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Sagen der Schweiz: Kanton Basel-Land

14. Hexerei und Zauberei

 Hexen - Geister, die belästigen - Bann mit Nägeln - Positive Geisteskräfte

präsentiert von Michael Palomino (2023)

aus: Sagen aus Baselland. Lehrerverein Baselland - bearbeitet von Gustav Müller und Dr. Paul Suter - Verlag Landschäftler AG, Liestal 1938
(ohne Laufental, das kam erst 1994 zum Kanton Basel-Land).

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14. Hexerei und Zauberei

Hexen

E-n-Oltiger Dorfhäx
[Oltingen (Region Tecknau): Frau provoziert Lähmungen - am Ende ist sie selbst gelähmt]

Die olti ... isch e rächti Häx gsi! Einischt hei s'Chilchmeyers z'nacht es Füli [Fohlen] übercho. Wär am Morge scho vor im Stall stoht, isch die gsi und seit: "er heit schynt's es Füli übercho, darf is cho luege?" Si hei se dummerwys yneglo, si fahrt däm Tiereli e paar mol übere Rügge, wie wenn s'em wet flattiere [etwas Gutes tun] und goht wieder use. Mönderisch cha das Füli nümm ufstoh. Lahm im Rügge! Verhäxt!

Einischt aber isch si an Lätze cho. Im Dorf isch e-n-olte Chnächt gsi, dä het by-n-ere lo stricke. Sie het däm Manno s'MKäss gnoh um s'Bei umme. Wär mönderisch es Bei het wie ne Ankechübel, isch dä Chnächt. Er het alli Zeiche gfluecht und het gseit: "Die Mätz sell umme warte, i will ere fürs Häxe tue!" Er isch furt usem Dorf und drei Tag druf heisst's, die und die isch gstorbe u9nd wie? S'lingg Bei het si übere Bettrand use gstreckt, es isch schwarz gsi as wie ne Chohlesack! Eso het si es Änd gnoh. [S.130]


Hexen bannen
[Buus (Region Rheinfelden): Hexenbannkreis ums Haus lähmt die Hexe]

Eine Familie in Buus bezog ein neu erworbenes Haus gegenüber der Wohnung einer Frau, welche die Leute für eine Hexe hielten. Bald näherte sich diese Frau dem Hause, um die neuen Nachbarsleute zu besuchen. Doch der älteste Sohn der Familie hatte vorsorglich einen Hexenbannkreis um das Haus gezogen. [S.130]

Als die Hexe diesen Kreis betrat, blieb sie wie angewurzelt stehen und rief dem jungen Mann zu, er solle das "chaibe Züg" sein lassen. Darauf entfernte sie sich eilig und machte von dieser Zeit an nie mehr einen Besuch. Doch suchte sie die Kinder durch allerlei Geschenklein (in ungerader Zahl) anzulocken. Das gelang ihr aber nicht, denn die Eltern hatten den Kindern eingeschärft, nicht das geringste von ihr anzunehmen. [S.131]


Die Hexe hinter dem Ofen
[Oberwil (bei Basel): Eine Hexe mit bösem Zauber verwirrt die Leute mit einem Besenstiel - und wird hinter ihrem Ofen festgenommen]

In Oberwil lebte vor Jahren eine Hexe, die viel Unheil über das Dorf brachte. Man wollte sie töten. Als man sie aber an einen Baum binden wollte, hatte man statt der Frau nur einen Besenstiel in Händen. Die Leute glaubten, die Hexe stecke im Besenstiel und wollten ihn verbrennen. Ein [Jesus-Fantasie]-Kapuziner aber wehrte es ihnen und sagte, die Hexe sei entwichen. Er ging ins Haus der Hexe und fand sie hinter dem Ofen. Dem [Jesus-Fantasie]-Kapuziner gelang es auch, sie zu binden [fesseln], und sie wurde dem Gerichte übergeben. [S.131]


Mengis entdeckt eine Hexe
[Zunzgen (bei Sissach an der Autobahn): Hexe mit Schadzauber gegen ein Kind - die Warnung von Scharfrichter Mengis ist vergeblich]

In Zunzgen hatte eine Hexe ihrem Nachbar das Kind verhext, dass es keine Ruhe mehr fand. Der Familienvater suchte Hilfe beim Scharfrichter Mengis in Rheinfelden. In aller Morgenfrühe trat er seine Wanderung nach Rheinfelden an; denn er durfte niemanden grüssen, der ihm unterwegs begegnete.

