14.
Hexerei und Zauberei
Hexen
E-n-Oltiger Dorfhäx
[Oltingen (Region Tecknau): Frau provoziert Lähmungen - am
Ende ist sie selbst gelähmt]
Die olti ... isch e rächti Häx gsi! Einischt hei
s'Chilchmeyers z'nacht es Füli [Fohlen] übercho. Wär am
Morge scho vor im Stall stoht, isch die gsi und seit: "er
heit schynt's es Füli übercho, darf is cho luege?" Si hei se
dummerwys yneglo, si fahrt däm Tiereli e paar mol übere
Rügge, wie wenn s'em wet flattiere [etwas Gutes tun] und
goht wieder use. Mönderisch cha das Füli nümm ufstoh. Lahm
im Rügge! Verhäxt!
Einischt aber isch si an Lätze cho. Im Dorf isch e-n-olte
Chnächt gsi, dä het by-n-ere lo stricke. Sie het däm Manno
s'MKäss gnoh um s'Bei umme. Wär mönderisch es Bei het wie ne
Ankechübel, isch dä Chnächt. Er het alli Zeiche gfluecht und
het gseit: "Die Mätz sell umme warte, i will ere fürs Häxe
tue!" Er isch furt usem Dorf und drei Tag druf heisst's, die
und die isch gstorbe u9nd wie? S'lingg Bei het si übere
Bettrand use gstreckt, es isch schwarz gsi as wie ne
Chohlesack! Eso het si es Änd gnoh. [S.130]
Hexen bannen
[Buus (Region Rheinfelden): Hexenbannkreis ums Haus lähmt
die Hexe]
Eine Familie in Buus bezog ein neu erworbenes Haus gegenüber
der Wohnung einer Frau, welche die Leute für eine Hexe
hielten. Bald näherte sich diese Frau dem Hause, um die
neuen Nachbarsleute zu besuchen. Doch der älteste Sohn der
Familie hatte vorsorglich einen Hexenbannkreis um das Haus
gezogen. [S.130]
Als die Hexe diesen Kreis betrat, blieb sie wie angewurzelt
stehen und rief dem jungen Mann zu, er solle das "chaibe
Züg" sein lassen. Darauf entfernte sie sich eilig und machte
von dieser Zeit an nie mehr einen Besuch. Doch suchte sie
die Kinder durch allerlei Geschenklein (in ungerader Zahl)
anzulocken. Das gelang ihr aber nicht, denn die Eltern
hatten den Kindern eingeschärft, nicht das geringste von ihr
anzunehmen. [S.131]
Die Hexe hinter dem Ofen
[Oberwil (bei Basel): Eine Hexe mit bösem Zauber verwirrt
die Leute mit einem Besenstiel - und wird hinter ihrem Ofen
festgenommen]
In Oberwil lebte vor Jahren eine Hexe, die viel Unheil über
das Dorf brachte. Man wollte sie töten. Als man sie aber an
einen Baum binden wollte, hatte man statt der Frau nur einen
Besenstiel in Händen. Die Leute glaubten, die Hexe stecke im
Besenstiel und wollten ihn verbrennen. Ein
[Jesus-Fantasie]-Kapuziner aber wehrte es ihnen und sagte,
die Hexe sei entwichen. Er ging ins Haus der Hexe und fand
sie hinter dem Ofen. Dem [Jesus-Fantasie]-Kapuziner gelang
es auch, sie zu binden [fesseln], und sie wurde dem Gerichte
übergeben. [S.131]
Mengis entdeckt eine Hexe
[Zunzgen (bei Sissach an der Autobahn): Hexe mit Schadzauber
gegen ein Kind - die Warnung von Scharfrichter Mengis ist
vergeblich]
In Zunzgen hatte eine Hexe ihrem Nachbar das Kind verhext,
dass es keine Ruhe mehr fand. Der Familienvater suchte Hilfe
beim Scharfrichter Mengis in Rheinfelden. In aller
Morgenfrühe trat er seine Wanderung nach Rheinfelden an;
denn er durfte niemanden grüssen, der ihm unterwegs
begegnete.
Mengis führte ihn in ein dunkles Zimmer vor einen Spiegel
und hiess ihn hineinblicken. Mit einem Ausruf des Entsetzens
fuhr der Vater des Kindes zurück: "Der [S.131] Tüfel nähm,
es isch d'...!" Mengis verkündete nun dem erschrockenen
Manne, diese Hexe werde am folgenden Tage zu ihm ins Haus
kommen, um etwas zu entleihen. Man solle ihr aber die Türe
nicht öffnen und keine Antwort geben, sonst stürbe das Kind.
