13.
Allerlei Spuk
Personen, deren Geister einfach so kommen
und wieder verschwinden
Spukgestalten in der Gegend von Sissach
[Region Sissach: Mann mit Schwert - Mann ohne Kopf - Mann
mit Kopf unter dem Arm]
Beim Schloss Ebenrain wurde nachts schon oft ein Mann mit
einem Schwert gesehen, der ebenso lautlos verschwand, wie er
aufgetaucht war.
Einen anderen Mann, merkwürdigerweise ohne Kopf, kann man
zwischen Licht bei der Weihermatt auf dem Felde arbeiten
sehen.
Ebenfalls einen kopflosen Mann will man bei der Kreuzmatt,
am östlichen Dorfausgang gesehen haben, doch trägt dieser
seinen Kopf unter dem Arme. [S.118]
Der Mann ohne Kopf
[Oberdorf (bei Waldenburg am Hauenstein): Ein Wanderer
trifft auf einen Geist ohne Kopf]
Ein Oberdörfer wanderte einst in einer mondhellen Nacht von
Bennwil nach Oberdorf. In der Nähe der Scheune auf Dilleten,
die der Mühle in Oberdorf zugehörig war, holte er jemanden
ein. Er grüsste den Unbekannten. Dieser antwortete nicht. Er
redete den Fremdling [S.118] mit den Worten an: "Es ist noch
eine schöne Nacht heute". Wieder schwieg dieser. Nun dachte
er, wenn er ihm zum dritten Mal keine Antwort gebe, haue er
ihm eine Ohrfeige herunter. Der Fremde entgegnete auch zum
dritten Mal nichts. Als ihm der Oberdörfer den zugedachten
Schlag versetzen wollte, musste er zu seiner grossen
Bestürzung feststellen, dass der stumme Nachtwanderer gar
keinen Kopf besass. Dieser schwenkte dann nach der besagten
Scheune ab und verschwand darin, trotzdem sie sonst immer
verschlossen war. [S.119]
Der sonderbare Begleiter
[Region Oberdorf (bei Waldenburg am Hauenstein): Ein Mann in
weissen Hemdsärmeln kommt und geht einfach so]
Es war während des Heuets im "Wald", am Fusse des Rehhags,
etwa eine Stunde von Oberdorf entfernt. Eine Tochter hatte
ihrem Vater das Mittagessen gebracht und kehrte wieder nach
Hause, zum Posamentstuhl [Stickerei-Webstuhl] zurück. Von
den Waldmatten kann man den Weg zum Dorfe auf eine weite
Strecke überblicken und so sah der Vater seiner gut
gewachsenen Tochter nach. Als sie aus Rufweite war, gesellte
sich ein Mann in weissen Hemdsärmeln zu ihr und schritt mit
ihr des Weges, solange sie der Vater sehen konnte. Der
machte sich seine Gedanken darüber und fragte die Tochter am
Abend nach ihrem Begleiter. Diese aber war nicht wenig
darüber erstaunt, dass jemand sie begleitet haben sollte,
und konnte nicht genug versichern, sie sei den ganzen Weg
allein gegangen, diese und jene Leute seien ihr begegnet und
er möge sie fragen, ob es sich nicht so verhalten.
Der Unbekannte in den weissen Hemdsärmeln kommt auch in
anderen Sagen vor, die in der Umgegend erzählt werden.
[S.119]
E rätselhafti Frau
[Bretzwil (bei Reigoldswil): Eine Frau kommt und geht
einfach so]
E Frau vo Brätzbel het verzellt: My Ma isch früecher Bot
gsi. Wo-n-er emol z'naht vo Basel hei ins Dorf chunnt cho
z'fahre, gseh-n-i, ass noh ne Frau näbe-n-an ihm sitzt. Er
fahrt nit wie süscht zum Hus; er fahrt s'Dorf us. Die Sach
isch mer gspässig vorcho; i schicke-n-ein vo de Junge noche.