Mengis führte ihn in ein dunkles Zimmer vor einen Spiegel und hiess ihn hineinblicken. Mit einem Ausruf des Entsetzens fuhr der Vater des Kindes zurück: "Der [S.131] Tüfel nähm, es isch d'...!" Mengis verkündete nun dem erschrockenen Manne, diese Hexe werde am folgenden Tage zu ihm ins Haus kommen, um etwas zu entleihen. Man solle ihr aber die Türe nicht öffnen und keine Antwort geben, sonst stürbe das Kind. Es kam wirklich so, wie Mengis prophezeit hatte. Die Frau erschien am anderen Tage und wollte etwas borgen. Leider hatte die Hausfrau Erbarmen mit ihr und gab ihr Bescheid. Das Kind aber starb, wie der Scharfrichter vorausgesagt hatte. [S.132]


Die überlistete Hexe
[Bennwil (bei Oberdorf, Region Waldenburg): Hexe klaut Milch von Kühen im Stall - die Hexe fangen mit Strumpf und Schraubstock]

In Bennwil lebte vor Zeiten eine berühmte Hexe, die sich auf allerlei unheimliche Künste verstand. Sie konnte nächtlicherweile Kühen in entfernten Ställen die Milch entziehen. Oder sie schlüpfte durch Schlüssellöcher in fremde Wohnungen hinein und plagte die Schläfer, indem sie ihnen auf die Brust sass, so dass ihr Atem beklommen wurde. Man kam ihr aber auf ihr nächtliches unheilvolles Treiben durch folgendes Mittel:

Wer spürt, dass eine Hexe im Herannahen ist, muss darnach trachten, einen Strumpf, den Deckbettzipfel, oder wessen er sonst in der Dunkelheit und in der Hast habhaft werden kann, zu erwischen und in einen Schraubstock zu klemmen. Auf solche Weise wurde die Hexe in einer Nacht gefangen und musste bis am Morgen in dem von ihr heimgesuchten Hause verharren. [S.132]


Eine Hexe narrt einen Jäger
[Region Lausen (zwischen Liestal und Sissach): Ein Hase überlebt jeden Schuss und verschwindet - ein Schuss mit Salz+Silber - die Lähmung einer Hexe]

In Furlen bei Lausen wohnte ein Mann, der mit Leidenschaft der Jagd oblag. Oftmals zeigte sich ihm ein Hase in günstiger Schussweite oder stellte sich ihm in [S.132] den Weg, wenn er von der Jagd nach Hause kam. Mehr als einmal legte der Jäger auf den Hasen an, zielte, schoss und glaubte sich seiner Beute sicher. Doch, was geschah? Jedesmal, wenn er glaubte, getroffen zu haben, machte der Hase das Männchen und verschwand. Ärgerlich ob dieser Neckerei, machte der Jäger eine ganz besondere Ladung bereit. Er stopfte nämlich Salz und eine Silbermünze in den Flintenlauf. Bald darauf gelang es ihm, diesen Schuss auf den Hasen abzufeuern. Von dem Tage an sah man eine Nachbarin, die man schon immer als im Besitz heimlicher Kräfte verdächtigt hatte, nur noch hinkend herumgehen. [S.133]


Die entlarvte Hexe
[Liedertswil (zwischen Waldenburg und Reigoldswil): Eine Hexe wird mit Tabakrauch vertrieben]

Vor vielen Jahrzehnten lebte in Liedertswil eine alte Frau, die als Hexe galt. Nun war in einem anderen Hause ein fremder Weberknecht eingestellt worden, der auch davon hörte. Er schloss sich einigen jungen Burschen an, die im Hause der vermeintlichen Hexe jeweils abends zusammenkamen. Er erzählte ihnen, er habe ein sicheres Mittel, um eine Hexe zu erkennen und wolle es in diesem Falle ausprobieren. Bevor sie wieder in das besagte Haus z'Chilt gingen, verteilte er ihnen sogenannten Teufelsdreck [schwarzen Gewürzgummi], den sie in ihre Tabakspfeifen einfüllen mussten. Als sie in die Stube traten, lag die Alte wie gewöhnlich auf dem Ofen und schien zu schlafen. Nun setzten sich die Burschen an den Tisch und auf die Ofenbank und fingen an zu "tubaken" [Taback rauchen]. Bald entwickelte sich ein ordentlicher Rauch in der Stube. Die Alte fing an zu schnupfen und zu niesen, dass es eine Freude war. Ihre Aufforderung, das Rauchen doch sein zu lassen [S.133], beantworteten die Burschen durch noch stärkeres Rauchen. Auf einmal geschah etwas Sonderbares. Wie ein Wollknäuel rollte die Frau vom Ofen auf die Kunst und auf den Boden, zur Türe hinaus, in die Küche, bis an die Haustüre, wo sie dann liegen blieb. Jetzt waren der fremde Knecht und seine Kameraden überzeugt, dass die genannte Frau eine Hexe sei und sie mieden fortan jenes Haus. [S.134]