Es kam wirklich so, wie Mengis prophezeit hatte. Die Frau
erschien am anderen Tage und wollte etwas borgen. Leider
hatte die Hausfrau Erbarmen mit ihr und gab ihr Bescheid.
Das Kind aber starb, wie der Scharfrichter vorausgesagt
hatte. [S.132]
Die überlistete Hexe
[Bennwil (bei Oberdorf, Region Waldenburg): Hexe klaut Milch
von Kühen im Stall - die Hexe fangen mit Strumpf und
Schraubstock]
In Bennwil lebte vor Zeiten eine berühmte Hexe, die sich auf
allerlei unheimliche Künste verstand. Sie konnte
nächtlicherweile Kühen in entfernten Ställen die Milch
entziehen. Oder sie schlüpfte durch Schlüssellöcher in
fremde Wohnungen hinein und plagte die Schläfer, indem sie
ihnen auf die Brust sass, so dass ihr Atem beklommen wurde.
Man kam ihr aber auf ihr nächtliches unheilvolles Treiben
durch folgendes Mittel:
Wer spürt, dass eine Hexe im Herannahen ist, muss darnach
trachten, einen Strumpf, den Deckbettzipfel, oder wessen er
sonst in der Dunkelheit und in der Hast habhaft werden kann,
zu erwischen und in einen Schraubstock zu klemmen. Auf
solche Weise wurde die Hexe in einer Nacht gefangen und
musste bis am Morgen in dem von ihr heimgesuchten Hause
verharren. [S.132]
Eine Hexe narrt einen Jäger
[Region Lausen (zwischen Liestal und Sissach): Ein Hase
überlebt jeden Schuss und verschwindet - ein Schuss mit
Salz+Silber - die Lähmung einer Hexe]
In Furlen bei Lausen wohnte ein Mann, der mit Leidenschaft
der Jagd oblag. Oftmals zeigte sich ihm ein Hase in
günstiger Schussweite oder stellte sich ihm in [S.132] den
Weg, wenn er von der Jagd nach Hause kam. Mehr als einmal
legte der Jäger auf den Hasen an, zielte, schoss und glaubte
sich seiner Beute sicher. Doch, was geschah? Jedesmal, wenn
er glaubte, getroffen zu haben, machte der Hase das Männchen
und verschwand. Ärgerlich ob dieser Neckerei, machte der
Jäger eine ganz besondere Ladung bereit. Er stopfte nämlich
Salz und eine Silbermünze in den Flintenlauf. Bald darauf
gelang es ihm, diesen Schuss auf den Hasen abzufeuern. Von
dem Tage an sah man eine Nachbarin, die man schon immer als
im Besitz heimlicher Kräfte verdächtigt hatte, nur noch
hinkend herumgehen. [S.133]
Die entlarvte Hexe
[Liedertswil (zwischen Waldenburg und Reigoldswil): Eine
Hexe wird mit Tabakrauch vertrieben]
Vor vielen Jahrzehnten lebte in Liedertswil eine alte Frau,
die als Hexe galt. Nun war in einem anderen Hause ein
fremder Weberknecht eingestellt worden, der auch davon
hörte. Er schloss sich einigen jungen Burschen an, die im
Hause der vermeintlichen Hexe jeweils abends zusammenkamen.
Er erzählte ihnen, er habe ein sicheres Mittel, um eine Hexe
zu erkennen und wolle es in diesem Falle ausprobieren. Bevor
sie wieder in das besagte Haus z'Chilt gingen, verteilte er
ihnen sogenannten Teufelsdreck [schwarzen Gewürzgummi], den
sie in ihre Tabakspfeifen einfüllen mussten. Als sie in die
Stube traten, lag die Alte wie gewöhnlich auf dem Ofen und
schien zu schlafen. Nun setzten sich die Burschen an den
Tisch und auf die Ofenbank und fingen an zu "tubaken"
[Taback rauchen]. Bald entwickelte sich ein ordentlicher
Rauch in der Stube. Die Alte fing an zu schnupfen und zu
niesen, dass es eine Freude war. Ihre Aufforderung, das
Rauchen doch sein zu lassen [S.133], beantworteten die
Burschen durch noch stärkeres Rauchen. Auf einmal geschah
etwas Sonderbares. Wie ein Wollknäuel rollte die Frau vom
Ofen auf die Kunst und auf den Boden, zur Türe hinaus, in
die Küche, bis an die Haustüre, wo sie dann liegen blieb.