Z'usserscht im Dorf isch er im Wage noh cho; e Frau isch
aber keini meh druf gsi. Der Ma aber het mit offene Auge nit
gwüsst, wo-n-er isch. [S.120]
Der Holzer an der Bürtenfluh
[Reigoldswil (mit Wasserfallen): Ein Holzfäller wird
erschlagen - sein Geist kündet oft schlechtes Wetter an]
In der Ziegelhütte oberhalb Reigoldswil war viele Jahre ein
Knecht in Stellung, der den Ruf eines waghalsigen Holzers
hatte.
Einst war er auch wieder "ins Holz" gegangen. Es wurde
Abend, der Knecht kam nicht nach Hause. Da vermutete man, es
sei ihm ein Unglück zugestossen, umso mehr er sich geäussert
hatte, eine dürre Tanne an der Bürtenfluh wolle er einmal
herunterholen. Am anderen Morgen in der Frühe machten sich
einige Männer auf, den Vermissten zu suchen. Wie sie den
Bergmattenweg hinaufschritten, sahen sie plötzlich den
Gesuchten in der gleichen Richtung weiter unten gegen das
Schelmenloch marschieren. Trotzdem gingen sie weiter bis zur
Stelle, wo sie den Burschen vermuteten und fanden ihn dort
zerschmettert unter der Fluh. Sie trugen die Leiche ins
Dorf, wo sie beerdigt wurde.
Einige Zeit nachher sammelte ein Mann unter der Bürtenfluh
Holz. Bereits hatte er eine ordentliche Bürde auf seinen
Schlitten geladen. Da rief auf einmal jemand [S.120] auf der
Fluh: "Hopp, Hopp!" Er vermutete, es sei der Förster und
antwortete. Doch niemand regte sich. Da wurde es dem Manne
unheimlich zu Mute, und er war eine Zeitlang wie gelähmt.
Das war sicher der verunglückte Holzer gewesen, der am Orte
seines Unglückes erschienen war.
Auch nachher wollen andere Leute den Holzer rufen gehört
haben. Jedesmal habe sich darauf anhaltendes Regenwetter
eingestellt. [S.120]
Lähmung
Der Wischbergjoggeli
[Region Gelterkinden: Der Joggeli kommt nicht, dafür eine
Lähmung - geheilt mit Agathabrot]
Ein Mann und eine Frau kehrten einst von Gelterkinden heim
nach Wegenstetten [bei Rothenfluh]. Als sie den Wischberg
hinanstiegen, rief die Frau immer: "Wischbergjoggeli, komm!
Wischbergjoggeli, komm!" Plötzlich konnte sie nicht mehr
gehen. Der Mann wollte schon um Hilfe rufen. Die Frau mahnte
und bat um ein wenig Brot; sie wusste, dass sie ihm daheim
beim Fortgehen Agathabrot in die Tasche gesteckt hatte. Sie
ass davon, und siehe, sie konnte wieder gehen. Den
Wischbergjoggeli hat sie aber nicht mehr gerufen. [S.121]
Lärm ohne Ursache
Der Spuk in den Bergmatten
[Reigoldswil (mit Wasserfallen): Bergsturzgetöse ohne
Bergsturz, aber dann kommt ein Männchen mit roter Weste]
Ein alter Reigoldswiler erzählte: Vor vielen Jahren ging ich
in die Bergmatten, um auf meinem Grundstück einige
Mäusefallen zu stellen. Ich war in meine Arbeit ordentlich
vertieft, als plötzlich oben im Glattenberg ein
fürchterliches Getöse losging, als ob ein paar Wagen Steine
ausgeleert würden. Ich erschrak und flüchtete gegen die
Vogelmatt hinunter. Als der Lärm vorbei war [S.121], nahm es
mich doch wunder, was die Ursache des Geräusches gewesen
sei. Doch konnte ich nichts entdecken, trotzdem ich das
Gelände gründlich absuchte. Ich erzählte das Vorkommnis
einer älteren Frau. Sie erklärte, dieses Getöse sei schon
mehrmals vernommen worden, hätte ich etwas länger gewartet,
so hätte ich ein kleines, mit einer roten Weste bekleidetes
Mannli gesehen, welches jedesmal nachher den Berg herunter
komme. [S.122]
Lähmung
Das Fluhpärchen
[Gelterkinden: Ein weiss gekleidetes Geisterpärchen an der
Fluh und ein Streich mit vorübergehender Lähmung]
Vor etwa 30 Jahren wurde das Reservoir für die Gelterkinder
Wasserversorgung an der Fluh ausgegraben. In jener Zeit sah
man am hellen Tage das Fluhpärchen die Matten
hinaufspazieren und im Walde verschwinden. Mädchen und
Bursche waren schneeweiss gekleidet, das Mädchen trug
ausserdem einen langen Schleier. Verschiedene Familien sahen
die Erscheinung sogar von ihren Häusern im Dorfe aus.