D'Häxezüpfli
[Orisltal (bei Liestal): Pferde mit Zopfmähne - und ein schwarzer Geissbock muss die Energie einer Hexe aufnehmen]

In der Orismühli sy e zytlang alli Morge an de Ross d'Halshoor züpflet gsi. Dass do öppis nit mit rächte Dinge zuegange-n-isch, het me-n-an de Züpfli gmerkt; die sy nämlig ganz uf e bsunderi Art züpflet gsi; dorum het me ne Häxezüpfli gseit. Uf das abe isch de-n-Orislüte-n-agrote worde, si selle luege, dass sie e schwarze Geissbock überchömme, wo keis wisses Höörli heig. Die Lüt hei dä Rot bifolgt und e so ne Geissbock in Stall yne to. Uf das hi het's besseret! S'Züpfle het ufghört, aber der Geissbock isch alli Morge pflätschnass gsi und isch dure Tag wie gschlage-n-ummegläge. [S.134]


Der Häxeplätz
[Bretzwil (bei Reigoldswil): Eine kahle Weide mit Galgen, Scheiterhaufen, Sandtannen - und die Wiese bleibt kahl]

Wenn me-n-über d'Eich gege s'Dorf Brätzbel chunnt, oder vom Dorf uf Nunnige goht, gseht me-n-uf im Brang, dört wo der Rügge scho stark gege Nunnige abfallt, e ziemli grossi, rundi, kahli Stell. Uf der hindere Syte, satt am Holz a, stoht der Grenzstei vo Solothurn und Baselland. E Mängim fallt's uf, ass dört kei Baum, kei Struch wachset; der Bode isch doch nit steinig und ringsum stoht höch Holz [S.134].
Wie die olte Lüt verzellt hei, isch albe ne Galge dört obe gstande; noh andere-n-Ussage heig me-n-au d'Häxe dört verbrennt. Underim Bärg, uf der Sandebeni, sy e paar Tanne bynander gstande, d'Sandtanne heig me ne gseit. Under dene Tanne syg über d'Häxe Gricht ghalte worde. Wo der Hänker emol z'nacht über das Fäld gange-n-isch, syg ihm e wyssi Frauegstalt erschine. Si heig gege-n-im jetzige Häxeplatz ufe zeigt und gseit: "Die Stell dört obe sell für alli Zyte verfluecht sy; es sell druf kei Baum, kei Struch meh wachse und s'Gras wo wachst, well e kei Tier frässe." [S.136]


Geister, die belästigen

Der Geist in der Flasche
[Sissach: Ein Geist macht Kettenlärm - ein Jesus-Fantasie-Kapuziner fängt den Geist in einem Fläschchen und hängt es in einem Kanal auf - oder wurde unter ein Weinfass gelegt].

In einem Hause in Sissach erhob sich um Mitternacht oft ein schauerliches Gepolter und Gerassel. Es hörte sich an, wie wenn jemand schwere Ketten treppauf und -ab schleppte. Da die Hausbewohner endlich Ruhe haben wollten, liessen sie einen [Jesus-Fantasie]-Kapuziner kommen. Nach stundenlangem Bemühen konnte der fromme Mann den unruhigen Geist in ein Fläschchen bannen, das er an einer Schnur in das "Dyg" (Kanal) hängte. - die Kinder sollten daher dort nicht herumplantschen!

Andere erzählen den Schluss dieser Geschichte so: Der Geist durfte den Ort, wo er seine Gefangenschaft zubringen sollte, selbst auswählen. Darauf sagte er, dass es ihm unter einem grossen Weinfass am besten gefiele. - Dort wartet er vielleicht heute noch auf seine Befreiung. [S.136]


Bann mit Nägeln

Die bannte Buebe
[Oltingen (Region Tecknau): 3 Buben klauen Pflaumen in der Nacht - dann schlägt der Bauer 3 Rossnägel in den Baumstamm als Bann gegen die Diebeskinder]

