11.
Geister in Tiergestalt
Pferd und Kuh
Das Geisterpferd
[Von Oberwil nach Benken und ein komisches Pferd]
Am Entenweiher beim Birsig in Oberwil sah man oft ein
schönes Pferd. Bald war es zahm und zutraulich, bald aber
wild und menschenscheu. Als einmal ein Bauer von Therwil
her dort vorbeikam, legte sich das Pferd hin, und der
Bauer setzte sich darauf. Es eilte mit ihm davon und warf
ihn in einem Sumpf in der Nähe ab. Der Bauer spürte eine
seltene Müdigkeit und wandte sich langsam Benken zu. Im
Walde traf er das Pferd wieder. Es lachte ihm von weitem
zu, kam näher, legte sich nieder und liess ihn wieder
aufsteigen. In sanftem Trab trug es ihn vor sein Haus und
machte sich dann davon. [S.100]
Geischter-Chüeh
[Bretzwil (neben Reigoldswil): 2 Kühe gehen aufeinander
los, aber Lärm gibt es keinen]
E Frau vo Brätzbel [Bretzwil] verzellt: Z'nacht, bim e
Gwitter sy mer emol us em Dorf hei in d'Sage. Unde-n-im
Dorf, im [Bauernhof] Bammet, näbe der Landstross ha-n-i bi
jedim Wätterleichne [Wetterumschwung?] zwo Chüe gseh wie
bsässe uf enander renne, und doch het me nüt gkört. I ha
mi vor Angscht ganz an my Ma drückt. Dä het mi
bschwichtiget: "Tue doch nit eso; i ha das scho mehr as
einisch gseh." [S.100]
Ziegen / Geissen und Schafe
Der gespensterhafte Ziegenbock
[Ettingen: Ein Ziegenbock überlebt jeden Schuss]
Man erzählt sich im Dorfe Ettingen: Zur Zeit der
französischen Revolution war unterhalb des zerfallenen
Schlosses Fürstenstein ein Wachtposten aufgestellt, um
[S.100] den Bürgern aus Ettingen den Besuch des
[Jesus-Fantasie]-Gottesdienstes in Hofstetten zu
verwehren. Diesem Posten präsentierte sich oft ein
sonderbarer Ziegenbock. Umsonst versuchte der Soldat, das
Tier zu erlegen, es war anscheinend kugelfest. Indessen
war ihm am Ende doch das viele Schiessen zuwider, und es
verschwand zuletzt. [S.101]
Die Geisterschafe
[Giebenach (Region Augst): Schafe kommen plötzlich um
Mitternacht aus dem Walde und trinken am Brunnen]
In Giebenach steht an der Landstrasse neben einem Bauernhaus
ein Dorfbrunnen. Oft kommt nachts um zwölf Uhr eine grosse
Schar Schafe hinten vom Walde her. Es sind grosse und
kleine, die sich da zum Brunnen drängen und Wasser trinken.
Nachher kehren sie wieder um und verschwinden in diesem
Augenblicke. [S.101]
[S'Däntschesäuli: siehe weiter unten]
Die geheimnisvolle Ziege
[Liedertswil (zwischen Reigoldswil und Waldenburg): Eine
megagrosse Ziege springt vorbei]
Gegen Mitternacht kehrte ein kräftiger und kluger
Liedertswiler vom vordern Frenkental heim. Er war guter
Dinge und rauchte seinen Stumpen. Als er dem Eichhübel
zuschritt, trat der Mond aus dem unruhigen Gewölk hervor,
und da erschrak unser grosser Heinrich ganz gehörig. Was sah
er? Eine mächtige Ziege, wie sie im ganzen Dörflein keiner
besass, stand rechts oben auf dem Strassenbord und sprang
mit einem gewaltigen Satz dicht an Heinrich vorbei über das
Strässchen hinweg auf den untern Hang und lief zum
Weigischbächlein hinab, wo sie in der Richtung des
Ludiwaldes verschwand. Heini blieb lange wie verdonnert
stehen und konnte sich die Erscheinung gar nicht erklären.
"Ich bin keineswegs abergläubisch," sagte er, als er sein
Erlebnis erzählte, "aber diese Ziege, die hab' ich mit
eigenen Augen gesehen und da gibt es nichts zu deuteln und
zu zweifeln."
