Wäg d'Chilchgass uf ygschlage. Mängisch heig me-n-ihn au numme gkört der Bach uf [S.104] und der Bach ab watschle. Die Lüt wo-n-ihn gseh hei, heige gseit, er glych im e [einem] Hund und glych im e Chalb.

Wie's heisst, heig emol e Schnyder sy Suhn [Sohn], e Tuenitguet, furt gjagt. Spöter syg der Suhn in Not und Eländ yne cho; er heig müese hungere und in Schöpfe und im Freie übernachte. Dernoh heig er im Vatter hei gschribe, er sell ihm doch Gäld schicke. Der Vatter heig ihm aber numme-n-e Hälsig [einen kleinen Betrag von einem steinernen Herz] gschickt. Dernoh heig der Suhn im Vatter agweuscht, er sell, wenn er gstorbe syg, müese umme-n-irre, wie er jetz und er sell für alli Zyte kei Ruehi meh ha. Und sithär ass dä Vatter gstorbe-n-isch, mües der Wälthund umme goh. [S.105]


Vom Welthund
[Oberdorf (neben Waldenburg): Ein Mann klaut junge Tannen als Bohnenstecken - nach dem Klau wird er von einem schwarzen Hund verfolgt - und dann regnet es fast 3 Wochen lang]

Eine alte Frau aus Oberdorf erzählte: Mein Vater wohnte in seinen jungen Jahren in der hintern Gasse. Damals nahm man es mit dem Waldfrevel nicht so genau, und der junge Mann wusste, wo die schlanksten Tännchen, d.h. die schönsten Bohnenstecken wuchsen. Darum bekam er vom Badwirt den Auftrag, eine rechte Bürde glatter Bohnenstecken zu hauen. Um aber kein Aufsehen zu erregen, sollten sie in einer dunkeln Nacht in die Badscheune gebracht werden. Wie abgemacht, so ausgeführt.

Es mochte um zwölf Uhr sein, als mein Vater still von der Badbrücke die Strasse hinab nach Hause gehen wollte. Nach ein paar Schritten war es ihm, als folge jemand; und als er sich umsah, lief lautlos hinter ihm ein grosser, schwarzer Hund. Welche Angst er ausstand! Wusste er doch sofort, dass das der Welthund war. [S.105]

Zitternd erreichte er die strassabwärts nahe gelegenen Schwarzhäuser, wo Verwandte wohnten. Glücklicherweise war noch eine Türe offen, und er schlüpfte in den dunkeln Gang. Etwas nach Mitternacht fuhr damals noch die grosse Baslerpost, von Langenbruck herkommend, durch Oberdorf. Mein Vater benutzte die Gelegenheit; als er sie kommen hörte, verliess er den Gang und sprang hinten auf das Trittbrett des Postwagens. Schon glaubte er, dem Ungeheuer entronnen zu sein; denn er gewahrte es während der Fahrt durchs Dorf nicht mehr. Aber o weh, als er bei der Schmiede vom Trittbrett sprang, um durch das finstere Schmidtengässlein in das elterliche Haus zu gelangen, war der fürchterliche Hund wieder da und blieb ihm auf den Fersen bis zur Haustüre.

Keines Wortes mächtig und zitternd am ganzen Leibe begab sich der junge Mann in seine Kammer. Mit ganz zerschlagenen Gliedern erhob er sich am nächsten Morgen, getraute sich aber nicht, etwas von seinem nächtlichen Abenteuer zu sagen. Erst als es darauf fast drei Wochen lang ununterbrochen regnete, gab er sein Geheimnis preis. [S.106]


Der Dorfbrüeli und der Landhund
[Zunzgen (neben Sissach an der Autobahn): Der Landhund "Dorfbrüeli" warnt vor schlimmen Ereignissen]

Wenn man in Zunzgen den Dorfbrüeli, ein Lebewesen, das weder Hund noch Mensch ist, hört, gibt es Regen.

Der Landhund kommt aus weiter Entfernung, um etwas anzuzeigen: Krieg, Pestilenz und andere schlimme Ereignisse. Man wagte nicht, laut von ihm zu reden und erwähnte ihn nur im Flüstertone [S.106].


