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Sagen der Schweiz: Kanton Basel-Land

13. Allerlei Spuk

Personen - Musik - Lähmungen - Personen führen andere in die Irre - Sachen werden verstellt

Männer geistern ohne Kopf herum (Region Sissach, Oberdorf) - Mann geistert mit weissem Hemd herum (Oberdorf) - Frau geistert herum (Bretzwil) - ein von einer Tanne erschlagener Holzfäller geistert herum (Reigoldswil) - negative Energie provoziert Lähmung (Region Gelterkinden) - Bergsturzgetöse ohne Bergsturz (Reigoldswil) - negative Energie provoziert Lähmung (Gelterkinden) - zwei Schwarze verkünden Regenwetter, das sind Tote vom Tunnelbau am Hauenstein - Geist mit Frau und Kleinkind auf der Lokomotive (Läufelfingen) - Geist einer Frau mit Korb läuft im Wald umher (Läufelfingen) - eine Frau spaziert auf einem Weg, den es schon lange nicht mehr gibt (Liedertswil) -  Jauchzende Stimmen, wenn die Sonne wieder scheint (Bretzwil) - Musik auf einem Pfarrhaus (Diegten) - Kampfgeschrei verkündet Regen (Waldenburg) - negative Kräfte provozieren Lähmung (Ziefen) - Geister führen in die Irre (Liedertswil), ebenso (zwischen Magden und Oltigen) - Sachen werden verstellt (Hemmiken) - Bettdecke wird geklaut (Oltingen) - ein Bett ist immer leer, aber immer gebraucht (Eptingen)

präsentiert von Michael Palomino (2023)

aus: Sagen aus Baselland. Lehrerverein Baselland - bearbeitet von Gustav Müller und Dr. Paul Suter - Verlag Landschäftler AG, Liestal 1938
(ohne Laufental, das kam erst 1994 zum Kanton Basel-Land).

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13. Allerlei Spuk

Personen, deren Geister einfach so kommen und wieder verschwinden

Spukgestalten in der Gegend von Sissach
[Region Sissach: Mann mit Schwert - Mann ohne Kopf - Mann mit Kopf unter dem Arm]

Beim Schloss Ebenrain wurde nachts schon oft ein Mann mit einem Schwert gesehen, der ebenso lautlos verschwand, wie er aufgetaucht war.

Einen anderen Mann, merkwürdigerweise ohne Kopf, kann man zwischen Licht bei der Weihermatt auf dem Felde arbeiten sehen.

Ebenfalls einen kopflosen Mann will man bei der Kreuzmatt, am östlichen Dorfausgang gesehen haben, doch trägt dieser seinen Kopf unter dem Arme. [S.118]


Der Mann ohne Kopf
[Oberdorf (bei Waldenburg am Hauenstein): Ein Wanderer trifft auf einen Geist ohne Kopf]

Ein Oberdörfer wanderte einst in einer mondhellen Nacht von Bennwil nach Oberdorf. In der Nähe der Scheune auf Dilleten, die der Mühle in Oberdorf zugehörig war, holte er jemanden ein. Er grüsste den Unbekannten. Dieser antwortete nicht. Er redete den Fremdling [S.118] mit den Worten an: "Es ist noch eine schöne Nacht heute". Wieder schwieg dieser. Nun dachte er, wenn er ihm zum dritten Mal keine Antwort gebe, haue er ihm eine Ohrfeige herunter. Der Fremde entgegnete auch zum dritten Mal nichts. Als ihm der Oberdörfer den zugedachten Schlag versetzen wollte, musste er zu seiner grossen Bestürzung feststellen, dass der stumme Nachtwanderer gar keinen Kopf besass. Dieser schwenkte dann nach der besagten Scheune ab und verschwand darin, trotzdem sie sonst immer verschlossen war. [S.119]


Der sonderbare Begleiter
[Region Oberdorf (bei Waldenburg am Hauenstein): Ein Mann in weissen Hemdsärmeln kommt und geht einfach so]