Man fragte ihn, ob er die Farbe der Ziege noch im Gedächtnis
habe. "Sie war weiss und schwarz gefleckt." Ob sie Hörner
gehabt, wusste er nicht. Heinrich glaubte im übrigen
keineswegs an Spuk und war ein aufgeklärter Mann. Daher mass
er der Erscheinung auch keine Bedeutung bei. [S.102]
Schweine
S'Däntschesäuli
[Bretzwil (neben Reigoldswil): Ein Schweinchen wird zu einem
Mann - da machen die Buben keine Streiche mehr in der Nacht]
In früechre Zyte hei d'Ramschteritter [Ritter von Ramstein]
hinderim Dorf Brätzbel [Bretzwil] in der Däntsche e
Fischweiher gha; me gseht hüte noh, wo der Damm dure
gange-n-isch. Me heig lang noche z'nacht noh Lüt in
oltmödische Trachte gseh ummelaufe.
Eusere paar Kamerade sy emol z'obe hinderim Dorf dur
d'Däntsche dure; mer hei gluegt, öb me neume [irgendwo]
chönnt e Nachtbuebestreich usfüehre. Do hei mer gseh ne
Säuli ummespringe. Mer säge, das syg öpperim furt und
luege's gege d'Hüser abe z'trybe. Bim e Schopf isch das
Säuli aber dur e Latteverschlag gsprunge, mer hei nit gwüsst
wie. Und wie's dinne gsi isch, isch's undereinisch
[plötzlich] zum e Ma worde. Mer sy alli zäme ins Dorf
gsprunge; d'Nachtbuebestreich sy-n-is vergange; jede het si
[sich] still hei ins Bett drückt. [S.101]
Die sagenhaften Schweine
[Reigoldswil: Ein grosses Schwein mit einigen Ferkeln - 12
kleine Schweinchen [runde Zahl: das Dutzend] - das sollen
verlorene Geister von Kriminellen sein]
In der Nähe des Gasthauses zur Sonne in Reigoldswil soll zu
gewissen Zeiten nachts ein grosses Schwein mit einigen
Ferkeln zu sehen sein.
Desgleichen wurden in der Nähe des Konsumladens, wo ein
schmaler Durchgang, das "Chläppergässli", in den [S.102]
Rüschel führt, zwölf kleine Schweinchen beobachtet, die
durch das genannte finstere Gässlein trippelten und dann
unversehens verschwanden.
Es wird behauptet, längst verstorbene Menschen müssten in
dieser Tiergestalt die Untaten büssen, die sie zu Lebzeiten
begangen hatten. [S.104]
Bestrafter Geiz
[Waldenburg: Eine geizige Frau muss nach dem Tod als Schwein
herumlaufen]
Im Gasthaus zum Schlüssel in Waldenburg soll einmal eine
Magd gedient haben, die furchtbar geizig war. Übrig
gebliebene Speisen, die für Bedürftige aufgespart wurden,
warf sie kurzerhand den Schweinen vor und gönnte auch sonst
den Armen nicht das Geringste. Nach ihrem Tode wurde nachts
in der Umgebung des Gasthauses ein grosses Schwein gesehen,
das ein Bündel Schlüssel am Halse trug, die ordentlich
klirrten. Bald nachher soll ein schreckliches Unwetter
losgebrochen sein. Beides, Erscheinung und darauffolgende
Wetteränderung, soll sich seither mehrmals wiederholt haben.
[S.104]
Hunde
Der Wälthund
[Bretzwil: Ein reicher Vater verstösst den Sohn - der
verarmte Sohn bekommt nur Brosamen und verflucht den Vater,
der nach dem Tod als Weltenhund herumirrt]
Wie die olte Lüt albe [immer wieder mal] verzellt hei, het
me früecher z'Brätzbel [Bretzwil] e-n-übernatürlig grosse
Hund gseh, der Wälthund hei s'ihm gseit. Eimol syg er vom
Usserländli durab cho, s'andermol vom Niederländli duruf;
gwöhnlig heig er dernoh der Wäg d'Chilchgass uf ygschlage.
Mängisch heig me-n-ihn au numme gkört der Bach uf [S.104]
und der Bach ab watschle. Die Lüt wo-n-ihn gseh hei, heige
gseit, er glych im e [einem] Hund und glych im e Chalb.