Um jene Zeit begab sich eines Tages ein Gemeinderatsmitglied
mit einem Gertel [Baummesser] in den Wald Auf einmal konnte
der Mann weder vorwärts noch rückwärts gehen. Bocksteif
musste er eine Weile stehen bleiben. Dieser Schrecken setzte
ihm so zu, dass er eine Zeitlang kein Wort mehr
herausbrachte. Das Fluhpärchen hatte ihm diesen Streich
gespielt. [S.122]
Tunnelbauten am Hauenstein
D'Schachtmanne
[Läufelfingen (am Hauenstein): Ein Mädchen sieht zwei
Schwarze - die beiden Schwarzen verkünden Regenwetter -
Geister vom Tunnelbau am Hauenstein]
Eine Frau aus Läufelfingen berichtete: Wir "säuberten" im
Berg oben. Ein verwandtes Mädchen, das mit dabei war, wollte
nicht den gleichen Weg mit uns ins Dorf zurückkehren. "I
chumm it [nicht] dört dure", rief es und [S.122] behauptete,
es sehe zwei Schwarze am Wegrand sitzen. Es hat nachher noch
lange gezittert und wollte nichts essen. Immer und immer
wieder brach es aus: "Ass dir nüt gseh heit, und i ha se
doch gseh lybähnlig binenander sitze!"
Zu gewissen Zeiten haben auch andere Leute etwa erzählt,
dass sie dort zwei ganz schwarze Männer hätten sitzen sehen.
Gewöhnlich änderte nachher das Wetter. Man sagt, die beiden
seien während des Tunnelbaues verunglückt. [S.123]
Frauen irren als Geister herum
Das Lokomotivweiblein
[Region Läufelfingen: Eine Frau mit Kleinkind sitzt auf der
Lokomotive]
Im alten Hauensteintunnel soll zuweilen auf der Maschine ein
weisses Weiblein mit einem Kind auf dem Arm gesehen worden
sein, das Lokomotivwybli. [S.123]
S'Gsigwybli
[Läufelfingen (am Hauenstein): Am Schmutzberg soll eine Frau
mit Korb herumspazieren]
An der Stelle, wo der "Bergweg" gegen den Schmutzberg
umbiegt, heisst es "im Gsig". Dort soll ein Weiblein mit
Kopftuch, einem weiten "Tschope", einer langen "Junte" und
einem "Fürtuech" erscheinen. Es trage ein Körblein am Arm.
Mit diesen Hinweisen auf das "Gsigwybli" wurden früher in
Läufelfingen etwa Kinder geschreckt. [S.123]
Eine merkwürdige Frau
[Liedertswil (zwischen Reigoldswil und Waldenburg): Eine
Frau spaziert auf einem Weg, den es schon lange nicht mehr
gibt - und verschwindet]
Unterhalb Liedertswil befand sich in früheren Jahren ein
Fussweg, der von der Hauptstrasse übers Feld gegen den
Weigischbach hinüber führte. Heute kann man nichts mehr
davon wahrnehmen, nur erscheinen [S.123] beim Pflügen hier
und dort Steine, die an das alte Weglein erinnern.