Es war während des Heuets im "Wald", am Fusse des Rehhags, etwa eine Stunde von Oberdorf entfernt. Eine Tochter hatte ihrem Vater das Mittagessen gebracht und kehrte wieder nach Hause, zum Posamentstuhl [Stickerei-Webstuhl] zurück. Von den Waldmatten kann man den Weg zum Dorfe auf eine weite Strecke überblicken und so sah der Vater seiner gut gewachsenen Tochter nach. Als sie aus Rufweite war, gesellte sich ein Mann in weissen Hemdsärmeln zu ihr und schritt mit ihr des Weges, solange sie der Vater sehen konnte. Der machte sich seine Gedanken darüber und fragte die Tochter am Abend nach ihrem Begleiter. Diese aber war nicht wenig darüber erstaunt, dass jemand sie begleitet haben sollte, und konnte nicht genug versichern, sie sei den ganzen Weg allein gegangen, diese und jene Leute seien ihr begegnet und er möge sie fragen, ob es sich nicht so verhalten.

Der Unbekannte in den weissen Hemdsärmeln kommt auch in anderen Sagen vor, die in der Umgegend erzählt werden. [S.119]


E rätselhafti Frau
[Bretzwil (bei Reigoldswil): Eine Frau kommt und geht einfach so]

E Frau vo Brätzbel het verzellt: My Ma isch früecher Bot gsi. Wo-n-er emol z'naht vo Basel hei ins Dorf chunnt cho z'fahre, gseh-n-i, ass noh ne Frau näbe-n-an ihm sitzt. Er fahrt nit wie süscht zum Hus; er fahrt s'Dorf us. Die Sach isch mer gspässig vorcho; i schicke-n-ein vo de Junge noche. Z'usserscht im Dorf isch er im Wage noh cho; e Frau isch aber keini meh druf gsi. Der Ma aber het mit offene Auge nit gwüsst, wo-n-er isch. [S.120]


Der Holzer an der Bürtenfluh
[Reigoldswil (mit Wasserfallen): Ein Holzfäller wird erschlagen - sein Geist kündet oft schlechtes Wetter an]

In der Ziegelhütte oberhalb Reigoldswil war viele Jahre ein Knecht in Stellung, der den Ruf eines waghalsigen Holzers hatte.

Einst war er auch wieder "ins Holz" gegangen. Es wurde Abend, der Knecht kam nicht nach Hause. Da vermutete man, es sei ihm ein Unglück zugestossen, umso mehr er sich geäussert hatte, eine dürre Tanne an der Bürtenfluh wolle er einmal herunterholen. Am anderen Morgen in der Frühe machten sich einige Männer auf, den Vermissten zu suchen. Wie sie den Bergmattenweg hinaufschritten, sahen sie plötzlich den Gesuchten in der gleichen Richtung weiter unten gegen das Schelmenloch marschieren. Trotzdem gingen sie weiter bis zur Stelle, wo sie den Burschen vermuteten und fanden ihn dort zerschmettert unter der Fluh. Sie trugen die Leiche ins Dorf, wo sie beerdigt wurde.

Einige Zeit nachher sammelte ein Mann unter der Bürtenfluh Holz. Bereits hatte er eine ordentliche Bürde auf seinen Schlitten geladen. Da rief auf einmal jemand [S.120] auf der Fluh: "Hopp, Hopp!" Er vermutete, es sei der Förster und antwortete. Doch niemand regte sich. Da wurde es dem Manne unheimlich zu Mute, und er war eine Zeitlang wie gelähmt. Das war sicher der verunglückte Holzer gewesen, der am Orte seines Unglückes erschienen war.

Auch nachher wollen andere Leute den Holzer rufen gehört haben. Jedesmal habe sich darauf anhaltendes Regenwetter eingestellt. [S.120]


Lähmung

Der Wischbergjoggeli
[Region Gelterkinden: Der Joggeli kommt nicht, dafür eine Lähmung - geheilt mit Agathabrot]

Ein Mann und eine Frau kehrten einst von Gelterkinden heim nach Wegenstetten [bei Rothenfluh]. Als sie den Wischberg hinanstiegen, rief die Frau immer: "Wischbergjoggeli, komm! Wischbergjoggeli, komm!" Plötzlich konnte sie nicht mehr gehen. Der Mann wollte schon um Hilfe rufen. Die Frau mahnte und bat um ein wenig Brot; sie wusste, dass sie ihm daheim beim Fortgehen Agathabrot in die Tasche gesteckt hatte. Sie ass davon, und siehe, sie konnte wieder gehen. Den Wischbergjoggeli hat sie aber nicht mehr gerufen. [S.121]