Der Bachpfattli
[Ergolztal (Liestal-Sissach-Gelterkinden) mit einem Geisterhund - Bennwil und Hemmiken mit Geisterhunden, die im Bach laufen]

Aus dem Ergolztal herauf nähert sich manchmal ein grosser Hund den ersten Häusern des Dorfes Oltingen, Bachpfattli geheissen. Wer ihn sah, bekam einen geschwollenen Kopf "as wie-n-es Viertel" (Kornmass).

In Bennwil [neben Waldenburg] kam ein gleich benanntes Tier von der Grösse eines Rindes vom Rehhag her und trottete den Walibach herunter. Von weither konnte man das unheimliche Platschen hören. Zuweilen soll der Bachpfattli auch seinen Weg durchs Diegtertal genommen haben.

Auch Hemmiken [Region Gelterkinden] kennt seinen Bachpfattli. Wer in der Geisterstunde am Bache beim Grauenstein vorbeigehe, sehe ihn und werde von ihm ins Wasser gezogen.

Einmal hörte auch ein heimkehrender Ormalinger [Ormalingen neben Gelterkinden] das Plätschern des vermeintlichen Untiers. Ohne Furcht näherte er sich mit einem Lichte, um der Sache auf den Grund zu gehen. Was sah er da? Ein Zweiglein eines niederhängenden Strauches, das vom Wasser mitgerissen wurde und wieder zurückschnellte, verursachte diesen Lärm. Hier war es nichts mit dem gefürchteten Bachpfattli. [S.107]


Der Brüschhund
[Füllinsdorf (neben Liestal): Ein grosser Hund mit feurigen Augen zieht eine Kette - er überlebt jeden Schuss, kommt und verschwindet, wie er will]

In Füllinsdorf wurde früher im "Brüsch", dem Bachgraben, ein grosser, schwarzer Hund mit feurigen Augen gesehen. Einzelne wollen gar eine gewaltige Kette gewahrt haben, die das Tier klirrend hinter sich her schleppte.

Vor hundert und mehr Jahren sah man den Brüschhund vom Dorf bis zur Kreuzstrasse auf das linke Ergolzufer [S.107] hinüberwechseln. Damals versuchte ein bekannter Jäger vergeblich, auf den Hund zu schiessen; auch gelang es jungen Burschen, die ihn näher beobachten wollten, nie, ihn zu stellen. Er verschwand immer spurlos, wie er gekommen war und seinem Erscheinen folgte nach ein paar Tagen immer Regenwetter. [S.108]


Der Rybihund
[Reigoldswil: Ein grosser, schwarzer Hund trappelt im Bach aufwärts und kündet Wetterwechsel an - und noch ein Hund beim Emlisbächlein]

Bei der mittleren Säge zu Reigoldswil war früher auch eine Flachsreibe. Vor Wetteränderungen sehen die Umwohner oft nachts einen grossen schwarzen Hund aus dem Kett (d.i. der Raum, in welchem sich das Wasserrad befindet) kommen. Er läuft den Bach hinauf und trifft einen weitern Hund, der bei der Mündung des Emlisbächleins hervorkommt. Während die beiden Untiere miteinander aufwärts trotten, werden sie immer grösser. Schliesslich kehren sie wieder um, wobei der Hund aus dem Emlis bachabwärts, der andere gegen den Emlis verschwindet. [S.108]


Der Schlosshund
[Ruine Homburg (Region Läufelfingen?) - da soll ein Hund mit feurigen Augen sein]

Aus den Fensterlöchern der Ruine Homburg blickt manchmal ein Hund mit feurigen Augen. Gewöhnlich ändert nachher das Wetter [S.108]


Das Murenberghündlein
[Bubendorf (zwischen Liestal und Reigoldswil): Ein Hündlein am Murenberg verkündet kläffend immer Wetterwechsel]

Den Bubendörfer Murenberg umschwebt die Sage vom Murenberghündlein, das sich namentlich bei Wetteränderungen zeigt und ein helles Gekläff hören lässt [S.108].