Es war in der Morgenfrühe eines Herbsttages, als der
Liedertswiler Feldhüter an jener Stelle Ausschau nach
Obstschelmen hielt. Da kam eine Frau dahergeschritten,
ziemlich pressant [eilig], wie es schien. Sie trug einen
roten Rock und sonst eine etwas altertümliche Kleidung. Sie
folgte jenem Fussweg und schritt dem nahen Bache zu. Der
Feldhüter glaubte hier einen guten Fang zu tun und schlich
der Unbekannten lautlos nach. Wie dieselbe aber am Bachbord
angelangt war, verschwand sie spurlos, als ob sie der Boden
verschlungen hätte. Der Feldhüter kam zum Schlusse, hier
müsse jemand erscheinen, der noch nicht zur Ruhe gelangt
sei. [S.124]
Spuk mit Musik
Der Hollejuchzger z'Brätzbel
[Bretzwil (bei Reigoldswil): Da jauchzen Stimmen, wenn nach
einem Regen die Sonne wieder kommt]
Noh Rägewätter, wenn d'Sunne wieder gschinne het, oder au
noh im e Gwitter het me früecher in der Holle [Bauernhof]
gkört jodle und juchzge.
Emol sy myni zwo Schweschtere ellei in der Stube gsi. Do
seit eini zu der andere: "Gkörsch! - Der Hollejuchzger
jüchzgerlet au wieder." In däm Augeblick isch's wie ne warme
Wind zum Fääschter yne cho, und e Juchzger het in d'Stube
tönt, wie yne gschroue. D'Schweschtere hei si vor Angscht zu
der Stube-n-us gflüchtet; sie hei noche noh lang
gschlotteret [gezittert]. [S.124]
Musikklänge aus vergangenen Tagen
[Diegten (zwischen Sissach und Hauenstein an der Autobahn):
Aus dem Jesus-Fantasie-Pfarrhaus tönt Musik aus vergangenen
Zeiten]
Zwei Mädchen spazierten einst das Diegtertal einwärts. Aus
dem [Jesus-Fantasie]-Pfarrhause in Diegten vernahmen sie
eine wunderfeine, seltsame Musik. Nachher sahen sie [S.124]
Herren und Damen in alten Trachten auf der Matte oberhalb
des Pfarrhauses spazieren [S.125]
Rätselhaftes Geschrei
[Region Waldenburg (am Hauenstein): Kampfgeschrei verkündet
Regen]
Als sich vor vielen Jahren eine Frau vom Richtacker nach dem
Städtlein Waldenburg begab, hörte sie im Watelbach unterhalb
der Schanz ein fürchterliches Geschrei. Es war gerade
anzuhören, wie wenn Tiere und Menschen miteinander kämpfen
würden. Doch war nichts zu sehen. Die Bewohnerin eines
Hauses in der Nähe dieser Örtlichkeit hatte diesen Lärm
schon öfters gehört und hatte festgestellt, dass immer kurz
nachher das Wetter änderte. [S.125]
Lähmungen
Die gesperrte Strasse
[Ziefen (bei Reigoldswil): Beim Weissbrunnen sind in der
Nacht Kräfte, die die Leute lähmen]
Beim Weissbrunnen oberhalb Ziefen soll es früher nicht ganz
geheuer gewesen sein. Das erfuhren zwei Reigoldswiler
Burschen, die in später Nacht von einem Tanzanlasse
heimkehrten. Wie die beiden an dieser Örtlichkeit
vorbeikamen, konnten sie plötzlich nicht mehr weiter gehen.
Trotzdem auf der Strasse anscheinend kein Hindernis
vorhanden war, waren sie wie gelähmt, eine unsichtbare Macht
hielt sie fest. Zu Tode gelähmt, eine unsichtbare Macht
hielt sie fest. Zu Tode erschrocken, versuchten sie
rückwärts gegen Ziefen sich zu bewegen, was ihnen auch
gelang. Im Dorfe Ziefen krochen sie in einen offen stehenden
Schopf und verbrachten dort die Nacht, bis der Morgen
graute. Nun machten sie sich von neuem auf den Heimweg. Und
wirklich, jetzt konnten sie die unheimliche Stelle
passieren, ohne im geringsten behelligt zu werden. [S.125]
Geister führen Leute in die Irre
Der Irreführer auf dem Titterterfeld
[Liedertswil und Titterten (bei Reigoldswil): Leute verirren
sich in der Nacht wegen Geistern, die kommen und gehen
einfach so]
Auf der weiten Hochfläche des Titterterfeldes sollen schon
viele Leute in die Irre geführt worden sein.