Jetzt waren der fremde Knecht und seine Kameraden überzeugt,
dass die genannte Frau eine Hexe sei und sie mieden fortan
jenes Haus. [S.134]
D'Häxezüpfli
[Orisltal (bei Liestal): Pferde mit Zopfmähne - und ein
schwarzer Geissbock muss die Energie einer Hexe aufnehmen]
In der Orismühli sy e zytlang alli Morge an de Ross
d'Halshoor züpflet gsi. Dass do öppis nit mit rächte Dinge
zuegange-n-isch, het me-n-an de Züpfli gmerkt; die sy nämlig
ganz uf e bsunderi Art züpflet gsi; dorum het me ne
Häxezüpfli gseit. Uf das abe isch de-n-Orislüte-n-agrote
worde, si selle luege, dass sie e schwarze Geissbock
überchömme, wo keis wisses Höörli heig. Die Lüt hei dä Rot
bifolgt und e so ne Geissbock in Stall yne to. Uf das hi
het's besseret! S'Züpfle het ufghört, aber der Geissbock
isch alli Morge pflätschnass gsi und isch dure Tag wie
gschlage-n-ummegläge. [S.134]
Der Häxeplätz
[Bretzwil (bei Reigoldswil): Eine kahle Weide mit Galgen,
Scheiterhaufen, Sandtannen - und die Wiese bleibt kahl]
Wenn me-n-über d'Eich gege s'Dorf Brätzbel chunnt, oder vom
Dorf uf Nunnige goht, gseht me-n-uf im Brang, dört wo der
Rügge scho stark gege Nunnige abfallt, e ziemli grossi,
rundi, kahli Stell. Uf der hindere Syte, satt am Holz a,
stoht der Grenzstei vo Solothurn und Baselland. E Mängim
fallt's uf, ass dört kei Baum, kei Struch wachset; der Bode
isch doch nit steinig und ringsum stoht höch Holz [S.134].
Wie die olte Lüt verzellt hei, isch albe ne Galge dört obe
gstande; noh andere-n-Ussage heig me-n-au d'Häxe dört
verbrennt. Underim Bärg, uf der Sandebeni, sy e paar Tanne
bynander gstande, d'Sandtanne heig me ne gseit. Under dene
Tanne syg über d'Häxe Gricht ghalte worde. Wo der Hänker
emol z'nacht über das Fäld gange-n-isch, syg ihm e wyssi
Frauegstalt erschine. Si heig gege-n-im jetzige Häxeplatz
ufe zeigt und gseit: "Die Stell dört obe sell für alli Zyte
verfluecht sy; es sell druf kei Baum, kei Struch meh wachse
und s'Gras wo wachst, well e kei Tier frässe." [S.136]
Geister, die belästigen
Der Geist in der Flasche
[Sissach: Ein Geist macht Kettenlärm - ein
Jesus-Fantasie-Kapuziner fängt den Geist in einem Fläschchen
und hängt es in einem Kanal auf - oder wurde unter ein
Weinfass gelegt].
In einem Hause in Sissach erhob sich um Mitternacht oft ein
schauerliches Gepolter und Gerassel. Es hörte sich an, wie
wenn jemand schwere Ketten treppauf und -ab schleppte. Da
die Hausbewohner endlich Ruhe haben wollten, liessen sie
einen [Jesus-Fantasie]-Kapuziner kommen. Nach stundenlangem
Bemühen konnte der fromme Mann den unruhigen Geist in ein
Fläschchen bannen, das er an einer Schnur in das "Dyg"
(Kanal) hängte. - die Kinder sollten daher dort nicht
herumplantschen!
Andere erzählen den Schluss dieser Geschichte so: Der Geist
durfte den Ort, wo er seine Gefangenschaft zubringen sollte,
selbst auswählen. Darauf sagte er, dass es ihm unter einem
grossen Weinfass am besten gefiele. - Dort wartet er
vielleicht heute noch auf seine Befreiung. [S.136]
Bann mit Nägeln
Die bannte Buebe
[Oltingen (Region Tecknau): 3 Buben klauen Pflaumen in der
Nacht - dann schlägt der Bauer 3 Rossnägel in den Baumstamm
als Bann gegen die Diebeskinder]
Die Junge [Lüt] glaube hüttigstags nüt meh. Aber es git halt
doch noh Lüt, wo meh chönne weder numme Brot ässe! Loset
umme: Drei Oltiger Buebe sy emol z'nacht a d'Pflume.
Wo der erscht gnue gha het und abe will goh, gseht er
e-n-olte Ma mit ganz oltmödische Chleidere under im Baum
stoh. Dä Bueb goht wieder ue und seit nüt zu de-n-andere. Im
zweute [dem zweiten Bub] gohts ganz glych und ebenso im
dritte [dem dritten]. All drei sy z'letschtemänd wieder i de
oberschte Neschte ghocket, aber Pflume hei si keine meh
gässe. Ändlig, ändlig gohts gege Morge und es tuet Bättzyt
lüte, do isch die Gstalt underim Baum plötzlig verschwunde.