Lärm ohne Ursache

Der Spuk in den Bergmatten
[Reigoldswil (mit Wasserfallen): Bergsturzgetöse ohne Bergsturz, aber dann kommt ein Männchen mit roter Weste]

Ein alter Reigoldswiler erzählte: Vor vielen Jahren ging ich in die Bergmatten, um auf meinem Grundstück einige Mäusefallen zu stellen. Ich war in meine Arbeit ordentlich vertieft, als plötzlich oben im Glattenberg ein fürchterliches Getöse losging, als ob ein paar Wagen Steine ausgeleert würden. Ich erschrak und flüchtete gegen die Vogelmatt hinunter. Als der Lärm vorbei war [S.121], nahm es mich doch wunder, was die Ursache des Geräusches gewesen sei. Doch konnte ich nichts entdecken, trotzdem ich das Gelände gründlich absuchte. Ich erzählte das Vorkommnis einer älteren Frau. Sie erklärte, dieses Getöse sei schon mehrmals vernommen worden, hätte ich etwas länger gewartet, so hätte ich ein kleines, mit einer roten Weste bekleidetes Mannli gesehen, welches jedesmal nachher den Berg herunter komme. [S.122]


Lähmung

Das Fluhpärchen
[Gelterkinden: Ein weiss gekleidetes Geisterpärchen an der Fluh und ein Streich mit vorübergehender Lähmung]

Vor etwa 30 Jahren wurde das Reservoir für die Gelterkinder Wasserversorgung an der Fluh ausgegraben. In jener Zeit sah man am hellen Tage das Fluhpärchen die Matten hinaufspazieren und im Walde verschwinden. Mädchen und Bursche waren schneeweiss gekleidet, das Mädchen trug ausserdem einen langen Schleier. Verschiedene Familien sahen die Erscheinung sogar von ihren Häusern im Dorfe aus.

Um jene Zeit begab sich eines Tages ein Gemeinderatsmitglied mit einem Gertel [Baummesser] in den Wald Auf einmal konnte der Mann weder vorwärts noch rückwärts gehen. Bocksteif musste er eine Weile stehen bleiben. Dieser Schrecken setzte ihm so zu, dass er eine Zeitlang kein Wort mehr herausbrachte. Das Fluhpärchen hatte ihm diesen Streich gespielt. [S.122]


Tunnelbauten am Hauenstein

D'Schachtmanne
[Läufelfingen (am Hauenstein): Ein Mädchen sieht zwei Schwarze - die beiden Schwarzen verkünden Regenwetter - Geister vom Tunnelbau am Hauenstein]

Eine Frau aus Läufelfingen berichtete: Wir "säuberten" im Berg oben. Ein verwandtes Mädchen, das mit dabei war, wollte nicht den gleichen Weg mit uns ins Dorf zurückkehren. "I chumm it [nicht] dört dure", rief es und [S.122] behauptete, es sehe zwei Schwarze am Wegrand sitzen. Es hat nachher noch lange gezittert und wollte nichts essen. Immer und immer wieder brach es aus: "Ass dir nüt gseh heit, und i ha se doch gseh lybähnlig binenander sitze!"

Zu gewissen Zeiten haben auch andere Leute etwa erzählt, dass sie dort zwei ganz schwarze Männer hätten sitzen sehen. Gewöhnlich änderte nachher das Wetter. Man sagt, die beiden seien während des Tunnelbaues verunglückt. [S.123]


Frauen irren als Geister herum

Das Lokomotivweiblein
[Region Läufelfingen: Eine Frau mit Kleinkind sitzt auf der Lokomotive]

Im alten Hauensteintunnel soll zuweilen auf der Maschine ein weisses Weiblein mit einem Kind auf dem Arm gesehen worden sein, das Lokomotivwybli. [S.123]


S'Gsigwybli
[Läufelfingen (am Hauenstein): Am Schmutzberg soll eine Frau mit Korb herumspazieren]

An der Stelle, wo der "Bergweg" gegen den Schmutzberg umbiegt, heisst es "im Gsig". Dort soll ein Weiblein mit Kopftuch, einem weiten "Tschope", einer langen "Junte" und einem "Fürtuech" erscheinen. Es trage ein Körblein am Arm. Mit diesen Hinweisen auf das "Gsigwybli" wurden früher in Läufelfingen etwa Kinder geschreckt. [S.123]


Eine merkwürdige Frau
[Liedertswil (zwischen Reigoldswil und Waldenburg): Eine Frau spaziert auf einem Weg, den es schon lange nicht mehr gibt - und verschwindet]

Unterhalb Liedertswil befand sich in früheren Jahren ein Fussweg, der von der Hauptstrasse übers Feld gegen den Weigischbach hinüber führte. Heute kann man nichts mehr davon wahrnehmen, nur erscheinen [S.123] beim Pflügen hier und dort Steine, die an das alte Weglein erinnern.