Die Junge [Lüt] glaube hüttigstags nüt meh. Aber es git halt doch noh Lüt, wo meh chönne weder numme Brot ässe! Loset umme: Drei Oltiger Buebe sy emol z'nacht a d'Pflume. Wo  der erscht gnue gha het und abe will goh, gseht er e-n-olte Ma mit ganz oltmödische Chleidere under im Baum stoh. Dä Bueb goht wieder ue und seit nüt zu de-n-andere. Im zweute [dem zweiten Bub] gohts ganz glych und ebenso im dritte [dem dritten]. All drei sy z'letschtemänd wieder i de oberschte Neschte ghocket, aber Pflume hei si keine meh gässe. Ändlig, ändlig gohts gege Morge und es tuet Bättzyt lüte, do isch die Gstalt underim Baum plötzlig verschwunde. Jetz hei die Nachtbuebe wieder e chly Härz übercho und der eint het's gwogt und isch süferlig [sachte] abe, fascht hät er noh d'Hose verrisse. Öppe-n-i Chnühöchi sy drei Rossnegel i Baumstamm ynegschlage gsi! Vom Grossätti [Grossvater] noche het er gwüsst, was das bedütet: die Rossnegel het dä Bur düngglet gha im [Jesus-Fantasie]-Weihwasser und het se-n-ynegschlage in de drei höchschte Näme für d'Schelme z'banne. Die drei sy ihrer Läbtig nimme-n-an d'Pflume, si hei deismol gnueg verwütscht. [S.137]


Positive Geisteskräfte

DIe verlorene und wiedergefundene Fuchsfalle
[Anwil (bei Rothenfluh): Eine verlorene Fuchsfalle taucht plötzlich wieder auf]

Eine alte Frau aus Anwil erzählte: Dem Vater meiner Grossmutter, welcher sich gerne der Jagd hingab, war eine hölzerne Fuchsfalle abhanden gekommen, die er im Wald gestellt hatte. In der Hoffnung, der Rheinfelder Scharfrichter werde die Falle wieder beibringen können, begab er sich dorthin. Weil er unterwegs mit keinem Menschen reden durfte, so brach er schon früh [S.137] um vier Uhr auf und wanderte über den Berg, um niemandem zu begegnen. Erst um acht Uhr kam er in Rheinfelden bei dem Manne an, von dessen geheimen Kräften er sich Hilfe versprach. Er durfte aber sein Anliegen nicht vorbringen. Mengis fragte ihn: "Ist etwas verloren gegangen?" - "Nein." - "Aber gestohlen worden?" - "Ja." - "Geht jetzt nur heim, ihr werdet das vermisste Geschirr in dem hintern der beiden Heiterlöcher im Giebel gegen das Gässlein finden." Als man nachsah, steckte die Fuchsfalle richtig dort. [S.138]


Der Fürgeischt im Hinterbirch
[Eptingen (am Hauenstein an der Autobahn): Zigeuner lagern in Eptingen-Hinterbirch - ein Kaminbrand - der Blitz fährt in die Pappel neben dem Haus]

Im Hinterbirch bei Eptingen brennt es nie mehr, dafür bürgt der gute Feuergeist in diesem Hause.

Einst hielten sich in dieser Gegend Zigeuner auf; aber niemand bot den Fremden ein Nachtlager, weil ihnen die Leute nicht trauten. Im Hinterbirch aber öffnete man ihnen die Türen und liess sie im Heu übernachten. Am andern Morgen lief die älteste Zigeunerin drei Mal ums Haus herum und rief:
"Nie meh tuet das Hus abbrenne,
s'wohnt e guete Fürgeischt drinne!"

Aber später fing's doch einmal an zu brennen. Es war frühmorgens um 3 Uhr; das Hausgesinde lag noch in tiefem Schlafe, als im grossen Kamin Feuer ausbrach. Da gewahrte der Bauer, wie ihn eine Stimme aus dem Schlaf weckte und ihm ins Ohr flüsterte: "Es brennt im Chemi." Sofort sprang er aus seinem Bett und sah, wie im Kamin schon die Flammen emporzüngelten. Doch konnte er den Brand noch rechtzeitig löschen. Seither [S.138] hat es im Hinterbirch nie mehr gebrannt, obwohl später der Blitz in die Pappel fuhr, die beim Hause stand und sie in Stücke zerschmetterte; das Haus blieb vom Feuer verschont. [S.139]


Der Feuersprecher
[Ziefen (bei Reigoldswil): Es brennen 2 Häuser und 2 Scheunen ab - ein Feuersprecher bannt das Feuer - 101 Jahre lang kein Brand mehr in Ziefen]

"1758 Donnstag, den 16. mertzen ist Ein grosse fürsbrunst gewesen zwei Hüser und zwo scheunen Verbrand. Das eind Haus und scheuren Ist im bendel Hug und Hans Tomen gewesen und das ander im Haus Jogi buser und bendel Hug Hans sohn gewesen. Diese Hüser sind in einer Viertelstund In einem für gewesen das man nicht habe können darvon bringen. Das bezeug ich, Heini Tschopp in Zifen."