Jetz hei die Nachtbuebe wieder e chly Härz übercho und der
eint het's gwogt und isch süferlig [sachte] abe, fascht hät
er noh d'Hose verrisse. Öppe-n-i Chnühöchi sy drei Rossnegel
i Baumstamm ynegschlage gsi! Vom Grossätti [Grossvater]
noche het er gwüsst, was das bedütet: die Rossnegel het dä
Bur düngglet gha im [Jesus-Fantasie]-Weihwasser und het
se-n-ynegschlage in de drei höchschte Näme für d'Schelme
z'banne. Die drei sy ihrer Läbtig nimme-n-an d'Pflume, si
hei deismol gnueg verwütscht. [S.137]
Positive Geisteskräfte
DIe verlorene und wiedergefundene Fuchsfalle
[Anwil (bei Rothenfluh): Eine verlorene Fuchsfalle taucht
plötzlich wieder auf]
Eine alte Frau aus Anwil erzählte: Dem Vater meiner
Grossmutter, welcher sich gerne der Jagd hingab, war eine
hölzerne Fuchsfalle abhanden gekommen, die er im Wald
gestellt hatte. In der Hoffnung, der Rheinfelder
Scharfrichter werde die Falle wieder beibringen können,
begab er sich dorthin. Weil er unterwegs mit keinem Menschen
reden durfte, so brach er schon früh [S.137] um vier Uhr auf
und wanderte über den Berg, um niemandem zu begegnen. Erst
um acht Uhr kam er in Rheinfelden bei dem Manne an, von
dessen geheimen Kräften er sich Hilfe versprach. Er durfte
aber sein Anliegen nicht vorbringen. Mengis fragte ihn: "Ist
etwas verloren gegangen?" - "Nein." - "Aber gestohlen
worden?" - "Ja." - "Geht jetzt nur heim, ihr werdet das
vermisste Geschirr in dem hintern der beiden Heiterlöcher im
Giebel gegen das Gässlein finden." Als man nachsah, steckte
die Fuchsfalle richtig dort. [S.138]
Der Fürgeischt im Hinterbirch
[Eptingen (am Hauenstein an der Autobahn): Zigeuner lagern
in Eptingen-Hinterbirch - ein Kaminbrand - der Blitz fährt
in die Pappel neben dem Haus]
Im Hinterbirch bei Eptingen brennt es nie mehr, dafür bürgt
der gute Feuergeist in diesem Hause.
Einst hielten sich in dieser Gegend Zigeuner auf; aber
niemand bot den Fremden ein Nachtlager, weil ihnen die Leute
nicht trauten. Im Hinterbirch aber öffnete man ihnen die
Türen und liess sie im Heu übernachten. Am andern Morgen
lief die älteste Zigeunerin drei Mal ums Haus herum und
rief:
"Nie meh tuet das Hus abbrenne,
s'wohnt e guete Fürgeischt drinne!"
Aber später fing's doch einmal an zu brennen. Es war
frühmorgens um 3 Uhr; das Hausgesinde lag noch in tiefem
Schlafe, als im grossen Kamin Feuer ausbrach. Da gewahrte
der Bauer, wie ihn eine Stimme aus dem Schlaf weckte und ihm
ins Ohr flüsterte: "Es brennt im Chemi." Sofort sprang er
aus seinem Bett und sah, wie im Kamin schon die Flammen
emporzüngelten. Doch konnte er den Brand noch rechtzeitig
löschen. Seither [S.138] hat es im Hinterbirch nie mehr
gebrannt, obwohl später der Blitz in die Pappel fuhr, die
beim Hause stand und sie in Stücke zerschmetterte; das Haus
blieb vom Feuer verschont. [S.139]
Der Feuersprecher
[Ziefen (bei Reigoldswil): Es brennen 2 Häuser und 2
Scheunen ab - ein Feuersprecher bannt das Feuer - 101 Jahre
lang kein Brand mehr in Ziefen]
"1758 Donnstag, den 16. mertzen ist Ein grosse fürsbrunst
gewesen zwei Hüser und zwo scheunen Verbrand. Das eind Haus
und scheuren Ist im bendel Hug und Hans Tomen gewesen und
das ander im Haus Jogi buser und bendel Hug Hans sohn
gewesen. Diese Hüser sind in einer Viertelstund In einem für
gewesen das man nicht habe können darvon bringen. Das bezeug
ich, Heini Tschopp in Zifen."