Es war in der Morgenfrühe eines Herbsttages, als der Liedertswiler Feldhüter an jener Stelle Ausschau nach Obstschelmen hielt. Da kam eine Frau dahergeschritten, ziemlich pressant [eilig], wie es schien. Sie trug einen roten Rock und sonst eine etwas altertümliche Kleidung. Sie folgte jenem Fussweg und schritt dem nahen Bache zu. Der Feldhüter glaubte hier einen guten Fang zu tun und schlich der Unbekannten lautlos nach. Wie dieselbe aber am Bachbord angelangt war, verschwand sie spurlos, als ob sie der Boden verschlungen hätte. Der Feldhüter kam zum Schlusse, hier müsse jemand erscheinen, der noch nicht zur Ruhe gelangt sei. [S.124]


Spuk mit Musik

Der Hollejuchzger z'Brätzbel
[Bretzwil (bei Reigoldswil): Da jauchzen Stimmen, wenn nach einem Regen die Sonne wieder kommt]

Noh Rägewätter, wenn d'Sunne wieder gschinne het, oder au noh im e Gwitter het me früecher in der Holle [Bauernhof] gkört jodle und juchzge.

Emol sy myni zwo Schweschtere ellei in der Stube gsi. Do seit eini zu der andere: "Gkörsch! - Der Hollejuchzger jüchzgerlet au wieder." In däm Augeblick isch's wie ne warme Wind zum Fääschter yne cho, und e Juchzger het in d'Stube tönt, wie yne gschroue. D'Schweschtere hei si vor Angscht zu der Stube-n-us gflüchtet; sie hei noche noh lang gschlotteret [gezittert]. [S.124]


Musikklänge aus vergangenen Tagen
[Diegten (zwischen Sissach und Hauenstein an der Autobahn): Aus dem Jesus-Fantasie-Pfarrhaus tönt Musik aus vergangenen Zeiten]

Zwei Mädchen spazierten einst das Diegtertal einwärts. Aus dem [Jesus-Fantasie]-Pfarrhause in Diegten vernahmen sie eine wunderfeine, seltsame Musik. Nachher sahen sie [S.124] Herren und Damen in alten Trachten auf der Matte oberhalb des Pfarrhauses spazieren [S.125]


Rätselhaftes Geschrei
[Region Waldenburg (am Hauenstein): Kampfgeschrei verkündet Regen]

Als sich vor vielen Jahren eine Frau vom Richtacker nach dem Städtlein Waldenburg begab, hörte sie im Watelbach unterhalb der Schanz ein fürchterliches Geschrei. Es war gerade anzuhören, wie wenn Tiere und Menschen miteinander kämpfen würden. Doch war nichts zu sehen. Die Bewohnerin eines Hauses in der Nähe dieser Örtlichkeit hatte diesen Lärm schon öfters gehört und hatte festgestellt, dass immer kurz nachher das Wetter änderte. [S.125]


Lähmungen

Die gesperrte Strasse
[Ziefen (bei Reigoldswil): Beim Weissbrunnen sind in der Nacht Kräfte, die die Leute lähmen]

Beim Weissbrunnen oberhalb Ziefen soll es früher nicht ganz geheuer gewesen sein. Das erfuhren zwei Reigoldswiler Burschen, die in später Nacht von einem Tanzanlasse heimkehrten. Wie die beiden an dieser Örtlichkeit vorbeikamen, konnten sie plötzlich nicht mehr weiter gehen. Trotzdem auf der Strasse anscheinend kein Hindernis vorhanden war, waren sie wie gelähmt, eine unsichtbare Macht hielt sie fest. Zu Tode gelähmt, eine unsichtbare Macht hielt sie fest. Zu Tode erschrocken, versuchten sie rückwärts gegen Ziefen sich zu bewegen, was ihnen auch gelang. Im Dorfe Ziefen krochen sie in einen offen stehenden Schopf und verbrachten dort die Nacht, bis der Morgen graute. Nun machten sie sich von neuem auf den Heimweg. Und wirklich, jetzt konnten sie die unheimliche Stelle passieren, ohne im geringsten behelligt zu werden. [S.125]