Wie's heisst, heig emol e Schnyder sy Suhn [Sohn], e
Tuenitguet, furt gjagt. Spöter syg der Suhn in Not und Eländ
yne cho; er heig müese hungere und in Schöpfe und im Freie
übernachte. Dernoh heig er im Vatter hei gschribe, er sell
ihm doch Gäld schicke. Der Vatter heig ihm aber numme-n-e
Hälsig [einen kleinen Betrag von einem steinernen Herz]
gschickt. Dernoh heig der Suhn im Vatter agweuscht, er sell,
wenn er gstorbe syg, müese umme-n-irre, wie er jetz und er
sell für alli Zyte kei Ruehi meh ha. Und sithär ass dä
Vatter gstorbe-n-isch, mües der Wälthund umme goh. [S.105]
Vom Welthund
[Oberdorf (neben Waldenburg): Ein Mann klaut junge Tannen
als Bohnenstecken - nach dem Klau wird er von einem
schwarzen Hund verfolgt - und dann regnet es fast 3 Wochen
lang]
Eine alte Frau aus Oberdorf erzählte: Mein Vater wohnte in
seinen jungen Jahren in der hintern Gasse. Damals nahm man
es mit dem Waldfrevel nicht so genau, und der junge Mann
wusste, wo die schlanksten Tännchen, d.h. die schönsten
Bohnenstecken wuchsen. Darum bekam er vom Badwirt den
Auftrag, eine rechte Bürde glatter Bohnenstecken zu hauen.
Um aber kein Aufsehen zu erregen, sollten sie in einer
dunkeln Nacht in die Badscheune gebracht werden. Wie
abgemacht, so ausgeführt.
Es mochte um zwölf Uhr sein, als mein Vater still von der
Badbrücke die Strasse hinab nach Hause gehen wollte. Nach
ein paar Schritten war es ihm, als folge jemand; und als er
sich umsah, lief lautlos hinter ihm ein grosser, schwarzer
Hund. Welche Angst er ausstand! Wusste er doch sofort, dass
das der Welthund war. [S.105]
Zitternd erreichte er die strassabwärts nahe gelegenen
Schwarzhäuser, wo Verwandte wohnten. Glücklicherweise war
noch eine Türe offen, und er schlüpfte in den dunkeln Gang.
Etwas nach Mitternacht fuhr damals noch die grosse
Baslerpost, von Langenbruck herkommend, durch Oberdorf. Mein
Vater benutzte die Gelegenheit; als er sie kommen hörte,
verliess er den Gang und sprang hinten auf das Trittbrett
des Postwagens. Schon glaubte er, dem Ungeheuer entronnen zu
sein; denn er gewahrte es während der Fahrt durchs Dorf
nicht mehr. Aber o weh, als er bei der Schmiede vom
Trittbrett sprang, um durch das finstere Schmidtengässlein
in das elterliche Haus zu gelangen, war der fürchterliche
Hund wieder da und blieb ihm auf den Fersen bis zur
Haustüre.
Keines Wortes mächtig und zitternd am ganzen Leibe begab
sich der junge Mann in seine Kammer. Mit ganz zerschlagenen
Gliedern erhob er sich am nächsten Morgen, getraute sich
aber nicht, etwas von seinem nächtlichen Abenteuer zu sagen.
Erst als es darauf fast drei Wochen lang ununterbrochen
regnete, gab er sein Geheimnis preis. [S.106]
Der Dorfbrüeli und der Landhund
[Zunzgen (neben Sissach an der Autobahn): Der Landhund
"Dorfbrüeli" warnt vor schlimmen Ereignissen]
Wenn man in Zunzgen den Dorfbrüeli, ein Lebewesen, das weder
Hund noch Mensch ist, hört, gibt es Regen.
Der Landhund kommt aus weiter Entfernung, um etwas
anzuzeigen: Krieg, Pestilenz und andere schlimme Ereignisse.
Man wagte nicht, laut von ihm zu reden und erwähnte ihn nur
im Flüstertone [S.106].
Der Bachpfattli
[Ergolztal (Liestal-Sissach-Gelterkinden) mit einem
Geisterhund - Bennwil und Hemmiken mit Geisterhunden, die im
Bach laufen]
Aus dem Ergolztal herauf nähert sich manchmal ein grosser
Hund den ersten Häusern des Dorfes Oltingen, Bachpfattli
geheissen. Wer ihn sah, bekam einen geschwollenen Kopf "as
wie-n-es Viertel" (Kornmass).