So steht es auf der innern Deckelseite einer alten [Jesus-Fantasie]-Bibel eingetragen, die in Ziefen aufbewahrt wird. An diese Feuersbrunst knüpft sich folgende Überlieferung [S.139]:

Während des Brandes holte man in Liestal einen Feuersprecher. Dieser ritt auf einem Schimmel zur Brandstätte. Dort legte er an allen vier Ecken des brennenden Häuserblockes je ein weisses Blatt Papier nieder. Alsdann sprach er seinen Bannspruch, worauf die Flammen gerade auf gen Himmel schlugen und kein weiteres Gebäude mehr ergriffen. Von da an währte es 101 Jahre, bis Ziefen wieder von einem Brande heimgesucht wurde. [S.140]


Der Toteschädel
[Bretzwil (bei Reigoldswil mit Wasserfallen): Als zwei Buben mit einem Totenschädel spielen wollen, kommt eine Stimme: "Der war mal meiner!" - dann spielen die Buben nicht mehr]

E junge Burscht vo Brätzbel, wo ufim e Hof gwohnt isch, wer ums Läge gärn zu de Scharfschütze. S'het si aber sälbmol ein im Schiesse guet müese-n-uswyse chönne, wenn er het welle undere schwarzgrüene Huet mit-ere Fädere druf. Er het si us däm Grund vill güebt; er het aber e kei gueti Breichi gha. Do isch emol e Zigeunere uf dä Hof cho, vo der hei vill Lüt bhauptet, si verstönd und chönn mehr as ander Lüt. Dä Schütz het er es gklagt; si het gseit, si well ihm scho ne guete Rot ge. Derfür chönn ere Späck ge, er sell aber s'Mässer e chly tief in d'Späcksyte yne lo goh. Er mües luege, ass er vom Totegreber e Toteschädel überchömm. Dernoh sell er dervo öppis abschabe und sell vo däm Mähl bi jeder Ladig (bi de domolige Vorderlader) zwüsche s'Pulver und d'Chugele tue; er wärd's scho gseh, kei Schutz wärd ihm meh fehle. Der Totegreber het Bricht gmacht und die Stell ginau bizeichnet, wo-n-er e Schädel versteckt heig; er sell aber erst cho, wenn's feischter syg. Dä Schütz het e Kamerad mitgnoh. Chum het er der Schädel in de Hände gha, het vo der [Jesus-Fantasie]-Chilche [S.140] här e hohli Stimm grüefe: "Lo-n-in lo sy, er isch emol myn gsi!" Do het er der Schädel vor Schrecke lo falle, und er und sy Kamerad hei zäme s'Päch gkauft über d'Ringmur übere. [S.141]


Die Quadersteine von der Voregg
[Zwischen Sissach und Wintersingen: Der Bau des Hofguts "Voregg" - eine Hellseherin gibt einen Tipp: Steine aus dem Alptal - und wenn Pfingsten ein Vollmond ist, kann man dort einen Goldschatz finden]

Als das Hofgut Voregg (an der Strasse von Sissach nach Wintersingen) gebaut werden sollte, fehlte es an guten Mauersteinen. Zwar gab es in Sissach mehrere Steinbrüche, doch lagen sie alle zu weit entfernt. In ihrer Verlegenheit wandten sich die Bauleute an eine Hellseherin und baten sie, ihnen in der Nähe des Bauplatzes eine Stelle zu bezeichnen, wo sie nach Steinen graben konnten. Nach kurzem Besinnen riet die weise Frau, in einem Wäldchen des Alptales, oberhalb der "kleinen Alp", zu suchen; denn dort gäbe es Steine im Überfluss. Dieser Rat wurde befolgt, und wirklich kamen bald die schönsten behauenen Sandsteine zum Vorschein. Der Bau konnte deshalb rasch vonstatten gehen. Einige der gefundenen Steine wurden als Ecksteine verwendet und sind noch heute am Wohnhaus der Voregg zu sehen.

Die Hellseherin sagte ferner aus, dass an der Fundstelle ein goldener Götze verborgen liege. Es sei ein Leichtes, ihn zu heben. Nur müsse eine Pfingstnacht abgewartet werden, da der Vollmond scheine. Leider soll [Jesus-Fantasie]-Pfingsten nur alle vierhundert Jahre auf den Tag des Vollmondes fallen und so wartet der wertvolle Gegenstand noch immer auf den glücklichen Finder. [S.141]



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Quellen


Fotoquellen


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