Um die Mitternachtsstunde kamen einst drei Liedertswiler
Männer über das Titterterfeld. An der Stelle, wo ein
Karrenweg gegen die Babertenfluh abzweigt, wollte einer von
ihnen unbedingt von der Landstrasse abweichen. Die anderen
aber erklärten ihm, sie seien auf der rechten Strasse. Sie
stritten eine Weile miteinander und als der eine von seinem
Vorsatze nicht ablassen wollte, zogen die beiden anderen den
Widerspenstigen auf der rechten Strasse mit sich fort. So
kamen sie endlich zum Rütibergli oberhalb Liedertswil. Hier
konnte sich der Verwirrte endlich zurechtfinden. Er erklärte
seinen Kameraden, der Babertenweg sei vor seinen Augen als
schöne Strasse erschienen und eine unerklärliche Macht habe
ihn nach jener Richtung gezogen.
Ein anderes Mal kehrte eine Frau aus Liedertswil nachts über
das Titterterfeld nach ihrem Dörflein zurück. Die ängstliche
Person war froh, als sie ausserhalb Titterten einen Mann
erblickte, der einige Schritte vor ihr in der gleichen
Richtung marschierte. Sie dachte, sie müsse jetzt doch nicht
allein über das verrufene Feld heimkehren. Sie beschleunigte
ihre Schritte, um den Mann einzuholen; doch je schneller sie
ging, desto schneller ging auch der Mann. Und wenn sie
stehen blieb, blieb auch er stehen. Nachdem sie eine Weile
so vorwärts gekommen war, gewahrte sie, dass sie in einen
Wald eingetreten war. Sie freute sich darüber, denn nun war
sie bereits oberhalb Liedertswil. Doch merkwürdig [S.126],
der Wald wollte kein Ende nehmen. Da merkte sie, dass sie
nicht am rechten Orte war.
Plötzlich verschwand der vor ihr schreitende stumme
Fussgänger. Die Frau getraute sich nicht weiterzugehen und
setzte sich auf den Boden. Ihr Säcklein, das sie mit sich
getragen, legte sie ebenfalls ab. Dieses kollerte über einen
Felsen hinunter. Die Angst der erschrockenen Frau wuchs noch
mehr und sie getraute sich nicht, auch nur ein Glied zu
rühren. Bewegungslos blieb sie sitzen, bis der Morgen
graute. Als es hell wurde, sah sie, dass sie zu äusserst auf
der Babertenfluh sass. [S.127]
Das Lyrum
[Zwischen Magden (Region Rheinfelden) und Oltigen (Region
Tecknau): In der Nacht kommt ein Mann zum Birnbaum, und ein
betrunkener Herr läuft ihm nach]
Der Grossätti [Grossvater] het emol verzellt: Der wüsset
doch, wo s'Lyrum isch, dört halbwägs Weislige, wo d'Stross
fascht e-n-Egge macht, bim Chüehbirbaum. Jo, also dört isch
mer einischt öppis passiert, i dänke myner Läbtig dra! I bi
go öle uf Magde-n-abe. Der Chilchmeyer het mer der Chohli
[schwarzer Hund?] ge, ass i d'Nusschärne und der Lewat
[Raps] nit ha müese träge; s'Güfiwägeli ha-n-i gnoh. Es isch
alls guet gange, d'Frau isch noh mitcho, umme isch's e chly
spot worde; es isch scho Nacht gsi, womer z'Weislige usem
Rössli [Restaurant] cho sy, womer no ne Schoppe [ein Bier]
gnoh hei. Aber der Wäg hät i jo wölle finde mit verbundene
Auge. Womer ebe do zum Chüehbirbaum cho sy, lauft e Ma vor
is ane und i dänke: So, jetz fahrsch eifacht däm noh, dä
goht au uf Oltige und i ha s'Ross lo trampe. Z'letschtemänd
seit aber d'Frau: "Das goht au lang, bis me d'Liechter gseht
vo Oltige!" Mir het's au wölle sy und i ha der Chopf e chly