Geister führen Leute in die Irre

Der Irreführer auf dem Titterterfeld
[Liedertswil und Titterten (bei Reigoldswil): Leute verirren sich in der Nacht wegen Geistern, die kommen und gehen einfach so]

Auf der weiten Hochfläche des Titterterfeldes sollen schon viele Leute in die Irre geführt worden sein.

Um die Mitternachtsstunde kamen einst drei Liedertswiler Männer über das Titterterfeld. An der Stelle, wo ein Karrenweg gegen die Babertenfluh abzweigt, wollte einer von ihnen unbedingt von der Landstrasse abweichen. Die anderen aber erklärten ihm, sie seien auf der rechten Strasse. Sie stritten eine Weile miteinander und als der eine von seinem Vorsatze nicht ablassen wollte, zogen die beiden anderen den Widerspenstigen auf der rechten Strasse mit sich fort. So kamen sie endlich zum Rütibergli oberhalb Liedertswil. Hier konnte sich der Verwirrte endlich zurechtfinden. Er erklärte seinen Kameraden, der Babertenweg sei vor seinen Augen als schöne Strasse erschienen und eine unerklärliche Macht habe ihn nach jener Richtung gezogen.

Ein anderes Mal kehrte eine Frau aus Liedertswil nachts über das Titterterfeld nach ihrem Dörflein zurück. Die ängstliche Person war froh, als sie ausserhalb Titterten einen Mann erblickte, der einige Schritte vor ihr in der gleichen Richtung marschierte. Sie dachte, sie müsse jetzt doch nicht allein über das verrufene Feld heimkehren. Sie beschleunigte ihre Schritte, um den Mann einzuholen; doch je schneller sie ging, desto schneller ging auch der Mann. Und wenn sie stehen blieb, blieb auch er stehen. Nachdem sie eine Weile so vorwärts gekommen war, gewahrte sie, dass sie in einen Wald eingetreten war. Sie freute sich darüber, denn nun war sie bereits oberhalb Liedertswil. Doch merkwürdig [S.126], der Wald wollte kein Ende nehmen. Da merkte sie, dass sie nicht am rechten Orte war.

Plötzlich verschwand der vor ihr schreitende stumme Fussgänger. Die Frau getraute sich nicht weiterzugehen und setzte sich auf den Boden. Ihr Säcklein, das sie mit sich getragen, legte sie ebenfalls ab. Dieses kollerte über einen Felsen hinunter. Die Angst der erschrockenen Frau wuchs noch mehr und sie getraute sich nicht, auch nur ein Glied zu rühren. Bewegungslos blieb sie sitzen, bis der Morgen graute. Als es hell wurde, sah sie, dass sie zu äusserst auf der Babertenfluh sass. [S.127]


Das Lyrum
[Zwischen Magden (Region Rheinfelden) und Oltigen (Region Tecknau): In der Nacht kommt ein Mann zum Birnbaum, und ein betrunkener Herr läuft ihm nach]

Der Grossätti [Grossvater] het emol verzellt: Der wüsset doch, wo s'Lyrum isch, dört halbwägs Weislige, wo d'Stross fascht e-n-Egge macht, bim Chüehbirbaum. Jo, also dört isch mer einischt öppis passiert, i dänke myner Läbtig dra! I bi go öle uf Magde-n-abe. Der Chilchmeyer het mer der Chohli [schwarzer Hund?] ge, ass i d'Nusschärne und der Lewat [Raps] nit ha müese träge; s'Güfiwägeli ha-n-i gnoh. Es isch alls guet gange, d'Frau isch noh mitcho, umme isch's e chly spot worde; es isch scho Nacht gsi, womer z'Weislige usem Rössli [Restaurant] cho sy, womer no ne Schoppe [ein Bier] gnoh hei. Aber der Wäg hät i jo wölle finde mit verbundene Auge. Womer ebe do zum Chüehbirbaum cho sy, lauft e Ma vor is ane und i dänke: So, jetz fahrsch eifacht däm noh, dä goht au uf Oltige und i ha s'Ross lo trampe. Z'letschtemänd seit aber d'Frau: "Das goht au lang, bis me d'Liechter gseht vo Oltige!" Mir het's au wölle sy und i ha der Chopf e chly gstreckt, aber alsfurt isch keis Liechtli erschiene, es isch mer e [S.127] chly unheimlig worde-n-und i bi ab, ha umenandergluegt. Es isch niene kei Ma meh gsi und aber au kei Wäg meh. Der Chohli het jetz au d'Ohre gstellt, as we wenn's nit ganz ghür wer, i ha-n-en müese füehre. Ändlig gseh-n-i doch es Liecht, wyt ewägg; es isch vom Rumpel gsi und ganz amene andere-n-Ort sy mer z'letscht doch is Dorf cho und es het is gwohlet, eus und im Chohli. [S.128]