Sein Weg führe von der Dachsmatt durch das Häuli (ein Gehölz), von da gegen die Rappenweide. Einige lassen es von da bald verschwinden, während andere behaupten, es laufe bis zum alten Schloss (Gutenfels). Ein alter Mann erzählte, es sei dort neben ihm hergeeilt. Gesehen hätte er es nicht, aber sehr deutlich gehört. Darauf habe es sehr unfreundliches Wetter gegeben. [S.109]


Katzen

Die grossi Chatz
[Zwischen Seewen und Bretzwil verkündet eine megagrosse Katze immer wieder Regen]

Der Heggedannehans und i [ich] sy emol z'nacht vo Seebe [Seewen] hei zue, go Brätzbel [Bretzwil]. Uf em steinige Wehrgländer vo der Strickbrugg hei mer e-n-übernatürlig grossi Chatz gseh hocke; si het si nit verrüehrt und is [uns] numme mit de glüehige Auge-n-abolet. Do ha-n-i im Spass zum Hans gseit: "Das isch e schöns Büsi; was meinsch, wei mer's ächt hei neh?" Der Hans het mer mit der Fuscht e Stopf in d'Rippi ge: "Wit ächt still sy!" Mer hei numme noh-n-e ganz churzi Strecki chönne goh, dernoh hets afo schütte was obenabe het möge. Jetz fot der Hans ir afo Vorwürf mache: "Nei, eso öppis z'säge", me gseih jo die Chatz scho mäng Johr und jedesmol chömm's drüber abe cho usleere. [S.109]


Einmalige Tiergestalten

Das Kägentier
[Der Kägenwald zwischen Reinach (BL) und Aesch (BL): Das Kägentier an der Birs]

Zwischen Reinach und Aesch dehnte sich früher ein grosser Wald aus, der bis an die Birs reihte. Man nannte ihn den Kägenwald. Darin hauste ein sonderbares Tier, das Kägentier. Es soll feurige Augen und nach manchen Aussagen auch Flossen gehabt haben. Bei schönem Wetter hielt es sich an der Birs, bei Unwetter meist im Kägenwalde auf. Manchmal legte es sich auf den Weg und liess die Leute nicht durchgehen. - Noch heute warnen die Mütter ihre Kinder, wenn sie ins Holz gehen: "Gebt acht, dass euch das Kägentier nicht frisst!" [S.110]


Das Nebbengrabentier
[Zwischen Ettingen und Hofstetten: quakt und plätschert das Nebbengrabentier in der Nacht am Nebengrabenweg]

In der Nähe des Dorfes Ettingen hauste einst das Nebbengrabentier. Es hielt sich in einem Graben an der Strasse gegen Hofstetten auf. Nachts liess es ein schauriges Quaken hören oder plätscherte im Wasser. Es konnte verschiedene Gestalten annehmen, war bald Fuchs, bald Esel, bald Kalb oder gar Mensch. Oft verliess es seinen Graben, besonders zu mitternächtlicher Stunde und ging in der Gegend umher. Niemand getraute sich dann, den Nebbengrabenweg zu überschreiten. [S.110]


Das Lucherntier
[Wintersingen (neben Sissach): Im Wald "Luchern" wohnt das "Lucherntier" - in der Nacht werden Kinder geraubt, die nicht still sind]

Westlich der Wintersinger Höhe liegt eine seltsam zerklüftete Waldgegend, die man in Sissach "Luchern" nennt. Dort hat das Lucherntier sein Versteck. Abends schleicht sich dieses unholde Wesen ins Dorf hinunter und lauscht an allen Fenstern, ob die Buben und Mädchen [S.110] auch schlafen. Wehe, wenn es noch ein lärmendes Stimmchen hört! Mit seinen langen, haarigen Armen holt es den kleinen Unruhestifter aus dem Bettchen heraus und trägt ihn fort - es weiss kein Mensch, wohin. [S.111]


Die Kellerlochschlange
[Von Buus nach Zuzgen (Region Rheinfelden): Im Wassergraben "Kellerloch" soll eine grosse Schlange mit Füssen gewohnt haben]

Früher säumte die Strasse von Buus nach Zuzgen ein tiefer Wassergraben. Er war mit Gebüsch und Bäumen umgeben und hiess das Kellerloch. In diesem Loch soll zu Zeiten eine Schlange gehaust haben, welche die Grösse eines Bindbaumes [Achterschlinge] hatte, und Kellerlochschlange hiess.

Vor einigen Jahren ist das betreffende Bächlein abgeleitet und das Kellerloch fast ganz ausgefüllt worden. Bald wird auch der Name Kellerloch verschwunden und vergessen sein.

Eine Frau will in der Nähe des Kellerloches eine Schlange mit Füssen gesehen haben. [S.111]


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Quellen


Fotoquellen


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