In Bennwil [neben Waldenburg] kam ein gleich benanntes Tier
von der Grösse eines Rindes vom Rehhag her und trottete den
Walibach herunter. Von weither konnte man das unheimliche
Platschen hören. Zuweilen soll der Bachpfattli auch seinen
Weg durchs Diegtertal genommen haben.
Auch Hemmiken [Region Gelterkinden] kennt seinen
Bachpfattli. Wer in der Geisterstunde am Bache beim
Grauenstein vorbeigehe, sehe ihn und werde von ihm ins
Wasser gezogen.
Einmal hörte auch ein heimkehrender Ormalinger [Ormalingen
neben Gelterkinden] das Plätschern des vermeintlichen
Untiers. Ohne Furcht näherte er sich mit einem Lichte, um
der Sache auf den Grund zu gehen. Was sah er da? Ein
Zweiglein eines niederhängenden Strauches, das vom Wasser
mitgerissen wurde und wieder zurückschnellte, verursachte
diesen Lärm. Hier war es nichts mit dem gefürchteten
Bachpfattli. [S.107]
Der Brüschhund
[Füllinsdorf (neben Liestal): Ein grosser Hund mit feurigen
Augen zieht eine Kette - er überlebt jeden Schuss, kommt und
verschwindet, wie er will]
In Füllinsdorf wurde früher im "Brüsch", dem Bachgraben, ein
grosser, schwarzer Hund mit feurigen Augen gesehen. Einzelne
wollen gar eine gewaltige Kette gewahrt haben, die das Tier
klirrend hinter sich her schleppte.
Vor hundert und mehr Jahren sah man den Brüschhund vom Dorf
bis zur Kreuzstrasse auf das linke Ergolzufer [S.107]
hinüberwechseln. Damals versuchte ein bekannter Jäger
vergeblich, auf den Hund zu schiessen; auch gelang es jungen
Burschen, die ihn näher beobachten wollten, nie, ihn zu
stellen. Er verschwand immer spurlos, wie er gekommen war
und seinem Erscheinen folgte nach ein paar Tagen immer
Regenwetter. [S.108]
Der Rybihund
[Reigoldswil: Ein grosser, schwarzer Hund trappelt im Bach
aufwärts und kündet Wetterwechsel an - und noch ein Hund
beim Emlisbächlein]
Bei der mittleren Säge zu Reigoldswil war früher auch eine
Flachsreibe. Vor Wetteränderungen sehen die Umwohner oft
nachts einen grossen schwarzen Hund aus dem Kett (d.i. der
Raum, in welchem sich das Wasserrad befindet) kommen. Er
läuft den Bach hinauf und trifft einen weitern Hund, der bei
der Mündung des Emlisbächleins hervorkommt. Während die
beiden Untiere miteinander aufwärts trotten, werden sie
immer grösser. Schliesslich kehren sie wieder um, wobei der
Hund aus dem Emlis bachabwärts, der andere gegen den Emlis
verschwindet. [S.108]
Der Schlosshund
[Ruine Homburg (Region Läufelfingen?) - da soll ein Hund mit
feurigen Augen sein]
Aus den Fensterlöchern der Ruine Homburg blickt manchmal ein
Hund mit feurigen Augen. Gewöhnlich ändert nachher das
Wetter [S.108]
Das Murenberghündlein
[Bubendorf (zwischen Liestal und Reigoldswil): Ein Hündlein
am Murenberg verkündet kläffend immer Wetterwechsel]
Den Bubendörfer Murenberg umschwebt die Sage vom
Murenberghündlein, das sich namentlich bei Wetteränderungen
zeigt und ein helles Gekläff hören lässt [S.108].