So steht es auf der innern Deckelseite einer alten
[Jesus-Fantasie]-Bibel eingetragen, die in Ziefen aufbewahrt
wird. An diese Feuersbrunst knüpft sich folgende
Überlieferung [S.139]:
Während des Brandes holte man in Liestal einen
Feuersprecher. Dieser ritt auf einem Schimmel zur
Brandstätte. Dort legte er an allen vier Ecken des
brennenden Häuserblockes je ein weisses Blatt Papier nieder.
Alsdann sprach er seinen Bannspruch, worauf die Flammen
gerade auf gen Himmel schlugen und kein weiteres Gebäude
mehr ergriffen. Von da an währte es 101 Jahre, bis Ziefen
wieder von einem Brande heimgesucht wurde. [S.140]
Der Toteschädel
[Bretzwil (bei Reigoldswil mit Wasserfallen): Als zwei Buben
mit einem Totenschädel spielen wollen, kommt eine Stimme:
"Der war mal meiner!" - dann spielen die Buben nicht mehr]
E junge Burscht vo Brätzbel, wo ufim e Hof gwohnt isch, wer
ums Läge gärn zu de Scharfschütze. S'het si aber sälbmol ein
im Schiesse guet müese-n-uswyse chönne, wenn er het welle
undere schwarzgrüene Huet mit-ere Fädere druf. Er het si us
däm Grund vill güebt; er het aber e kei gueti Breichi gha.
Do isch emol e Zigeunere uf dä Hof cho, vo der hei vill Lüt
bhauptet, si verstönd und chönn mehr as ander Lüt. Dä Schütz
het er es gklagt; si het gseit, si well ihm scho ne guete
Rot ge. Derfür chönn ere Späck ge, er sell aber s'Mässer e
chly tief in d'Späcksyte yne lo goh. Er mües luege, ass er
vom Totegreber e Toteschädel überchömm. Dernoh sell er dervo
öppis abschabe und sell vo däm Mähl bi jeder Ladig (bi de
domolige Vorderlader) zwüsche s'Pulver und d'Chugele tue; er
wärd's scho gseh, kei Schutz wärd ihm meh fehle. Der
Totegreber het Bricht gmacht und die Stell ginau bizeichnet,
wo-n-er e Schädel versteckt heig; er sell aber erst cho,
wenn's feischter syg. Dä Schütz het e Kamerad mitgnoh. Chum
het er der Schädel in de Hände gha, het vo der
[Jesus-Fantasie]-Chilche [S.140] här e hohli Stimm grüefe:
"Lo-n-in lo sy, er isch emol myn gsi!" Do het er der Schädel
vor Schrecke lo falle, und er und sy Kamerad hei zäme s'Päch
gkauft über d'Ringmur übere. [S.141]
Die Quadersteine von der Voregg
[Zwischen Sissach und Wintersingen: Der Bau des Hofguts
"Voregg" - eine Hellseherin gibt einen Tipp: Steine aus dem
Alptal - und wenn Pfingsten ein Vollmond ist, kann man dort
einen Goldschatz finden]
Als das Hofgut Voregg (an der Strasse von Sissach nach
Wintersingen) gebaut werden sollte, fehlte es an guten
Mauersteinen. Zwar gab es in Sissach mehrere Steinbrüche,
doch lagen sie alle zu weit entfernt. In ihrer Verlegenheit
wandten sich die Bauleute an eine Hellseherin und baten sie,
ihnen in der Nähe des Bauplatzes eine Stelle zu bezeichnen,
wo sie nach Steinen graben konnten. Nach kurzem Besinnen
riet die weise Frau, in einem Wäldchen des Alptales,
oberhalb der "kleinen Alp", zu suchen; denn dort gäbe es
Steine im Überfluss. Dieser Rat wurde befolgt, und wirklich
kamen bald die schönsten behauenen Sandsteine zum Vorschein.
Der Bau konnte deshalb rasch vonstatten gehen. Einige der
gefundenen Steine wurden als Ecksteine verwendet und sind
noch heute am Wohnhaus der Voregg zu sehen.
Die Hellseherin sagte ferner aus, dass an der Fundstelle ein
goldener Götze verborgen liege. Es sei ein Leichtes, ihn zu
heben. Nur müsse eine Pfingstnacht abgewartet werden, da der
Vollmond scheine. Leider soll [Jesus-Fantasie]-Pfingsten nur
alle vierhundert Jahre auf den Tag des Vollmondes fallen und
so wartet der wertvolle Gegenstand noch immer auf den
glücklichen Finder. [S.141]
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