gstreckt, aber alsfurt isch keis Liechtli erschiene, es isch
mer e [S.127] chly unheimlig worde-n-und i bi ab, ha
umenandergluegt. Es isch niene kei Ma meh gsi und aber au
kei Wäg meh. Der Chohli het jetz au d'Ohre gstellt, as we
wenn's nit ganz ghür wer, i ha-n-en müese füehre. Ändlig
gseh-n-i doch es Liecht, wyt ewägg; es isch vom Rumpel gsi
und ganz amene andere-n-Ort sy mer z'letscht doch is Dorf
cho und es het is gwohlet, eus und im Chohli. [S.128]
Sachen werden verstellt
Spuk in Hemmiken
[Hemmiken (bei Gelterkinden): Haus wird überschwemmt und
Gegenstände werden verstellt oder verschwinden und tauchen
wieder auf einfach so]
Im Jahre 1891 traten in einem Hause im Unterdorf während
fünf Monaten mysteriöse Erscheinungen auf, welche die ganze
Gegend in Aufregung brachten. Zuerst fand man einen
Kellerboden mit Wasser bedeckt, was nach der Lage der
Gebäulichkeit unmöglich schien. Dann wurde auch der Hausgang
mit Wasser überschwemmt, schliesslich die Wohnstube. Als die
Leute nach der Herkunft des Wassers forschten, plätschte es
sogar von der Küchendecke herunter. Wasserkessel aus der
Küche fand man umgestürzt auf dem Estrich. Und so wechselten
noch viele Gegenstände ihren Standort; Blumenstöcke, Spiegel
hingen verkehrt an der Wand, Schlüssel verschwanden und
waren auf einmal wieder da, Kleider wanderten aus den
Schränken und kamen in den Heiterlöchern am Giebel, vor dem
Haus, im Baumgarten, an den Ästen der Bäume hangend wieder
zum Vorschein. Dabei konnte man nie eine Bewegung der
Gegenstände feststellen, alle Ortsveränderungen geschahen
sozusagen unsichtbar. Wie andernorts wurde auch hier ein
[Jesus-Fantasie]-Kapuziner zugezogen, der aber durch seine
[Jesus-Fantasie]-Gebete dem Unfug nicht steuern konnte. Der
Spuk verschwand, wie er gekommen war. [S.128]
Das Geisterzimmer
[Oltingen (Region Tecknau): Das Jesus-Fantasie-Pfarrhaus hat
ein Geisterzimmer - ein Geist eines
Jesus-Fantasie-Kapuziners klaut dem Gast die Bettdecke]
Im [Jesus-Fantasie]-Pfarrhus Oltige uf der Syte gegem
Chilhof zue isch s'Geischterzimmer.
Der "Chapiziner" geht dort um. Wenn ein Gast im Zimmer
schläft, so nimmt ihm der arme, nackte Geist, der immer
frieren muss, die Bettdecke weg und zwar immer nachts um 12
Uhr. [S.129]
Ein geheimnisvolles Bett
[Eptingen (am Hauenstein an der Autobahn): Eine Sandfrau
erlebt ein komisches Bett: Es ist leer, aber jeden Morgen
gebraucht]
Früher scheuerten die Hausfrauen ihre hölzernen Küchengeräte
mit Sand, welchen sie gewöhnlich bei Hausierern kauften.
Eine solche Sandfrau kam auch nach Eptingen und übernachtete
auf ihren Gängen manchmal in einem der vielen Berghöfe jener
Gegend. Gelegentlich erzählte sie dann im Dorf von einem
merkwürdigen Bett, das in der Kammer jenes Hofes stand.
Es war ein rundes Bett. Niemand schlief darin; aber jeden
Morgen war es durchwühlt und musste aufs Neue zurecht
geschüttelt werden. Dabei fand man jedesmal einen Batzen
darin liegen. Wurde in den grossen "Wärchen" einmal
vergessen, das unheimliche Bett zu machen, so konnte man
gewiss sein, dass in der darauffolgenden Nacht im ganzen
Hause niemand ruhig schlafen konnte. [S.129]
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