Sein Weg führe von der Dachsmatt durch das Häuli (ein
Gehölz), von da gegen die Rappenweide. Einige lassen es von
da bald verschwinden, während andere behaupten, es laufe bis
zum alten Schloss (Gutenfels). Ein alter Mann erzählte, es
sei dort neben ihm hergeeilt. Gesehen hätte er es nicht,
aber sehr deutlich gehört. Darauf habe es sehr
unfreundliches Wetter gegeben. [S.109]
Katzen
Die grossi Chatz
[Zwischen Seewen und Bretzwil verkündet eine megagrosse
Katze immer wieder Regen]
Der Heggedannehans und i [ich] sy emol z'nacht vo Seebe
[Seewen] hei zue, go Brätzbel [Bretzwil]. Uf em steinige
Wehrgländer vo der Strickbrugg hei mer e-n-übernatürlig
grossi Chatz gseh hocke; si het si nit verrüehrt und is
[uns] numme mit de glüehige Auge-n-abolet. Do ha-n-i im
Spass zum Hans gseit: "Das isch e schöns Büsi; was meinsch,
wei mer's ächt hei neh?" Der Hans het mer mit der Fuscht e
Stopf in d'Rippi ge: "Wit ächt still sy!" Mer hei numme
noh-n-e ganz churzi Strecki chönne goh, dernoh hets afo
schütte was obenabe het möge. Jetz fot der Hans ir afo
Vorwürf mache: "Nei, eso öppis z'säge", me gseih jo die
Chatz scho mäng Johr und jedesmol chömm's drüber abe cho
usleere. [S.109]
Einmalige Tiergestalten
Das Kägentier
[Der Kägenwald zwischen Reinach (BL) und Aesch (BL): Das
Kägentier an der Birs]
Zwischen Reinach und Aesch dehnte sich früher ein grosser
Wald aus, der bis an die Birs reihte. Man nannte ihn den
Kägenwald. Darin hauste ein sonderbares Tier, das Kägentier.
Es soll feurige Augen und nach manchen Aussagen auch Flossen
gehabt haben. Bei schönem Wetter hielt es sich an der Birs,
bei Unwetter meist im Kägenwalde auf. Manchmal legte es sich
auf den Weg und liess die Leute nicht durchgehen. - Noch
heute warnen die Mütter ihre Kinder, wenn sie ins Holz
gehen: "Gebt acht, dass euch das Kägentier nicht frisst!"
[S.110]
Das Nebbengrabentier
[Zwischen Ettingen und Hofstetten: quakt und plätschert das
Nebbengrabentier in der Nacht am Nebengrabenweg]
In der Nähe des Dorfes Ettingen hauste einst das
Nebbengrabentier. Es hielt sich in einem Graben an der
Strasse gegen Hofstetten auf. Nachts liess es ein schauriges
Quaken hören oder plätscherte im Wasser. Es konnte
verschiedene Gestalten annehmen, war bald Fuchs, bald Esel,
bald Kalb oder gar Mensch. Oft verliess es seinen Graben,
besonders zu mitternächtlicher Stunde und ging in der Gegend
umher. Niemand getraute sich dann, den Nebbengrabenweg zu
überschreiten. [S.110]
Das Lucherntier
[Wintersingen (neben Sissach): Im Wald "Luchern" wohnt das
"Lucherntier" - in der Nacht werden Kinder geraubt, die
nicht still sind]
Westlich der Wintersinger Höhe liegt eine seltsam
zerklüftete Waldgegend, die man in Sissach "Luchern" nennt.
Dort hat das Lucherntier sein Versteck. Abends schleicht
sich dieses unholde Wesen ins Dorf hinunter und lauscht an
allen Fenstern, ob die Buben und Mädchen [S.110] auch
schlafen. Wehe, wenn es noch ein lärmendes Stimmchen hört!
Mit seinen langen, haarigen Armen holt es den kleinen
Unruhestifter aus dem Bettchen heraus und trägt ihn fort -
es weiss kein Mensch, wohin. [S.111]
Die Kellerlochschlange
[Von Buus nach Zuzgen (Region Rheinfelden): Im Wassergraben
"Kellerloch" soll eine grosse Schlange mit Füssen gewohnt
haben]
Früher säumte die Strasse von Buus nach Zuzgen ein tiefer
Wassergraben. Er war mit Gebüsch und Bäumen umgeben und
hiess das Kellerloch. In diesem Loch soll zu Zeiten eine
Schlange gehaust haben, welche die Grösse eines Bindbaumes
[Achterschlinge] hatte, und Kellerlochschlange hiess.
Vor einigen Jahren ist das betreffende Bächlein abgeleitet
und das Kellerloch fast ganz ausgefüllt worden. Bald wird
auch der Name Kellerloch verschwunden und vergessen sein.
Eine Frau will in der Nähe des Kellerloches eine Schlange
mit Füssen gesehen haben. [S.111]
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