Sachen werden verstellt

Spuk in Hemmiken
[Hemmiken (bei Gelterkinden): Haus wird überschwemmt und Gegenstände werden verstellt oder verschwinden und tauchen wieder auf einfach so]

Im Jahre 1891 traten in einem Hause im Unterdorf während fünf Monaten mysteriöse Erscheinungen auf, welche die ganze Gegend in Aufregung brachten. Zuerst fand man einen Kellerboden mit Wasser bedeckt, was nach der Lage der Gebäulichkeit unmöglich schien. Dann wurde auch der Hausgang mit Wasser überschwemmt, schliesslich die Wohnstube. Als die Leute nach der Herkunft des Wassers forschten, plätschte es sogar von der Küchendecke herunter. Wasserkessel aus der Küche fand man umgestürzt auf dem Estrich. Und so wechselten noch viele Gegenstände ihren Standort; Blumenstöcke, Spiegel hingen verkehrt an der Wand, Schlüssel verschwanden und waren auf einmal wieder da, Kleider wanderten aus den Schränken und kamen in den Heiterlöchern am Giebel, vor dem Haus, im Baumgarten, an den Ästen der Bäume hangend wieder zum Vorschein. Dabei konnte man nie eine Bewegung der Gegenstände feststellen, alle Ortsveränderungen geschahen sozusagen unsichtbar. Wie andernorts wurde auch hier ein [Jesus-Fantasie]-Kapuziner zugezogen, der aber durch seine [Jesus-Fantasie]-Gebete dem Unfug nicht steuern konnte. Der Spuk verschwand, wie er gekommen war. [S.128]


Das Geisterzimmer
[Oltingen (Region Tecknau): Das Jesus-Fantasie-Pfarrhaus hat ein Geisterzimmer - ein Geist eines Jesus-Fantasie-Kapuziners klaut dem Gast die Bettdecke]

Im [Jesus-Fantasie]-Pfarrhus Oltige uf der Syte gegem Chilhof zue isch s'Geischterzimmer.

Der "Chapiziner" geht dort um. Wenn ein Gast im Zimmer schläft, so nimmt ihm der arme, nackte Geist, der immer frieren muss, die Bettdecke weg und zwar immer nachts um 12 Uhr. [S.129]


Ein geheimnisvolles Bett
[Eptingen (am Hauenstein an der Autobahn): Eine Sandfrau erlebt ein komisches Bett: Es ist leer, aber jeden Morgen gebraucht]

Früher scheuerten die Hausfrauen ihre hölzernen Küchengeräte mit Sand, welchen sie gewöhnlich bei Hausierern kauften. Eine solche Sandfrau kam auch nach Eptingen und übernachtete auf ihren Gängen manchmal in einem der vielen Berghöfe jener Gegend. Gelegentlich erzählte sie dann im Dorf von einem merkwürdigen Bett, das in der Kammer jenes Hofes stand.

Es war ein rundes Bett. Niemand schlief darin; aber jeden Morgen war es durchwühlt und musste aufs Neue zurecht geschüttelt werden. Dabei fand man jedesmal einen Batzen darin liegen. Wurde in den grossen "Wärchen" einmal vergessen, das unheimliche Bett zu machen, so konnte man gewiss sein, dass in der darauffolgenden Nacht im ganzen Hause niemand ruhig schlafen konnte. [S.129]



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Quellen


Fotoquellen


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